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Einsatz gegen Seesterne Tauchen, um zu töten

Ochsengalle für Dornenkronen: Unterwegs mit Seesternjägern Fotos
DPA

Seesterne bedrohen das Great Barrier Reef. Die australischen Behörden schicken deshalb Taucher ins größte Korallenriff der Welt, um die Tiere mit Ochsengalle zu vergiften. Die Jäger waren früher Immobilienmakler und Animateure - und verdienen nun zum Teil das Doppelte.

Morgens um sieben im Hafen von Cairns, Australien: Die Crew der "Venus II" lädt Laptops, Gemüse, Regenjacken ein. Zehn Tage wird sie auf See sein, direkt am Great Barrier Reef, keine 50 Kilometer vor der Küste. An Bord: Kapitän Jared und zehn Taucher. Die Mission: Dornenkronen-Seesterne töten, so viele wie möglich. Weil die Tiere das größte Korallenriff der Welt kahlfressen, wollen die Taucher ihnen Ochsengalle einspritzen. Ein einziger Schuss kann die Tiere zur Strecke bringen.

"Manchmal tut's einem leid, aber ich weiß, dass die Eliminierung einem höheren Zweck dient", sagt Georgia, mit 19 Jahren die jüngste Taucherin an Bord. Sie arbeitete vorher bei einem Immobilienmakler. Diese Arbeit - zehn Tage auf dem Boot, vier Tage frei - gefällt ihr besser. "Dies ist mein dritter Trip", sagt sie. "Ich verdiene doppelt so viel und ich kann nach dieser Tour meinen Autokredit abzahlen."

Die Truppe an Bord ist ein eingespieltes Team. Einige haben vorher als Tauchlehrer oder Animateure in Touristenzentren gearbeitet, andere haben Meeresbiologie studiert. Jeder packt an: Sie lösen sich ab beim Kochen und beim Putzen, wenn es sein muss, auch im Maschinenraum.

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Kapitän Jared nimmt an diesem Morgen Kurs auf Green Island, ein Tauchparadies etwa 45 Minuten vor der Küste von Cairns. Der Trip führt weiter Richtung Norden und dauert insgesamt zehn Tage. In Green Island hat die Crew vor einem Monat schon einmal abgeräumt. "Das Beste wäre, hier heute nichts zu finden", sagt er.

Jeder Taucher trägt einen Plastikcontainer mit Gift am Gürtel und zwei etwa einen Meter lange Stöcke. An einem ist die Spritze per Schlauch mit dem Giftbehälter verbunden, am anderen ist ein Haken, um das Tier zu fixieren. Der Taucher stößt die Nadel in den Körper und presst mit einem Handgriff das Gift durch die Spritze. "Wir müssen mit der Spritze am oberen Teil eines Arms treffen, etwa in Höhe Bizeps", sagt Expeditionsleiter Daniel Schultz, 36.

Dornenkronen sind wichtig - eigentlich

Er bezeichnet die Dornenkronen als Pest. Das 2300 Kilometer lange Great Barrier Reef an der australischen Ostküste ist angegriffen, durch die Schifffahrt, Düngemittel, die von Plantagen ins Meer gespült werden, und Zyklone. Eine Invasion der gefräßigen Seesterne könnte ihm den Rest geben.

In einem gesunden Ökosystem haben Dornenkronen durchaus ihre Aufgabe. Sie fressen vor allem schnell wachsende Korallen, um langsamer wachsenden Arten Platz zu machen. "Sie sind ein bisschen wie Buschfeuer, die das Unterholz abbrennen und Platz für Neues schaffen", sagt Schultz.

Wenn das Ökosystem angeschlagen ist, gerät es mit einer Dornenkronenschwemme aber schnell aus den Fugen. Während sie früher nur alle 80 Jahre massiv auftraten, gibt es jetzt alle 15 Jahre Ausbrüche, berichtet die Meerespark-Behörde am Great Barrier Reef. "Dornenkronen stellen für das langfristige Überleben der Korallenriffe eine bedeutende Bedrohung dar", warnt auch das Meeresforschungsinstitut Aims.

Die Jagd auf die Seesterne finanziert die Behörde des Meeresparks Great Barrier Reef, organisiert wird sie vom Verband der Tourismusunternehmen am Korallenriff. "Die Säuberung der Riffe, wo Touristen schnorcheln und tauchen, hat höchste Priorität", sagt Schultz.

Bei ihrem Trip nach Green Island finden die Seesternjäger bei zwei Tauchgängen nur eine Handvoll Tiere - ihr letzter Jagdausflug in die Region hat also Wirkung gezeigt. Die Crew wappnet sich erleichtert für das nächste Tauchgebiet weiter nördlich. "Was wir machen, ist zwar mühsam, aber mit Sicherheit nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Schultz. "Wenn wir die Ausbreitung nach Süden verhindern können, haben wir viel gewonnen."

Christiane Oelrich/dpa/ant

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insgesamt 18 Beiträge
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1.
pinahannibal 28.03.2014
und wer begehrt nun auf wie bei den löwen oder der Giraffe? wohl eher wenige.ist ja was völlig anderes........
2. Was für eine Sekundärüberschrift
MissMorgan 28.03.2014
"Die Jäger waren früher Immobilienmakler" - eine Person arbeitete früher bei einem Immobilienmakler - eventuell auch als Sekretärin, Putzhilfe oder ähnliches. Hier prangere ich etwas an, was mir schon öfters aufgestossen ist - diese unzutreffenden Zusammenfassungen, lasst es doch wenn Ihr es nicht richtig könnt! Und um auf pinahannibal einzugehen: Doch, der Artikel verursacht mir ebenfalls Bauchschmerzen, aber meine Energie habe ich tatsächlich schon in den Kopenhagener Zoo gesteckt. Der ist räumlich näher, eventuell hören die Dänen eher auf eine deutsche Stimme als die Australier. Und sorry, dass ich nicht den ganzen Tag alle Unmenschlichkeiten gleich behandeln kann…
3. Der kleine Unterschied
Danares 28.03.2014
Zitat von pinahannibalund wer begehrt nun auf wie bei den löwen oder der Giraffe? wohl eher wenige.ist ja was völlig anderes........
Geht's bei den Löwen und der Giraffe im Zoo darum, ihren natürlichen Lebensraum zu schützen? Übrigens sind weder Löwe noch Giraffe *als Arten* gefährdet, insofern wundert mich auch etwas das Argument des Kopenhagener Zoos, man würde mit der Zucht ausgerechnet etwas zum Artenschutz beitragen. Ob es überhaupt sonderlich klug ist, Kindern ausgerechnet durch das Betrachten von größtenteils lethargischen Verhaltensweisen gelangweilter Zootiere "die Natur nahe zu bringen" wage ich übrigens auch mal zu bezweifeln. Das natürliche Verhalten lernen sie dann doch um Einiges besser auf 3Sat kennen (auch wenn solche Szenen in einigen Dokus oftmals gestellt sein mögen).
4.
7eggert 28.03.2014
Nacricht in einigen Jahren: Forscher entdecken, daß mit Ochsengalle vergiftete Seesterne giftig sind? Hoffentlich und wahrscheinlich auch nicht. Aber ich hätte mir schon einen Satz darüber gewünscht, ob das Vergiften besser ist, als das Abstechen.
5.
peter_1974 28.03.2014
Zitat von 7eggertNacricht in einigen Jahren: Forscher entdecken, daß mit Ochsengalle vergiftete Seesterne giftig sind? Hoffentlich und wahrscheinlich auch nicht. Aber ich hätte mir schon einen Satz darüber gewünscht, ob das Vergiften besser ist, als das Abstechen.
So eine Dornenkrone hat eh Giftstacheln und hat dadurch wenig Fressfeinde. Das Tritonshorn käme da in Frage... Spannend finde ich, dass Ochsengalle anscheinend funktioniert. Das ist neu! Abstechen, bzw. auch einfach einsammeln und verbrennen hat man früher schon probiert, leider mit dem gegenteiligen Effekt. Zum einen haben diese Seesterne enorme regenerative Fähigkeiten und einfach abstechen ist wohl garnicht so leicht. Außerden geben die Tierchen unter Stress Eizellen (mehrere Millionen!) und Samen ab ins Wasser. D.h. wenn man ein paar dieser Seesterne absticht oder auch einsammelt, dann hat man wenig später richtig viele davon.
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