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CSI-Ausbildung In der Kaderschmiede der Geheimdienste

CSI-Studium: Dreckschuhe im Labor Fotos
Alina Reichardt

Leichenteile fotografieren, Blutspritzer untersuchen, Einschusslöcher vermessen - das Masterprogramm "Crime Scene Investigation" bereitet junge amerikanische Forensiker auf Tatort-Inspektionen und Terrorszenarien vor. Das Studium gilt als Sprungbrett für eine Karriere bei CIA oder FBI.

"Amerikaner töten ist die Pflicht jedes Muslims." Mit diesem Zitat von Osama Bin Laden begrüßt Sean Hearns seine Studenten - fertige Feindbilder hat der Gastdozent im Gepäck. Jalessa Wreh, 21, grinst nur. Sie ist den rauen Ton an ihrem Institut gewöhnt. "Crime Scene Investigation" heißt ihr Masterstudiengang an der George Washington University in Washington, D.C.

Das Kürzel CSI kennen in den USA alle, seit der beliebten amerikanischen Fernsehserie auch fast jeder in Deutschland. Im Kern geht es um Beweis- und Spurensicherung, Teil der klassischen Polizeiarbeit am Tatort und in den Labors. Jalessa hat schon einen Bachelor im Fach Strafrecht, ihr Ziel ist der gehobene Polizeidienst. "Dafür mangelt es eigentlich nur noch an der Fitness", sagt sie lachend und wuchtet ihren 200 Seiten starken Ordner auf den Tisch.

Sean Hearns ist als Gastredner da, er arbeitet für eine kleine Anti-Terror-Einheit, die auf nukleare Angriffe spezialisiert ist. Wie man es von einem amerikanischen Geheimdienstler erwartet, lästert er über seine russischen Kollegen. "Man sollte eben keine Viren züchten, die man nicht kontrollieren kann", sagt er und zeigt den Studenten Bilder mit narbenübersähten Opfern künstlich hergestellter Windpocken-Viren. Die Toten sind unverpixelt, zum Teil in Großaufnahme. Eine Kopie der Präsentation gibt es für die Studenten auch auf Nachfrage nicht. Die Fotos seien "top secret", sagt Hearns.

Schwarze Kärtchen für Sterbende

Episodenhaft streift er die Geschichte biologischer und chemischer Terrorangriffe. "1000 Kilogramm TNT können bis zu 80.000 Menschen töten, 30 Kilogramm Anthrax-Sporen bis zu 100.000", erklärt er beiläufig. Jalessa schreibt eifrig mit. Bei der Abschlussprüfung in der nächsten Woche muss sie in Grundzügen wissen, wie man eine Bombe entschärft, dass man nach einem Terroranschlag immer zuerst sich selbst behandelt und dass Verletzten mit schwarzen Kärtchen in der Hand nicht mehr geholfen wird. "Sterbewahrscheinlichkeit zu hoch", notiert sie sich dazu an den Rand.

Fotostrecke

9  Bilder
Spurensicherung und Co.: Kriminalisten und die größten Krimi-Lügen
In diesem Studium, das zeigt der Besuch schnell, geht es alles andere als sentimental zu. Hearns bietet nach der zweistündigen Vorlesung Visitenkarten und Hospitanzen an, eine übliche Praxis in dem Masterprogramm. "Viele der Redner kommen direkt aus dem Büro hierher und suchen gezielt nach Leuten, die sie nach dem Abschluss einstellen können", sagt Jalessa.

Sie muss sich beeilen, in der nächsten Stunde steht ein Test im Fach "Fotografie in der Forensik" an. Seminarleiter Edward Robinson wartet im Fotolabor schon mit den Testbögen. Er hat den CSI-Studiengang vor elf Jahren gegründet und leitet ihn noch heute. Die Bewerberzahlen steigen konstant. Auf 80 Studienplätze kommen pro Semester etwa 300 Bewerbungen, viele auch von ausländischen Studenten.

Den Job gibt es oft schon vor dem Abschluss

Entscheidend für die Aufnahme in den zweijährigen Studiengang sind gute Bachelor-Abschlussnoten und Empfehlungsschreiben. In welchem Fach der Bachelor gemacht wurde, spielt keine Rolle, solange man ein Seminar in Biologie und Chemie vorweisen kann. Jalessa hat beide Seminare als Sommerkurse nachgeholt.

In ihrem Fotografietest muss sie nun herausfinden, mit welcher Kameralinse man Blutspuren sichtbar machen kann. "Welches Licht wird von Blut absorbiert?", versucht ihr Dozent zu helfen. "Ultraviolett", fällt Jalessa ein. Sie schraubt eine schwarze Linse auf das Objektiv ihrer Kamera und fotografiert ein scheinbar weißes Stück Stoff. Die digitale Anzeige der Kamera zeigt nun einen blutigen Handabdruck auf dem Beweisstück, Jalessa kreuzt die richtige Antwort an: erster Teil bestanden.

Die meisten CSI-Studenten haben schon ein Jobangebot, bevor sie das Abschlusszeugnis in der Hand halten - vom FBI oder der CIA, aber auch von Polizeirevieren oder der Marine. Die Naval Crime Scene Investigation, eine Spezialeinheit der Marine, bestehe heute zu 80 Prozent aus seinen Absolventen, sagt Edward Robinson. Das Militär und die Marine würden viele ihrer Rekruten zusätzlich in das Studium schicken, um sie für Tatort-Untersuchungen qualifizieren zu lassen: "Ein Akademiker macht sich vor Gericht immer besser als ein einfacher Polizist."

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Alina Reichardt (Jahrgang 1985) studiert Journalistik in Leipzig und hospitiert zurzeit im SPIEGEL-Büro in Washington.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Albtraumhafte Ausbildung !
ZiehblankButzemann 15.12.2011
Danach muss doch jeder ursprünglich psychisch gesunde Mensch, reif sein für die Mutantenklappse oder den Drive-In-Schalter bei MC-Donalds. Kleiner Tipp: Schaut Euch doch am besten auch noch ein paar Saw-Filme an und spielt sie nach. Damit die Abstumpfung auch möglichst perfekt gelingt.
2.
GyrosPita 15.12.2011
Zitat von ZiehblankButzemannDanach muss doch jeder ursprünglich psychisch gesunde Mensch, reif sein für die Mutantenklappse oder den Drive-In-Schalter bei MC-Donalds. Kleiner Tipp: Schaut Euch doch am besten auch noch ein paar Saw-Filme an und spielt sie nach. Damit die Abstumpfung auch möglichst perfekt gelingt.
Dann erkundigen Sie sich doch mal bei deutschen Polizisten, Sanitätern und Feuerwehrleuten was die in ihrer Ausbildung (und vor allem danach) zu sehen bekommen. Ganz abgesehen davon ist der Artikel Kappes, für den normalen Polizeidienst interessiert sich wohl nur ein Bruchteil der Bewerber. Am meisten nervt der letzte Satz: "Ein Akademiker macht sich vor Gericht halt besser als ein einfacher Polizist". Jo, und ein weißer Angeklagter hat bessere Chancen auf Freispruch als ein schwarzer. Aber so sind sie ja nunmal die Amis: Immer viel Chichi, ein Bachelorstudiengang wo man bei uns in ner dreijährigen Berufsausbildung mehr lernt, aber dafür ist man am Ende Chief-Vice-Deputy Irgendwas, bekommt ne Dienstmarke und ne Uniformjacke und ist auf einmal wer. Aber gut das wir das System so langsam übernehmen, schließlich müssen ja seit Jahren die Studentenquoten mit Hinweis auf die Hohe Zahl der Studenten in USA gesteigert werden, und eine Krankenschwester braucht auch bald Abitur um die Bettpfannen leeren zu können...
3. Nachfrage
inhalator 15.12.2011
"Viele der Redner kommen direkt aus dem Büro hierher und suchen gezielt nach Leuten, die sie nach dem Abschluss einstellen können" - wie ist denn das englische Original? Falls die Dame nämlich von "The Bureau" sprach ist das FBI gemeint und nicht irgendein Polizeibüro.
4.
blobstop 15.12.2011
Zitat von inhalator"Viele der Redner kommen direkt aus dem Büro hierher und suchen gezielt nach Leuten, die sie nach dem Abschluss einstellen können" - wie ist denn das englische Original? Falls die Dame nämlich von "The Bureau" sprach ist das FBI gemeint und nicht irgendein Polizeibüro.
Schon einmal auf die Idee gekommen, dass "Buero" and dieser Stelle einfach nur "Buero" heissen soll? Viele der Dozenten arbeiten neben ihrer Dozententaetigkeit in den entsprechenden Einrichtungen (FBI, CIA, etc.) und kommen nunmehr nach Dienstschluss aus Ihrem "Buero" an die Uni. Von "Bureau" oder einer Uebersetzung aus dem Englischen ist an keiner Stelle die Rede...........
5. Csi
Montanabear 15.12.2011
Zitat von ZiehblankButzemannDanach muss doch jeder ursprünglich psychisch gesunde Mensch, reif sein für die Mutantenklappse oder den Drive-In-Schalter bei MC-Donalds. Kleiner Tipp: Schaut Euch doch am besten auch noch ein paar Saw-Filme an und spielt sie nach. Damit die Abstumpfung auch möglichst perfekt gelingt.
"Abstumpfung?" Sind Aerzte abgestumpft ? Professoren empfehlen Medizinstudenten, nach einer Obduktion Ruehrei zu essen, um den Grusel zu ueberwinden. Die Ausbildung fuer die, die an Lebenden operieren und die, die sich mit Toten beschaeftigen, ist die gleiche. Und ja, Gewoehnung gehoert zu beiden Berufen. Denkt man darueber nach, ist die CSI-Arbeit interessanter als "einfache Chirurgie." Und eben auf die Aufklaerungsaspekte konzentrieren sich die Kandidaten. Ueberwinden muss man sich fuer viele andere Berufe auch. Dass so viele CSI Spezialisten nun fuer die Geheimsdienste abeiten wollen, bezweifle ich jedoch. Jeder Ort hat seinen Spezialisten, der/die meist damit zufrieden ist, dort zu bleiben, wo sie sind. In spektakulaeren Fallen koennen sie immer Hilfe von den FBI-Kollegen bekommen.
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