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Arbeiten in Polen Die deutschen Teuerlöhner kommen

Polen ist das neue Österreich, denn in der Liste der Lieblingsziele deutscher Arbeitsnomaden rangiert das Land jetzt schon auf Platz drei. Der Nachbar gilt als Wirtschaftswunderland. Vier Deutsche erzählen, warum sie in den Osten gingen und wie ihnen das Leben und Geldverdienen dort gefällt.

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Grenzpfeiler: Polen zieht mehr Deutsche an als Australien und Kanada zusammen

Auswandern - das klingt nach Palmen und Stränden, Kängurus und endlosen Highways. Die Realität sieht für viele Deutsche aber ganz anders aus: In der Rangliste der beliebtesten Auswandererziele liegen nämlich nicht Australien oder Spanien vorn, sondern die Schweiz, die USA - und Polen. Das Land hat nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2009 Österreich von Platz drei verdrängt.

Umgekehrt ist der ganz große Zustrom von Polen nach Deutschland ausgeblieben. Zum 1. Mai 2011 brach die Freizügigkeit für Arbeitskräfte aus acht Ländern Osteuropas an. Teils hofften deutsche Unternehmen auf Grenzgänger gegen den Fachkräftemangel, teils kursierten Warnungen vor einer Invasion der Billiglöhner. Gerade für polnische Arbeitnehmer war Deutschland keineswegs ein Magnet: Im ersten Halbjahr nach der Arbeitsmarktöffnung übersiedelten nur 22.000 Menschen mehr als im Halbjahr zuvor.

Derzeit wachsen in Polen erneut die Sorgen vor einer Abwanderung von Fachkräften, weil deutsche Arbeitgeber verstärkt werben. Die Zeitung "Rzeczpospolita" berichtete am Montag über ein Drittel mehr "Lockangebote" aus Deutschland als 2010: Zahlreiche Firmen zahlten inzwischen Wechselprämien und Familienheimfahrten und stellten zudem geringere Anforderungen an die Deutschkenntnisse der Bewerber als zuvor.

Aber die Fachkräfte haben auch gute Gründe, zu bleiben statt zu gehen. Polen gilt als Boomland, mit der Wirtschaft ging es jahrelang konstant aufwärts. Auch während der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 hat sich das Wachstum kaum abgeschwächt; der Rating-Riese Standard & Poor's, vor dem ganz Europa zittert, stellte Polen zuletzt sogar eine bessere Bonitätsnote in Aussicht. Seit Polen zur EU gehört, investieren immer mehr ausländische Firmen im großen Stil. Das meiste Geld kommt von deutschen Firmen, die allein 2010 gut 1,6 Milliarden Euro in Polen investierten, mehr als ein Drittel aller direkten Auslandsinvestitionen.

Die Bedingungen sind besser als in den meisten anderen Ländern Osteuropas - also machten sich im Jahr 2009 rund 12.000 Deutsche auf den Weg nach Polen, zum Beispiel als Anwälte, Manager, Ingenieure und Übersetzer. In den größten polnischen Städten mangelt es derzeit nicht an Arbeit, sondern an Arbeitskräften. Vor allem in der Baubranche, in Ingenieurberufen und im Finanzsektor fehlen Fachleute. In Warschau beträgt die Arbeitslosigkeit unter vier Prozent, in Poznan (Posen) liegt die Quote sogar noch darunter.

Und wie sieht es in der Praxis aus? Der Deutsche Akademische Austauschdienst veranstaltete unlängst in Warschau ein Seminar. Vier Deutsche erzählen, warum sie nach Polen kamen, was ihnen dort gefällt und woran sie sich erst gewöhnen mussten.

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Text: mamk/dpa


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