"Eine 'working mum' in Indien zu sein, ist für die meisten Frauen harte Arbeit. Nach wie vor wird von ihnen erwartet, so zu sein, wie ihre Mütter waren - also immer da, um die Bedürfnisse der Familie zu erfüllen. Die Männer haben ihr altes Rollenbild noch nicht abgelegt, die Frauen sollen arbeiten und sich gleichzeitig um Haushalt und Kinder kümmern.
Es ist nicht einfach, hier über die Runden zu kommen. Die meisten Frauen müssen Geld verdienen - und der Weg zur Arbeit dauert häufig mehr als eineinhalb Stunden. Das macht täglich drei bis vier Stunden Pendeln, acht oder neun Stunden Arbeiten plus Hausarbeit. Oft sehe ich Frauen, die im Zug Gemüse schnippeln, denn wenn sie abends nach Hause kommen, muss schnell das Essen auf dem Tisch stehen.
Für meine Schwester und mich ist es einfacher, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, denn wir arbeiten selbständig. Meine Schwester, meine Mutter und ich sind gleichwertige Partner in unserer Einkaufsagentur. Sie fungiert als Büro vor Ort für internationale Unternehmen, die Bekleidung oder Heimtextilien in Indien fertigen lassen möchten. Wir helfen bei der Entwicklung von Mustern, überwachen den Produktionsprozess, übernehmen Preisverhandlungen und Qualitätskontrollen. 2011 haben wir hier außerdem unseren ersten Einzelhandelsladen eröffnet.
Ich wünschte, ich hätte eine Frau
Wie sagt meine Schwester immer? 'Ich wünschte, ich hätte eine Frau!' Es wäre so gut, eine Ehefrau zu haben, die sich zu Hause um die Kinder kümmert, während wir schuften.
Platz ist knapp in Mumbai, entsprechend teuer ist der Wohnraum. Die Immobilienpreise sind vergleichbar mit denen von Manhattan. Wohnungen und Büros erinnern oft an Streichholzschachteln. Die Stadt wächst irrsinnig schnell und ist völlig überfüllt, rund die Hälfte der Einwohner lebt in Slums.
In einem Land, in dem es so viele Menschen gibt, ist das Leben ein Rennen um die vordersten Plätze - im Kindergarten, in der Schule, im Studium, in den Unternehmen. Dementsprechend groß ist der Drill in den Schulen. Dabei ist das Bildungssystem mangelhaft. Faktenvermittlung statt Bildung.
Meine Kinder schicke ich auf eine teure Privatschule, weil sie die Kinder dort nicht schlagen. Das ist der einzige Grund, denn der Unterricht ist auch nicht besser. Es ist ein stures Eintrichtern, die Kinder müssen auswendig lernen, was im Buch steht."
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