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Weltmeisterschaft der Werber Cannes, mon amour

Festival der Werbebranche: Ein Film geht noch Fotos
AP/dpa

1000 Filme, 1000 Plakate, 1000 Texte - und nur fünf Tage, um die besten Kampagnen zu bewerten. In Cannes traf sich die Werbe- und PR-Branche zum großen Festival. Der Hamburger Agenturchef Mirko Kaminiski war als Juror am Start. Jetzt plagt ihn Liebeskummer.

"Ich habe mich verliebt. Auf den ersten Blick. Gut, meine neue Liebe ist etwas störrisch - ein Bier kostet bei ihr mehr als 20 Euro, und ans Tageslicht lässt sie einen selten. Aber das stört mich nicht. Ich bin ihr verfallen, der weltweit wichtigsten Veranstaltung der Werbebranche, dem Cannes Lions Festival.

Und nun, ein paar Tage nach meiner Abreise, leide ich unter Trennungsschmerz und Liebeskummer. Es ist eine Qual. Ich vermisse Cannes. Ich vermisse das Festival. Und ich vermisse meine Kollegen aus der PR-Jury. So sehr, dass es mich traurig macht. Binnen weniger Tage wurde aus einzelnen PR-Leute aus aller Welt eine Gruppe echter Freunde.

Seit 1953 treffen sich in Cannes jedes Jahr die Werber nach dem Filmfestival. Die kreativsten Arbeiten der Branche werden mit Löwen ausgezeichnet. Wer einen bekommt, darf darauf so stolz sein wie ein Schauspieler auf einen Oscar.

16 Kategorien gibt es, etwa für TV-Spots, Außenwerbung, Design oder eben PR. In dieser Kategorie saß ich in der Jury, zusammen mit 20 Kollegen unter anderem aus Brasilien, Japan, Argentinien, Neuseeland, Australien und den USA. Jeder von uns ist bei einer Agentur angestellt, die meisten haben auch schon selbst einen Löwen gewonnen. Am Anfang stellten wir uns einander noch etwas ungelenk vor.

Rund 1000 Wettbewerbsbeiträge sollten wir bewerten. In fünf Tagen. In einem kleinen Raum in einem großen Kongressgebäude am Strand von Cannes legten wir los: Jeder Wettbewerbsbeitrag besteht aus einem Text zur Kampagne, einem kleinen Plakat mit den wesentlichen Infos und einem Film von etwa zwei Minuten Länge. Darin wird das komplette Projekt erklärt: Ziel, Strategie, Idee, Ergebnis.

10.000 Euro für zwei Minuten

Schon in Hamburg hatte ich drei Wochen lang Beiträge begutachtet und benotet - neben meinem eigentlichen Job, in den Mittagspausen, abends zu Hause. Zunächst habe ich mir wirklich alles ganz genau angeschaut: Filme, Plakate, Texte. Auch aus Respekt vor der Arbeit und dem Geld, das die Agenturen da investiert haben. Manche geben allein für den zweiminütigen Film mehr als 10.000 Euro aus.

Eigentlich ist das ganz schlau. Denn irgendwann gibt man als Juror auf und konzentriert sich nur noch auf die Filme. Die Jury in zwei Minuten zu begeistern, ist eine wahre Kunst. Ich habe von Leuten gehört, die Hunderte Videos ausgewertet haben, um zum Rezept für den optimalen Film zu kommen. Sie sollen sogar herausgefunden haben, was exakt in den Sekunden 15 und 43 zu passieren hat, damit der Beitrag eine Chance hat. Gleichzeitig haben aber auch andere den Bogen gar nicht raus und langweilen einen mit eher lieblos gemachten Videos, ewig langen Texten und wissenschaftlichen Erläuterungen.

Frappierend ist, wie unterschiedlich einzelne Beiträge von Juroren bewertet wurden. Wer eher Unternehmenskommunikation macht, hat einen anderen Blick als jemand, der sich primär auf Marketing oder Social Media konzentriert. Durchgesetzt haben sich schließlich Beiträge mit einer emotionalen Idee und medienübergreifenden Kampagnen, wie zum Beispiel "Dumb Ways to Die", eine Kampagne der Agentur McCann für die U-Bahn in Melbourne. Der Spot wurde allein auf YouTube mehr als 50 Millionen Mal angeklickt. Und John, der Kopf der Kampagne, wurde in Cannes als Star gefeiert.

Deutschland auf Platz fünf

Insgesamt wurden in diesem Jahr 1169 Löwen verliehen, so viele wie noch nie zuvor. 35.765 Beiträge waren eingereicht worden, auch das ein Rekord. 175 Löwen gingen an die USA. Danach folgen Brasilien, Großbritannien, Australien und auf Platz fünf Deutschland.

Ich weiß nicht, wie viele Videos ich wohl insgesamt gesehen habe. Einige habe ich drei- oder gar viermal angeschaut. Der Tag, an dem wir die Gewinner bestimmten, war wie ein Marathon, mit Höhen und Tiefen, Euphorie und Niedergeschlagenheit, Ernst und Spaß. Jetzt vermisse ich das alles.

Ich vermisse James, diesen lustigen und schlagfertigen Agenturchef von Havas Australien, der die ganze Juryzeit hinweg rechts neben mir saß und mit mir flachste. Ich vermisse Koichiro aus Japan, der immer plötzlich dann enorm präsent wurde, sobald es um Technologie ging. Und der sich selbst für die schrägsten PR-Ideen begeisterte, sofern sie nur eben mit technischen Innovationen zu tun hatten.

Ich vermisse Pascal von der MSL Group in Frankreich, der uns in witzigen Situationen fotografierte und die Bilder mit Hashtag postete, was jeweils bei unseren Followern für kleine Irritationen sorgte. Ich vermisse alle. Wir haben uns mindestens neun Stunden täglich gesehen, am Ende sogar zwölf und dann 16 Stunden lang. Wir haben spätabends Pizza aus dem Karton gegessen und den berüchtigten Cannes-Rosé getrunken.

Ich bin voller Anregungen und inhalierter Inspiration und habe jetzt die Aufgabe, meine Mitarbeiter damit anzustecken. Was ich ganz sicher weitergeben kann: Das war eine der packendsten Erfahrungen meines Lebens."

  • Mirko Kaminski (Jahrgang 1971) gründete im Jahr 2001 achtung!, eine Kommunikationsagentur mit über 100 Mitarbeitern in Hamburg und in München. Zuvor studierte er Politik, arbeitete als Radioredakteur und Pressesprecher.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Bitte halten Sie endlich Ihren Mund.
kali.konrad 29.06.2013
Sehr geehrter Herr Kaminski, Ihr erstes wahrgenommenes in Erscheinungtreten, als Sie die Arbeitsbedingungen der Branche ankreideten, war ja noch löblich. Aber inzwischen gehen Sie einem Großteil der Branche auf den Senkel. Sobald ein morgendliches Raunen durch mein Großraumbüro wabert, wird mir schon vor Laden von wuv oder Horizont klar: wieder der Kaminisi. Ihre permanenten Wortmeldungen und belanglosen Interviews in den Branchendiensten. Schrecklich – und am liebsten würde ich ihnen meine dadurch vergeudete Lebenszeit in Rechnung stellen, wenn das was bringen würde. Darum ignoriere ich alles, was irgendwie ihren Namen trägt. Doch jetzt auch noch im Spiegel Ihre kindliche Wohlfühl-Prosa zu lesen, dass muss doch nicht sein. Inzwischen haben Sie sogar Herrn Kassei den Rang als Nervtröte Nr. 1 abgelaufen. Bitte besinnen Sie sich auf Ihre Kernkompetenzen zurück und werben Sie wieder ausschließlich für Ihre Kunden. Danke, Kali
2. oh mein gott
indeaschnai 30.06.2013
Was ist passiert? Verbrachte ich die letzten Jahre in Kryokonservierung? Oder warum darf plötzlich ein Penäler im Spiegel von der Klassenfahrt berichten? Lieber Herr Kaminsky, nun nachdem sie jeden Allerwertesten öffentlich gestreichelt haben, der ihrer Karriere (wenn man das so nennen will) förderlich sein könnte, können sie nun bitte wieder Ruhe geben. Die Latte für die Schamgrenze haben sie so tief gehängt, dass nicht mal mehr eine Mikrobe darunter Limbo tanzen könnte. Hat denn der Pascal ihnen auch was von seiner Pizza abgegeben? Konnte der Japaner ihnen erklären wie ein QR Code funktioniert? Und hat der James auch über ihre Witze gelacht? Ich fange heute schon früher an zu trinken. Das packe ich alles nicht mehr.
3. bitte kurz mal den schaum abwischen.
Ich weiss was. 30.06.2013
puh. das war aber dick. dicker als dick. wenn man zum ersten mal nach cannes kommt ist das ohne frage toll. und ein erlebnis. aber ein bisschen kritischer sollte man die sache dann doch betrachten, oder? beim oscar gibt es übrigens nicht knapp 2.000 preisträger -soviel zum thema wertigkeit. oder inflation der selbigen. dazu sei auf einen aktuellen beitrag von frau unkrich in der horizont verwiesen. die dame steht sicher nicht unter dem generalverdacht cannes schaden zu wollen oder gar überaus kritisch zu sein. trotzedem finden sie und ihr chef klare worte. auch ich bin erstaunt dass sich der spiegel für diesen niedlichen und ach so aufgeregten schülerzeitungsartikel hergibt. was läuft da schief?
4. Alles nur Fassade
Mackie Messer 12.07.2013
Sehr geehrter Herr Kaminski, wen möchten Sie mit Ihrem kokettierenden Verhalten eigentlich noch beeindrucken? Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit und die Videos vor Ihrem Regal sind zum Großteil so despektierlich Ihren Mitarbeitern gegenüber, dass in mir schon fast Wut aufkommt. Investieren Sie doch bitte Ihre Zeit in Ihr Unternehmen, darum dass es den Mitarbeitern gut geht und belästigen uns nicht noch mit weiteren Formaten (Heidis Woche) die kein Mensch braucht.
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In der deutschen Werbebranche arbeiten Schätzungen zufolge mehrere hunderttausend Menschen, viele davon als Freiberufler. Der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) ging im Jahr 2006 von gut 130.000 Stellen in den Werbeagenturen hierzulande aus.
Die Agenturlandschaft
Rund 3000 Werbeagenturen sind im deutschen Handelsregister eingetragen. Über 100 davon - vor allem die großen der Branche - haben sich im Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) zusammengeschlossen. Zwei Drittel der GWA-Agenturen haben 2010 neue Mitarbeiter eingestellt. Wichtigster Kunde der Werber war im vergangenen Jahr die Autoindustrie.

Insgesamt gibt es bundesweit mehr als 10.000 Werbeagenturen. Der Großteil beschäftigt nur eine Handvoll Angestellter; bei vielen übertrifft der Umsatz laut GWA nicht einmal die Schwelle von 250.000 Euro im Jahr.

Die Riesen der Branche
Marktführer ist die Firma Serviceplan. Das Münchner Unternehmen erreichte im Ranking der größten unabhängigen und inhabergeführten Werbeagenturen, das die Branchenmagazine "Horizont" und "w&v" ermittelten, den ersten Platz. Serviceplan beschäftigte demnach 2010 im Jahresmittel rund 1000 Mitarbeiter, erzielte einen Netto-Honorarumsatz von 145 Millionen Euro und wuchs damit um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf den folgenden Plätzen: Scholz & Friends (1500 Mitarbeiter, Umsatz 122 Millionen Euro); Media Consulta (334 Mitarbeiter; Umsatz 75 Millionen Euro); Jung von Matt (581 Mitarbeiter; Umsatz 64,3 Millionen Euro); Dialogfeld (245 Mitarbeiter; Umsatz 29 Millionen Euro).
Jung & weiblich
58 Prozent des Agenturpersonals sind laut einer GWA-Studie aus dem Jahr 2009 Frauen. Es ist eine sehr junge Branche: Fast die Hälfte der Mitarbeiter (46 Prozent) ist der Umfrage zufolge 30 Jahre oder jünger.

Tobias Lill

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