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Kinder und Karriere Andere Länder, andere Mütter

2. Teil: Unternehmerin Simi aus Indien: "Das Leben ist ein Rennen um die vordersten Plätze"

Simi, 46, lebt mit ihrer Familie in Mumbai. Sie führt eine Einkaufsagentur für Textilien Zur Großansicht

Simi, 46, lebt mit ihrer Familie in Mumbai. Sie führt eine Einkaufsagentur für Textilien

"Eine 'working mum' in Indien zu sein, ist für die meisten Frauen harte Arbeit. Nach wie vor wird von ihnen erwartet, so zu sein, wie ihre Mütter waren - also immer da, um die Bedürfnisse der Familie zu erfüllen. Die Männer haben ihr altes Rollenbild noch nicht abgelegt, die Frauen sollen arbeiten und sich gleichzeitig um Haushalt und Kinder kümmern.

Es ist nicht einfach, hier über die Runden zu kommen. Die meisten Frauen müssen Geld verdienen - und der Weg zur Arbeit dauert häufig mehr als eineinhalb Stunden. Das macht täglich drei bis vier Stunden Pendeln, acht oder neun Stunden Arbeiten plus Hausarbeit. Oft sehe ich Frauen, die im Zug Gemüse schnippeln, denn wenn sie abends nach Hause kommen, muss schnell das Essen auf dem Tisch stehen.

Für meine Schwester und mich ist es einfacher, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, denn wir arbeiten selbständig. Meine Schwester, meine Mutter und ich sind gleichwertige Partner in unserer Einkaufsagentur. Sie fungiert als Büro vor Ort für internationale Unternehmen, die Bekleidung oder Heimtextilien in Indien fertigen lassen möchten. Wir helfen bei der Entwicklung von Mustern, überwachen den Produktionsprozess, übernehmen Preisverhandlungen und Qualitätskontrollen. 2011 haben wir hier außerdem unseren ersten Einzelhandelsladen eröffnet.

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Buhmann Baby: Schon wieder schwanger - zwölf Mütter erzählen
In den zwanzig Jahren, die es die Firma nun schon gibt, haben meine Schwester und ich insgesamt fünf Kinder groß gezogen. Sanjitas jüngste Tochter Shefali war ein Baby, als wir einen großen Neukunden gewannen. Meine Schwester arbeitete Tag und Nacht. Ihr Mann oder unser Bruder brachten das Baby zum Stillen alle drei Stunden zu ihr ins Büro und nahmen es nach der 'Fütterung' wieder mit. Gegen 22.30 Uhr ließen sie die Kleine dann einfach dort; sie bekam ein provisorisches Bettchen auf dem großen Schreibtisch und schlief, während ihre Mama arbeitete.

Ich wünschte, ich hätte eine Frau

Wie sagt meine Schwester immer? 'Ich wünschte, ich hätte eine Frau!' Es wäre so gut, eine Ehefrau zu haben, die sich zu Hause um die Kinder kümmert, während wir schuften.

Platz ist knapp in Mumbai, entsprechend teuer ist der Wohnraum. Die Immobilienpreise sind vergleichbar mit denen von Manhattan. Wohnungen und Büros erinnern oft an Streichholzschachteln. Die Stadt wächst irrsinnig schnell und ist völlig überfüllt, rund die Hälfte der Einwohner lebt in Slums.

In einem Land, in dem es so viele Menschen gibt, ist das Leben ein Rennen um die vordersten Plätze - im Kindergarten, in der Schule, im Studium, in den Unternehmen. Dementsprechend groß ist der Drill in den Schulen. Dabei ist das Bildungssystem mangelhaft. Faktenvermittlung statt Bildung.

Meine Kinder schicke ich auf eine teure Privatschule, weil sie die Kinder dort nicht schlagen. Das ist der einzige Grund, denn der Unterricht ist auch nicht besser. Es ist ein stures Eintrichtern, die Kinder müssen auswendig lernen, was im Buch steht."

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insgesamt 186 Beiträge
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    Seite 1    
1. Sehr repräsentativ
Urban Spit 18.12.2012
Guten Morgen, hier 3 selbstständige Mütter erzählen zu lassen ist natürlich sehr repräsentativ - wie machen es denn die Mütter, die inkl. Pendelei mindestens 9, eher 10 Stunden pro Tag unterwegs sind? Da wird dann selbst die finnische 7-17-Uhr-Betreuung knapp... Vom praktischen mal ganz abgesehen: Was habe ich denn dann noch von meinen Kindern und die von mir? Grüße
2. Einseitig
fantin-latour 18.12.2012
Der Bericht über finnische Eltern verschweigt, dass Mobbing dort in Krabbelgruppen, Vorschulen und Schulen allgegenwärtig ist; man sieht es den verkniffenen Kindergesichtern auch an (im Vergleich etwa zu indischen Kindern!). Depravierung schafft nun mal keine Lebensfreude. Da finde ich die deutsche Haltung, wenn schon Kinder, dann ohne Wegorganisieren, oder eben gar keine, viel ehrlicher, als dieses "Kinder und Beruf - für uns Eltern ist das kein Problem". Abgesehen davon, dass 99 Prozent der Probleme dieses Planeten auf der maßlosen Vermehrung einer einzigen Spezies beruhen.
3. Alles Beispiele, in denen sich die Mütter die Zeit selber einteilen können,
zappuser 18.12.2012
wo sind die Mütter, deren Zeit durch Hierarchie fremdbestimmt wird? Hier zeigt sich, daß auch die Autoren dieses Artikels vom Kern des Problems keine Ahnung haben.
4.
muellerthomas 18.12.2012
Zitat von sysopKind und Job? In Deutschland passt das oft nicht zusammen. Anders im Ausland: In Finnland gibt es ein Baby-Care-Paket, eine Slowenin findet Vollzeitjobs für Mütter selbstverständlich, die indische "working mum" schmeißt nebenbei den Haushalt. Drei Frauen über ihr Leben zwischen Karriere und Krabbelgruppe. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/berufstaetige-muetter-frauen-aus-anderen-laendern-ueber-ihre-erfahrungen-a-873314.html
Auch in den genannten Ländern sind die Geburtenziffern in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken und liegen auch in Finnland und Slowenien unter 2, in Indien nur noch leicht über 2 mit weiter sinkender Tendenz. Offenbar ist das also kein deutsches, ja nicht einmal ein europäisches Phänomen.
5. Warum anstrengen, wenn es auch einfacher geht
peterpeter10 18.12.2012
In Deutschland ist niemand mehr bereit, Kompromisse einzugehen. Die Natur hat es nun einmal so eingerichtet, dass Frauen Kinder bekommen und nicht die Männer. M.E. ist das alles nur eine Ausrede um nicht die Verantwortung der Erziehung auf sich nehmen zu müssen. Frauen in anderen Ländern kennen noch die Werte, während die deutschen Frauen (Gott sei Dank nicht alle, es handelt sich leider immer um den gleichen Personenkreis) mehr Gleichberechtigung wollen. Macht alle weiter so .... wer soll denn in der Zukunft die Rente bezahlen, wenn nicht die Kinder...
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