• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Kinder und Karriere Andere Länder, andere Mütter

3. Teil: Industriedesignerin Snezka aus Slowenien: "Mit Kind hat man keine Zeit, das Leben zu verkomplizieren"

Snezka, 41, lebt mit ihrem Mann und Tochter Pegi Pika, 8, in LjubljanaZur Großansicht

Snezka, 41, lebt mit ihrem Mann und Tochter Pegi Pika, 8, in Ljubljana

"Als Slowenien unabhängig wurde, war ich gerade im zweiten Studienjahr an der Akademie der schönen Künste in Ljubljana. Plötzlich waren wir nicht mehr Teil eines großen Landes. Außerhalb des ehemaligen Jugoslawiens schien kaum jemand zu wissen, was oder wo Slowenien ist - das erlebe ich auf Auslandsreisen auch heute noch.

Ich stamme aus einer kleinen Stadt in der Region Primorska nahe der Küste. Meine Mutter ist Therapeutin an einer Schule für behinderte Kinder. Für uns ist es immer selbstverständlich gewesen, dass unsere Mütter arbeiten - bis heute sind Hausfrauen hierzulande selten.

Für meinen ersten Job als Industriedesignerin wurde ich direkt von der Uni weg engagiert, ein echter Glücksfall. 2003 habe ich mich selbständig gemacht, das war ein lang gehegter Wunsch von mir. Ausgerechnet als ich daranging, meinen Entschluss in die Tat umzusetzen, wurde ich schwanger. Als Mama nur zu Hause sein, das konnte ich mir nicht so recht vorstellen. Zum Glück erhielt ich gleich zu Beginn größere Aufträge. Die Gestaltung eines Bildbandes schloss ich einen Tag vor Pegis Geburt ab.

Selbstverständlich arbeiten Mütter Vollzeit

Ich habe schon Möbel entworfen, Inneneinrichtungen, Ausstellungen für Museen oder Messeauftritte. Die bislang größte berufliche Herausforderung für mich war die Innenausstattung des slowenischen Hauses für die Olympischen Winterspiele 2010. Ich habe sehr gute Monate und dann wieder Phasen, in denen ich nur wenige Aufträge bekommen. Die Zeiten sind wirtschaftlich schwierig, weshalb ich auch weiterhin lieber allein arbeiten will, also ohne Angestellte.

In Slowenien beginnt der gesetzlich bezahlte Mutterschaftsurlaub 28 Tage vor dem errechneten Entbindungstermin und dauert insgesamt 105 Tage. Anschließend kann man Elterngeld in Anspruch nehmen, in Höhe des durchschnittlichen Gehalts der vorherigen zwölf Monate. Die meisten Mütter kombinieren beides und bleiben insgesamt ein Jahr lang zu Hause. Manche teilen sich die Zeit mit den Vätern. Diese haben Anspruch auf 90 Tage Vaterschaftsurlaub, davon erhalten sie 15 Tage Vaterschaftsgeld.


Es ist selbstverständlich für slowenische Mütter, nach einem Jahr Auszeit in ihren Vollzeitjob zurückzukehren. Die Kinder kommen üblicherweise mit elf Monaten in den Kindergarten. Nur wenige Eltern arbeiten Teilzeit, obwohl Väter und Mütter per Gesetz das Recht haben, ihre Arbeitszeit auf vier Stunden pro Tag zu reduzieren, bis das jüngste Kind sechs Jahre alt ist.

Die Gebühren für den Kindergarten sind einkommensabhängig und fallen inzwischen nur noch für das erste Kind an. Ab dem zweiten ist der Besuch kostenlos. Die Regierung führte diese Regelung ein, als die Geburtenrate vor rund zehn Jahren extrem gesunken war und die Frauen auch immer später Kinder bekamen. Inzwischen hat sich das wieder geändert, viele junge Familien haben zwei oder drei Kinder. Vor einigen Jahren wurde die Grundschule um ein Jahr verlängert, seitdem werden die Kinder nun schon mit sechs Jahren eingeschult statt mit sieben. Und an den Ganztagsschulen werden sie bis 17 Uhr betreut.

Mein Mann ist Professor an der Sportfakultät in Ljubljana. Unsere Rollenverteilung ist ziemlich klassisch und in Slowenien nach wie vor sehr verbreitet: Für den Großteil des Haushalts und der Erziehung bin ich zuständig. Durch unsere Tochter ist die Beziehung zwischen meinem Mann und mir noch enger geworden. Wir halten uns nicht mit unnötigen Dingen auf. Mit Kind hat man keine Zeit, das Leben zu verkomplizieren - heute treffe ich Entscheidungen schneller und lebe einfach, anstatt zu viel nachzudenken."

  • Stefanie Heider
    Peggy Wandel (Jahrgang 1975) wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Lichtenstein im Schwabenland. Die Betriebswirtin arbeitet als selbständige Texterin und ist bekennende Globetrotterin. Für ihr neues Buch "Zwischen Karriere und Krabbelgruppe" interviewte sie Freundinnen und Fremde und stieß dabei auf großes Interesse am internationalen Austausch von Erfahrungen berufstätiger Mütter.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
Auf anderen Social Networks teilen
  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 186 Beiträge
Urban Spit 18.12.2012
Guten Morgen, hier 3 selbstständige Mütter erzählen zu lassen ist natürlich sehr repräsentativ - wie machen es denn die Mütter, die inkl. Pendelei mindestens 9, eher 10 Stunden pro Tag unterwegs sind? Da wird dann selbst die [...]
Guten Morgen, hier 3 selbstständige Mütter erzählen zu lassen ist natürlich sehr repräsentativ - wie machen es denn die Mütter, die inkl. Pendelei mindestens 9, eher 10 Stunden pro Tag unterwegs sind? Da wird dann selbst die finnische 7-17-Uhr-Betreuung knapp... Vom praktischen mal ganz abgesehen: Was habe ich denn dann noch von meinen Kindern und die von mir? Grüße
fantin-latour 18.12.2012
Der Bericht über finnische Eltern verschweigt, dass Mobbing dort in Krabbelgruppen, Vorschulen und Schulen allgegenwärtig ist; man sieht es den verkniffenen Kindergesichtern auch an (im Vergleich etwa zu indischen Kindern!). [...]
Der Bericht über finnische Eltern verschweigt, dass Mobbing dort in Krabbelgruppen, Vorschulen und Schulen allgegenwärtig ist; man sieht es den verkniffenen Kindergesichtern auch an (im Vergleich etwa zu indischen Kindern!). Depravierung schafft nun mal keine Lebensfreude. Da finde ich die deutsche Haltung, wenn schon Kinder, dann ohne Wegorganisieren, oder eben gar keine, viel ehrlicher, als dieses "Kinder und Beruf - für uns Eltern ist das kein Problem". Abgesehen davon, dass 99 Prozent der Probleme dieses Planeten auf der maßlosen Vermehrung einer einzigen Spezies beruhen.
zappuser 18.12.2012
wo sind die Mütter, deren Zeit durch Hierarchie fremdbestimmt wird? Hier zeigt sich, daß auch die Autoren dieses Artikels vom Kern des Problems keine Ahnung haben.
wo sind die Mütter, deren Zeit durch Hierarchie fremdbestimmt wird? Hier zeigt sich, daß auch die Autoren dieses Artikels vom Kern des Problems keine Ahnung haben.
muellerthomas 18.12.2012
Auch in den genannten Ländern sind die Geburtenziffern in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken und liegen auch in Finnland und Slowenien unter 2, in Indien nur noch leicht über 2 mit weiter sinkender Tendenz. Offenbar [...]
Zitat von sysopKind und Job? In Deutschland passt das oft nicht zusammen. Anders im Ausland: In Finnland gibt es ein Baby-Care-Paket, eine Slowenin findet Vollzeitjobs für Mütter selbstverständlich, die indische "working mum" schmeißt nebenbei den Haushalt. Drei Frauen über ihr Leben zwischen Karriere und Krabbelgruppe.
Auch in den genannten Ländern sind die Geburtenziffern in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken und liegen auch in Finnland und Slowenien unter 2, in Indien nur noch leicht über 2 mit weiter sinkender Tendenz. Offenbar ist das also kein deutsches, ja nicht einmal ein europäisches Phänomen.
peterpeter10 18.12.2012
In Deutschland ist niemand mehr bereit, Kompromisse einzugehen. Die Natur hat es nun einmal so eingerichtet, dass Frauen Kinder bekommen und nicht die Männer. M.E. ist das alles nur eine Ausrede um nicht die Verantwortung der [...]
In Deutschland ist niemand mehr bereit, Kompromisse einzugehen. Die Natur hat es nun einmal so eingerichtet, dass Frauen Kinder bekommen und nicht die Männer. M.E. ist das alles nur eine Ausrede um nicht die Verantwortung der Erziehung auf sich nehmen zu müssen. Frauen in anderen Ländern kennen noch die Werte, während die deutschen Frauen (Gott sei Dank nicht alle, es handelt sich leider immer um den gleichen Personenkreis) mehr Gleichberechtigung wollen. Macht alle weiter so .... wer soll denn in der Zukunft die Rente bezahlen, wenn nicht die Kinder...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
alles aus der Rubrik Ausland
alles zum Thema Weiberwirtschaft - KarriereSPIEGEL

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Buchtipp
  • Peggy Wandel:
    Zwischen Karriere und Krabbelgruppe

    20 berufstätige Mütter aus aller Welt erzählen, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen.

    Schwarzkopf + Schwarzkopf; Dezember 2012; 281 Seiten; 9,95 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.



Social Networks


TOP