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Aggressive Fahrgäste Amsterdamer Busfahrer sammeln Spuckspuren

Busfahrer John Nederhof in Amsterdam: Immer wieder angespuckt Zur Großansicht
Femmy Weijs

Busfahrer John Nederhof in Amsterdam: Immer wieder angespuckt

Weil immer öfter wütende und spuckende Fahrgäste in Amsterdamer Bussen auftauchen, greifen die Verkehrsbetriebe zu neuen Mitteln: Mitarbeiter sammeln die Speichelproben von der Uniform und lassen sie mit der Datenbank der Polizei abgleichen.

In 30 Jahren als Busfahrer wurde John Nederlof mindestens fünf Mal angespuckt, zuletzt Ende August. Nach der Nachtschicht bat er den letzten Fahrgast an der Endhaltestelle auszusteigen. Der angetrunkene Mann schrie - und spuckte den Fahrer an.

"Lieber kriege ich eins auf die Birne, als angespuckt zu werden", sagt Nederlof in einem Interview mit der niederländischen Zeitung "Metro". Bespucken sei die ultimative Beleidigung: "Man fühlt sich so gedemütigt und dreckig." Beim ersten Mal sei er sofort zur Toilette gerannt und habe 20-mal sein Gesicht gewaschen.

In Zukunft sollen Nederlof und seine Kollegen jedoch eine DNA-Probe nehmen, bevor sie die Spucke abwischen. Die Amsterdamer Verkehrsbetriebe GVB greifen seit Anfang Oktober zu dieser neuen Maßnahmen im Arbeitsschutz. Mitarbeiter werden geschult und mit "Spuck-Kits" ausgestattet, um DNA-Beweise zu sammeln.

Abgleich mit Polizei-Datenbanken

Ein Set besteht aus einem Täschchen von der Größe eines Kulturbeutels. Darin sind Plastikhandschuhe, ein Wattestäbchen und ein versiegeltes Döschen - Material, wie es auch die Polizei einsetzt. Damit werden Speichelproben von der Uniform genommen, um Anzeige zu erstatten. Das Döschen mit der DNA wird der Anzeige beigelegt. Die Behörden prüfen dann, ob es einen Treffer in den DNA-Datenbanken der Polizei gibt.

Zwei Jahre haben die Verkehrsbetriebe das Projekt vorbereitet und ihr Personal geschult. Zunächst nehmen 50 Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts daran teil. Innerhalb von sechs Minuten können sie an jedem Ort des Verkehrsverbunds sein. Sie wurden von einem Forensiker der Polizei unterrichtet und sind jetzt in der Lage, gerichtsfähige Beweise zu sammeln. DNA-Spuren müssen frisch sein und dürfen nicht mit anderem Material kontaminiert werden. Die Döschen müssen richtig verschlossen sein.

All das soll die Sicherheit am Arbeitsplatz für Bus-, Straßenbahn- und Metrofahrer vergrößern. Dabei sind die Spuck-Kits nur eine Maßnahme. Regelmäßig werden die Mitarbeiter darin fortgebildet, sich selbst zu verteidigen und mit aggressiven Passagieren umzugehen. Aber auch die Nachsorge nach angsteinflößenden Erlebnissen gehört dazu. Knapp die Hälfte der 4000 Mitarbeiter im Amsterdamer Stadtverkehr gab an, schon einmal Opfer von Gewalt oder Bedrohungen geworden zu sein. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Stadtverkehrsbetriebe 315 strafrechtlich relevante Vorfälle.

Belastung so groß wie bei physischer Gewalt

Alleine 2013 wurden knapp fünfzig Spuckvorfälle gemeldet. Die tatsächliche Zahl aber ist weit höher, weil die allermeisten Fälle nicht angezeigt werden. Die Wahrscheinlichkeit, den Täter zu finden, war bei Spuckern bisher klein - entsprechend selten wurden solche Angriffe gemeldet. Das soll sich jetzt ändern, hoffen die Verkehrsbetriebe. "Die Wirkung von spuckenden Fahrgästen auf die Mitarbeiter ist enorm", sagt GVB-Sprecherin Mireille Muller. Bespucken würde als schwerste Form der Beleidigung empfunden. Die Belastung sei mindestens ebenso groß wie bei physischer Gewalt, sagt sie.

Zwar hat die Gewalt im öffentlichen Nahverkehr in den vergangenen Jahren in Amsterdam abgenommen, wie auch in anderen Städten. Gestiegen ist aber die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeiter, im Berliner Nahverkehr beispielsweise um 25 Prozent. Bespucken einer Amtsperson zählt als Beleidigung und kann strafrechtlich verfolgt werden. Bis zu drei Monate Haft oder eine Strafe von 4000 Euro sind in den Niederlanden dafür fällig. Vor Gericht reicht eine bloße DNA-Probe jedoch nicht aus; auch die Videoaufnahmen aus dem Fahrzeug sind als Beweis nötig.

Den Verkehrsbetrieben geht es vor allem um Abschreckung: Die DNA-Proben sollen die Wahrscheinlichkeit vergrößern, die Täter zu finden. Selbst wenn es keinen Treffer in der Datenbank gibt, wird die Spuck-Probe zwölf Jahre lang bei den Behörden gespeicher - zur Abschreckung.

Er jedenfalls, sagt Fahrer John Nederlof, sei zufrieden mit der neuen Maßnahme.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
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1. Es gibt ja in vielen westlichen Ländern nach ...
kenterziege 02.11.2015
.. Jahrzehntelanger Permissivität der Behörden und Gesetzgeber ein gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln kaum noch zu ertragenes Verhalten vieler Fahrgäste - besonders am späten Abdn und in der Nacht. Die Folge davon ist, dass die Busse und Bahnen verslummen und "ordentliche" Fahrgäste diese Verkehrsmittel meiden. Um so erstaunter war ich vor zwei Jahren von dem Sicherheitskonzept der australischen Stadt Perth. Busfahrer hinter "Gittern". Überall Kameras im Bus. Wenn sich auch nur einer "getraut" die Füße auf den gegenüberliegenden Sitz zu legen, drückt der Busfahrer einen "Notknopf". Gleichzeitig werden die Türen verriegelt und noch vor der nächsten Haltestelle ist ein Sicherheitsstreife da, die den Bus betritt und die Deliqunten rausholt. Das sind richtige Männer aus dem Busch, die keine Faxen machen und auch so aussehen. Mit diesen Maßnahmen hat es "Transperth" geschafft, Busse wieder durch Bürger benützbar zu machen. Bei uns würden die Sozies aufheulen, wie die verbrühten Katzen, wenn man dieses wirksame System der "Zero-Tolerance" übernehmen würde! Hier lässt man lieber alles verkommen! Kein Wunder, das viele lieber das Auto oder Taxi nutzen!
2. In england jahrelange praxis
muttisbester 02.11.2015
In england wird das bespucken der fahrer seit jahren verfolgt. Steht als großer hinweis in allen bussen. Wird hoffentlich bald in deutschland umgesetzt, viel braucht man ja nicht. Ein röhrchen, einen alarmknopf und die polizei. ...und natürlich härtere strafen.
3. no go
pluuto 02.11.2015
Das ist Vorratsdatenspeicherung und würde in Deutschland gar nicht gehen.
4. Kenterziege hat Recht
ekel-alfred 02.11.2015
Zitat von kenterziege.. Jahrzehntelanger Permissivität der Behörden und Gesetzgeber ein gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln kaum noch zu ertragenes Verhalten vieler Fahrgäste - besonders am späten Abdn und in der Nacht. Die Folge davon ist, dass die Busse und Bahnen verslummen und "ordentliche" Fahrgäste diese Verkehrsmittel meiden. Um so erstaunter war ich vor zwei Jahren von dem Sicherheitskonzept der australischen Stadt Perth. Busfahrer hinter "Gittern". Überall Kameras im Bus. Wenn sich auch nur einer "getraut" die Füße auf den gegenüberliegenden Sitz zu legen, drückt der Busfahrer einen "Notknopf". Gleichzeitig werden die Türen verriegelt und noch vor der nächsten Haltestelle ist ein Sicherheitsstreife da, die den Bus betritt und die Deliqunten rausholt. Das sind richtige Männer aus dem Busch, die keine Faxen machen und auch so aussehen. Mit diesen Maßnahmen hat es "Transperth" geschafft, Busse wieder durch Bürger benützbar zu machen. Bei uns würden die Sozies aufheulen, wie die verbrühten Katzen, wenn man dieses wirksame System der "Zero-Tolerance" übernehmen würde! Hier lässt man lieber alles verkommen! Kein Wunder, das viele lieber das Auto oder Taxi nutzen!
Irre ich mich, oder verroht die Menschheit so langsam? Wir sollten wirklich mal wieder zur härteren Gangart übergehen, die liberale Gesellschaft bekommt nicht jedem. Höflichkeit, Toleranz, Achtung von Werten.....heutzutage immer mehr Fremdwörter. Schade!
5.
smu_di 02.11.2015
@kenterziege: Was soll der Verweis auf die "Sozies"? Hier in München waren 80% der nächtlichen Fahrgäste noch gar nicht auf der Welt, als zum letzten Mal jemand anders als die SPD regierte. Und trotzdem steigen da selbst die Damen in Pelz offenkundig unbesorgt nach Oper, Theater etc. in die U- und S-Bahn. Es gibt auch kaum aufgeschlitzte Sitze und verkratzte Scheiben... und das, oh Schreck, sogar bei 25% Ausländeranteil schon vor der Flüchtlingswelle (Berlin zum Vergleich 15%). Über mehrere Perioden waren sogar Grüne und Rosa Liste in der Koalition. Das passt vermutlich so gar nicht in Ihr Weltbild... @pluuto: Was soll daran Vorratsdatenspeicherung sein?! Vorratsdatenspeicherung wäre, wenn jeder Fahrgast beim Betreten des Busses schon eine Speichelprobe abgeben müsste, nicht erst, wenn er etwas angestellt hat. Sind Sie noch in der Lage, diesen klitzekleinen Unterschied zu erkennen?
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