Nur noch wenige Wochen, dann soll alles besser werden: Ab April wird die Berufsausbildung von Einwanderern in Deutschland schneller anerkannt. Das ist der Zweck einer Neueregelung, die der Bundesrat vergangenen November beschlossen hat. Die Hoffnung der Reformer: Dann könnten mehr Menschen aus dem Ausland kommen, um den Deutschen aus ihrem Fachkräftemangel zu helfen.
Doch eine Studie des Ifo-Instituts im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad lässt den Schluss zu, dass damit ein Problem gelöst wird, das keine große Rolle spielt: Knapp 87 Prozent der deutschen Unternehmen finden nämlich, dass die betreffenden Regelungen für sie gar nicht relevant sind. Und von denen, die sie relevant finden, gaben 59 Prozent an, dass sie schon jetzt, also vor der Reform, keine Beeinträchtigung durch das bestehende Recht bemerken.
Das Ifo-Institut hat zu diesem Thema rund 1000 Personalchefs deutscher Unternehmen aller Branchen (außer Finanzdienstleistungen) befragt. Die Umfrage fand im Oktober statt, zu einer Zeit, als die Neuregelung schon absehbar, aber noch nicht vom Bundesrat abgesegnet war.
Große Firmen, größere Probleme
Dabei gibt es allerdings wichtige Unterschiede, je nach der Größe der befragten Firmen und nach ihren Branchen. So fühlen sich von der Frage ausländischer Berufsabschlüsse im Handel nur 9 Prozent betroffen, bei allen anderen Dienstleistern waren es rund 16 Prozent. Kleinere Unternehmen sorgten sich um die Problematik weniger als Große: Ab einer Mitarbeiterzahl von 250 fühlten sich 17 Prozent betroffen; fast genauso hoch lag der Anteil der beeinträchtigten Firmen ab einer Größe von 500 Mitarbeitern.
Nach dem Gesetz sollen Zuwanderer ab dem 1. April einen Rechtsanspruch darauf bekommen, dass Berufsabschlüsse, die sie in ihrer Heimat erworben haben, innerhalb von drei Monaten überprüft werden. Stimmt die Qualifikation mit den deutschen Anforderungen nicht überein, müssen zumindest die im Ausland erworbenen Kenntnisse bescheinigt werden.
Der Gesetzentwurf war lange Zeit umstritten. Zwar bestand bei den Parlamentsparteien Einigkeit darüber, dass die Anerkennung von ausländischer Ausbildung erleichtert werden soll, aber die Opposition wollte Einwanderern noch stärker unter die Arme greifen. Neben der Überprüfung sollte nach dem Willen der SPD-Bundestagsfraktion auch die Nachqualifizierung als Rechtsanspruch festgeschrieben werden.
Arbeit weit unter der Qualifikation
So bemängeln Kritiker, dass allein der Anspruch auf Überprüfung keine sozialen Hürden abbaue, weil sich viele Zuwanderer eine Nachqualifizierung nicht leisten können. Wenn außerdem die Unternehmen in der Mehrzahl angeben, von den Regeln nicht betroffen zu sein, dann dürfte sich die Zahl der Einwanderer am deutschen Arbeitsmarkt auch nach dem 1. März kaum verändern.
Allerdings kommt die Neuregelung den Wünschen vieler Migranten entgegen, die bereits in Deutschland sind. Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) leben in Deutschland etwa 2,8 Millionen Zuwanderer mit ausländischem Abschluss, darunter 800.000 Akademiker. Viele von ihnen müssen Arbeiten weit unter ihrer Qualifikation verrichten, weil ihre Qualifikation in Deutschland nicht anerkannt wird. Ob sich für sie in der Praxis tatsächlich spürbare Verbesserungen ergeben, ist aber ebenfalls umstritten.
mamk
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