"Als Slowenien unabhängig wurde, war ich gerade im zweiten Studienjahr an der Akademie der schönen Künste in Ljubljana. Plötzlich waren wir nicht mehr Teil eines großen Landes. Außerhalb des ehemaligen Jugoslawiens schien kaum jemand zu wissen, was oder wo Slowenien ist - das erlebe ich auf Auslandsreisen auch heute noch.
Ich stamme aus einer kleinen Stadt in der Region Primorska nahe der Küste. Meine Mutter ist Therapeutin an einer Schule für behinderte Kinder. Für uns ist es immer selbstverständlich gewesen, dass unsere Mütter arbeiten - bis heute sind Hausfrauen hierzulande selten.
Für meinen ersten Job als Industriedesignerin wurde ich direkt von der Uni weg engagiert, ein echter Glücksfall. 2003 habe ich mich selbständig gemacht, das war ein lang gehegter Wunsch von mir. Ausgerechnet als ich daranging, meinen Entschluss in die Tat umzusetzen, wurde ich schwanger. Als Mama nur zu Hause sein, das konnte ich mir nicht so recht vorstellen. Zum Glück erhielt ich gleich zu Beginn größere Aufträge. Die Gestaltung eines Bildbandes schloss ich einen Tag vor Pegis Geburt ab.
Selbstverständlich arbeiten Mütter Vollzeit
Ich habe schon Möbel entworfen, Inneneinrichtungen, Ausstellungen für Museen oder Messeauftritte. Die bislang größte berufliche Herausforderung für mich war die Innenausstattung des slowenischen Hauses für die Olympischen Winterspiele 2010. Ich habe sehr gute Monate und dann wieder Phasen, in denen ich nur wenige Aufträge bekommen. Die Zeiten sind wirtschaftlich schwierig, weshalb ich auch weiterhin lieber allein arbeiten will, also ohne Angestellte.
In Slowenien beginnt der gesetzlich bezahlte Mutterschaftsurlaub 28 Tage vor dem errechneten Entbindungstermin und dauert insgesamt 105 Tage. Anschließend kann man Elterngeld in Anspruch nehmen, in Höhe des durchschnittlichen Gehalts der vorherigen zwölf Monate. Die meisten Mütter kombinieren beides und bleiben insgesamt ein Jahr lang zu Hause. Manche teilen sich die Zeit mit den Vätern. Diese haben Anspruch auf 90 Tage Vaterschaftsurlaub, davon erhalten sie 15 Tage Vaterschaftsgeld.
Die Gebühren für den Kindergarten sind einkommensabhängig und fallen inzwischen nur noch für das erste Kind an. Ab dem zweiten ist der Besuch kostenlos. Die Regierung führte diese Regelung ein, als die Geburtenrate vor rund zehn Jahren extrem gesunken war und die Frauen auch immer später Kinder bekamen. Inzwischen hat sich das wieder geändert, viele junge Familien haben zwei oder drei Kinder. Vor einigen Jahren wurde die Grundschule um ein Jahr verlängert, seitdem werden die Kinder nun schon mit sechs Jahren eingeschult statt mit sieben. Und an den Ganztagsschulen werden sie bis 17 Uhr betreut.
Mein Mann ist Professor an der Sportfakultät in Ljubljana. Unsere Rollenverteilung ist ziemlich klassisch und in Slowenien nach wie vor sehr verbreitet: Für den Großteil des Haushalts und der Erziehung bin ich zuständig. Durch unsere Tochter ist die Beziehung zwischen meinem Mann und mir noch enger geworden. Wir halten uns nicht mit unnötigen Dingen auf. Mit Kind hat man keine Zeit, das Leben zu verkomplizieren - heute treffe ich Entscheidungen schneller und lebe einfach, anstatt zu viel nachzudenken."
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