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Denglisch-Kolumne You're hardly welcome

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Hör Mädschesti, se kwien: Deutsche liegen auf Englisch oft knapp daneben

Vollkommenheit erwartet niemand von Deutschen, wenn sie Englisch sprechen. Als Unternehmensberater pendelt Peter Littger zwischen Insel und Festland. Für manche Schnitzer, von Großspurigkeit bis Kriegsvokabular, schämt er sich nicht nur heimlich - sondern in der neuen Reihe "Fluent English".

Amerikaner beherrschen es, mit hundert Wörtern zu regieren - und selbst diesen Rest von Sprache vermögen manche noch zu verkürzen: George W. Bush verstümmelte den komplexen Begriff "Democracy" zu "Moxy" und machte aus "Freedom" stets "Freem". Vor allem die Briten haben ihn dafür jahrelang verulkt.

Wir Deutschen geben dagegen mit Ungenauigkeiten oder plumpen Befehlen Anlass für Verwunderung und Schadenfreude.

Neulich reiste im Flugzeug neben mir ein Niederländer, der sich als Simultandolmetscher für Deutsch und Englisch vorstellte. Ins Gespräch kamen wir über die von der "Financial Times" aufgezeichnete Bemerkung Philipp Röslers, Deutschlands Finanzlage sei "the envy of the world". Ich dachte: "Rösler ist ein Depp, weil er Deutschland damit über alle anderen Europäer stellt." Mein Nachbar grinste und sagte: "We have tricky and very offensive solutions."

Ohne Gnade filsern deutsche Exe Kjutifs durch die Welt

Übersetzt bedeutet das: "Wir haben halbwegs legale und total anstößige Lösungen." Der Dolmetscher erklärte, für ihn sei es nach 30 Jahren Berufserfahrung ein typisches Beispiel für die sprachlichen Dummheiten von Deutschen - von wichtigen Deutschen, die er überall treffe.

Eine Menge ähnlicher Phrasen habe auch ich schon auf Konferenzen oder Stehpartys gehört, in Präsentationen oder E-Mails gelesen. Sie erinnern an die guten alten Filserbriefe, die lange in der "Süddeutschen Zeitung" erschienen: "You are on the woodway." In solchen Momenten bin ich immer wieder verblüfft, wie gnadenlos deutsche Exe Kjutifs durch die Welt filsern, Karriere machen und wahrscheinlich allesamt in ihren Lebensläufen angeben würden, "fluent English" zu sprechen.

Damit meine ich überhaupt nicht die falsche Aussprache englischer Begriffe wie eben "executive", das viele Deutsche auf der mittleren statt der zweiten Silbe betonen. Ginge es darum, alles richtig auszusprechen, würden international wohl nur noch Nordeuropäer, Niederländer und vielleicht Deutschschweizer Karriere machen.

Klar, ein hartes "Ze zing is…" wirkt unbeholfen. Doch selbst wenn aus "heartily" mal ein "hardly" wird und eine freundliche Einladung zur Ausladung wird ("You are hardly welcome"), ist die Aussprache zweitrangig. Wem, außer Geheimagenten, nutzt schon perfekte kulturelle Mimikry? Die Imitation fremder Akzente und unentwegtes Wiederholen von Floskeln wie "you know" und "actually" wirken aufgesetzt und verschleiern die wahre Persönlichkeit.

Weißer Elefant zu verschenken

Irritierend und oft wahrlich schmerzhaft sind drei Phänomene. Mein niederländischer Flugnachbar findet, sie schaffen "kontraproduktive Verwirrung auf eine besonders deutsche Art".

  • Problem 1: "I will definitely mention the war", wie etwa der Internetinvestor Oliver Samwer - er hatte Firmenmitarbeiter in einer internen E-Mail unverhohlen zum "Blitzkrieg" beim Web-Handel aufgefordert. Manche Deutschen scheinen zu denken: Damit es die anderen kapieren, werde ich krass.

    Sarkastische Haltung oder perfide Taktik? Es bleibt ein Rätsel bei den Anspielungen auf Symbole des Militarismus und der Nazi-Herrschaft: Führer, Endlösungen, V2-Raketen, Dicke Berthas, Afrikacorps und Wüstenfüchse - bemüht wird alles, was ein Zivilist obszön finden könnte. Bevor der ICE der Deutschen Bahn 2010 zum ersten Mal nach London fuhr, erlebte ich einen Vertreter des Bahn-Konzerns, der scherzte, man könne mit gehisster Reichskriegsflagge in den Bahnhof St. Pancras rollen.

  • Problem 2: "I give a shit that my Floskeln don't work in English". Wenn das bloß Sportlern wie Lothar Matthäus passieren würde - aber leider gehört es zum Standard vieler Politiker, Spitzenbeamter und Wirtschaftsbosse. Sie diskutieren nicht gern, sondern hauen bloß Statements à la "The Euro is safe" raus, und das oft genauso wie zu Hause: eingeleitet mit den autoritären Formeln "you must" oder "they must".

    Lange hatten wir dafür Politiker wie Günther Oettinger auf dem Kieker. Fair war das nicht, das Phänomen ist viel weiter verbreitet. Sprachliche Ignoranz plus Übermut ergibt eine gewisse Selbstherrlichkeit. Die europäischen Nachbarn sprechen bereits von der neuen "German overconfidence", die sich in der gegenwärtigen Euro-Krise, man muss es leider sagen, zu einem deutschen Markenzeichen entwickelt hat - und zu einem Bumerang werden könnte. Im Stil des Rechtsanwalts und früheren CDU-Politikers Friedrich Merz klang das neulich so: "You can really forget the Greeks to make a state with them."

  • Problem 3 wirkt unauffällig und unerheblich, stiftet aber die wohl größte unproduktive Verwirrung: Es sind die semantischen Blindgänger und idiomatischen Streifschüsse. "Tricky" und "offensive" fallen in diese Kategorie ebenso wie "discriminating" - wer diskriminierend meint, muss "discriminatory" sagen. Und wer im Managementjargon zu neuen Lösungen jenseits des Standardweges kommen will, sollte niemals vorschlagen, "out of the box" zu denken. Nur wer sich "outside the box" aufhält, kann überhaupt das Neue finden.

Apropos Box: Manager des globalen Medienkonzerns Bertelsmann erfanden vor ein paar Jahren die "Pink Box"; Frauen können sie abonnieren und erhalten jeden Monat neueste "Kosmetik- und Beautyprodukten". Dumm nur, dass die "Pink Box" in den USA "Muschi" bedeutet - what a tricky and offensive solution!

Und apropos Muschi, schon ist man bei Edmund Stoiber, Spezialist für gestammelte Werke, schräge Metaphern, falsch verwendete Redewendungen - und auch für peinliche Präsente. Stoiber schenkte einst George W. Bush einen weißen Elefanten aus Porzellan. Das hätte niemand je gemacht, der weiß, was "White Elephant" im Englischen bedeutet: ein Geschenk, so nutzlos und so teuer im Unterhalt, dass es den Beschenkten letztlich ruiniert.

Wahrscheinlich sollten wir uns alle das Ding mit der Box mehr zu Herzen nehmen und uns nur noch außerhalb und weit entfernt von ihr aufhalten, um weitere halbwegs legale und anstößige Lösungen zu vermeiden - nicht nur dann, wenn die Kiste pink ist.

  • KarriereSPIEGEL-Autor Peter Littger sammelt in seiner "Fluent English"-Kolumne die schönsten Englisch-Patzer und Beispiele für sprachliche Kreativität. Ihn beschäftigt seit der Schulzeit, wie wir Deutschen im Ausland ankommen und mit fremden Sprachen und Sitten umgehen. 1990 gründete er im englischen Internat Dover College die "European Party" und erlebte erstmals, wie es sich anfühlt, den völlig falschen Ton zu treffen. Heute kennt er viele kleine Kulturschocks:
  • als Mitarbeiter einer Londoner Unternehmensberatung...
  • und als Vorsitzender der ältesten Deutsch-Britischen Stiftung.

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insgesamt 491 Beiträge
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    Seite 1    
1. Lovely Mr. Littger!
systembolaget 05.06.2013
You have safely right, that you the mangle on knowledge of foreign languate criticise. Fact is that the education in Germany bad is and too many Google Translate use. So can that naturally not be. So long German politicians and managers to piece are, that their go-stop every month over meadows is and forthbuilding nothing counts, nothing change. Good buy!
2. Denglische Grammatik
testuser300 05.06.2013
Viele Deutsche können englischen und deutschen Satzbau und auch entsprechend typische „kleine“ Redewendungen nicht trennen; bestes Beispiel ist der einleitende Satz des Artikels: „Amerikaner beherrschen es“, abgeleitet von „Americans are able“ statt „Amerikaner können”. „Sicherstellen“, „2 Personen empfehlen das“, Alltagsschriftgut wirkt heute meist gestelzt und ungelenk wie früher nur Übersetzungsklassenarbeiten. Deutsch verliert seine sprachliche Schärfe - und auch die, die es bemerken, sehen hilflos ihrem eigenen geistigen Verfall zu, der durch den übermächtigen, überall präsenten Einfluss des Grammatik-Denglischen unausweichlich geworden ist. Es fällt mir zunehmend schwer, auch nur Brötchen zu bestellen, ohne dieses seltsame Stelzendeutsch zu benutzen.
3.
twaddi 05.06.2013
So isses, leider. Und da zu viele Englischlehrer mittlerweile nur rudimentäre Kenntnisse der Sprache, die sie unterrichten, haben , wird's auch nicht besser werden. Not really ...
4. And overhead, before you...
systembolaget 05.06.2013
...others criticise, would I like to know, if your own English is as liquid as you give before! Many greetings!
5. Sicherlich
pauerkraut 05.06.2013
passieren da einige "Kloepse". Allerdings behaupte Ich; das die Mehrzahl der Deutschen, die sich in English versucht; besser aussieht als umgekehrt die Englaender bei ihren Versuchen Deutsch zu sprechen. Wenn sie es denn ueberhaupt vesuchen...Also lasst mal die Kirche in Dorf...
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