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Deutsche Bäckerei in Sydney Bienenstich Down Under

Deutscher Auswanderer in Australien: Plötzlich Bäcker Fotos
Torsten Kauert

Acht Monate wollte Torsten Kauert in Australien bleiben, acht Jahre wurden daraus. In Leipzig war er Rettungssanitäter, in Sydney verkaufte er Fliegengitter, jetzt führt er dort zwei Bäckereien. Sie laufen gut. Nur bei Schwarzwälder Kirschtorte sind die Einheimischen skeptisch.

Krankenwagen, Bagger, Fliegengitter... Schwarzbrot. Diese Abfolge kommt dabei heraus, wenn man den Werdegang von Torsten Kauert, 32, auf wenige Wörter verkürzt. Dass aus dem Leipziger Rettungssanitäter schließlich ein Bäcker wurde, daran ist seine Frau Donna schuld.

Kauert war 24 Jahre alt, als er die Australierin kennenlernte. Er reiste mit einem Work-and-Travel-Visum durchs Land, acht Monate waren geplant. Die Reise ist jetzt acht Jahre her. "Als ich losfuhr, dachte ich, ich würde für immer als Rettungssanitäter arbeiten", sagt Kauert. "Aber dann war die Entscheidung zum Auswandern schnell gefasst."

Die ersten zwei Jahre arbeitete er in der Baubranche, dann gründete er seine eigene Firma, verkaufte Jalousien, Fliegengitter und Kaminöfen, die er aus Deutschland importierte. "Die Geschäfte liefen mäßig, nicht so prächtig wie erhofft", sagt Kauert. Mit einem Freund, der in Sydney eine große Kaffeebar eröffnet hatte, konnte er nicht mithalten. Und mit den beiden deutschen Auswanderern Ahmet Yaltirakli und Wolfgang Kelke schon gar nicht.

"German" steht für Qualität

Yaltirakli ist Inhaber der "Lüneburger German Bakery" mit mittlerweile acht Filialen in Sydney und Melbourne, die neunte soll bald öffnen. Wolfgang Kelke nennt sich und seine Bäckerei "King of Cakes", er bringt es auf drei Filialen in Brisbane - und zwei Fernsehauftritte in deutschen Auswanderer-Trash-Sendungen, bei denen er erst einen Mitarbeiter, dann eine Frau suchte. Und nebenbei ordentlich Werbung für seinen Laden machte.

Kauert ließ sich vom Erfolg seiner Landsleute nicht einschüchtern, im Gegenteil: "Das hat mir Mut gemacht, es auch zu versuchen." In der Kaffeebar seines Freundes machte er ein sechsmonatiges Praktikum, erarbeitete einen Businessplan mit seiner Frau und seinem Schwager. 2010 war es so weit: Er eröffnete in Sydney seine eigene Bäckerei. So heißt der Laden auch - Bäckerei. Allerdings mit dem Zusatz "It's German for good bread".

"Viele Australier wissen, dass Bäckerei ein europäisches Wort ist, können es aber nicht als deutsches identifizieren", so Kauert. Das sei aber sehr wichtig, denn "deutsche Backkunst ist hier sehr angesehen, das erleichtert uns die Arbeit".

Weil er sich vor der Eröffnung seiner Bäckerei noch nie mit Backen beschäftigt hatte, importierte er das Brot zunächst aus Deutschland. Das Geschäft lief nur schleppend, die Miete war hoch. Doch Kauert ließ sich nicht unterkriegen. Er verabschiedete sich vom Brotimport, stellte einen Bäckermeister ein. Brot und Brötchen werden nun im Laden fertig gebacken, so duftet es auch immer lecker. Und obwohl die Australier immer noch am liebsten zu Weißbrot greifen, riskiert doch der ein oder andere Kunde schon mal ein Vollkornbrot.

Scheu vor der Sahnetorte

"Australien ist kein wirkliches 'Brot-Land', Abendbrot im klassischen Sinn kennt man hier gar nicht, abends wird warm gegessen", sagt Kauert. Deutsche Kunden kauften sein Roggenbrot dagegen auf Vorrat: "Viele Auswanderer kommen bei uns vorbei, wenn sie in Sydney zu Besuch sind, und nehmen dann gleich für ihre Freunde Brot mit."

Bei allen Nationalitäten beliebt sind Bienenstich, Pflaumen- oder Apfelkuchen. An Schwarzwälder Kirschtorte trauen sich viele Australier nicht heran, doch auch die Sahneschnitten finden regelmäßig ihre Abnehmer: "Manche Kunden kennen sie von ihrem Urlaub in Europa und freuen sich, dass sie sie bei uns bekommen."

Vor kurzem hat Torsten Kauert seine zweite Filiale eröffnet, wenn alles gut läuft, wird es bald noch eine dritte geben. Investoren haben schon Interesse signalisiert. Kauert will sich jetzt verstärkt auf Bio-Produkte konzentrieren. "Ich bin zuversichtlich und merke, dass es jedes Jahr vorangeht." Seinen alten Job als Rettungssanitäter vermisst er dennoch ab und an: "Als Selbständiger hat man den Kopf nie frei."

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Marie-Charlotte Maas (Jahrgang 1984) arbeitet als freie Journalistin in Köln.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. blub
ralfbb 29.05.2012
klingt ein bisschen als ob die aufstrebenden baecker nicht genug bekommen koennen. macht doch jeder am besten noch ein tausend filialen auf ;)
2. ....
jujo 29.05.2012
Zitat von ralfbbklingt ein bisschen als ob die aufstrebenden baecker nicht genug bekommen koennen. macht doch jeder am besten noch ein tausend filialen auf ;)
Das Geheimnis ist der Duft der aus der Backstube in den Laden zieht, natürlich auch die Qualität die dem Duft folgt. Last but not least ist es die persönliche performance der Menschen die hinter der Verkaufstheke stehen. Ich habe da so meine Zweifel ob man an der "Größe" (Vielzahl von Filialen) sich nicht vertut, weniger ist manchmal mehr!
3. Brot
jagenauundso 29.05.2012
Zitat von sysopTorsten KauertAcht Monate wollte Torsten Kauert in Australien bleiben, acht Jahre wurden daraus. In Leipzig war er Rettungssanitäter, in Sydney verkaufte er Fliegengitter, jetzt führt er dort zwei Bäckereien. Sie laufen gut. Nur bei Schwarzwälder Kirschtorte sind die Einheimischen skeptisch. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/0,1518,832320,00.html
Tatsächlich haben auch schon die zwei grossen australischen Supermarktketten erkannt, dass man mit Brotvielfalt Kasse machen kann. Zwar sind die meisten Sorten dort nach wie vor ziemlich "lätschig", sprich weich und für den Toaster formatiert, aber man findet inzwischen Mehrkorn-, Roggen- und diverse andere Brote. Vor nicht allzuvielen Jahren war die Auswahl sehr deutlich geringer. Und wem ist das zu verdanken? Genau: der Integrationsunwilligkeit deutscher Einwanderer ;-)
4. Filialen
wooloomooloo 31.05.2012
Zitat von ralfbbklingt ein bisschen als ob die aufstrebenden baecker nicht genug bekommen koennen. macht doch jeder am besten noch ein tausend filialen auf ;)
1000 ist wohl ein bisschen übertrieben, aber das Filialkonzept ist meiner Meinung nach das richtige, wenn man hier mit Brot Geld verdienen will. Das hat mit genug bekommen nichts zu tun, denn Betriebskosten sind hoch, gerade im Innenstadtbereich. Sydney allein hat eine Grösse von 2058km2, mit potentiellen Kunden (wenn man mal nur die deutschen Einwanderer nimmt) in allen Stadtteilen. Ich z.B. hätte keine Lust, erst 2 Stunden zu fahren, um ein deutsches Brot zu kaufen. Der Lüneburger macht das schon richtig.
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