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Fluent English "Zwei geeiste Hoden bitte!"

Immer gut für eine Ladung Spott: Bestellung mit "Two ice balls, please" Zur Großansicht
Corbis

Immer gut für eine Ladung Spott: Bestellung mit "Two ice balls, please"

Wenn die Sommersonne das Hirn heizt, schaltet das Sprachzentrum auf Notstrom. Da kommt beim Übersetzen in harmlosen Alltagssituationen schon mal was Zweideutiges heraus. Also: Vorsicht bei der Eisbestellung!

Für mein Französisch habe ich im Sommer eine goldene Regel: Ab 25 Grad vermeide ich die Konversation in professionellen Situationen, und ab 30 Grad bemühe ich mich, sie vollständig einzustellen. An einem besonders heißen Tag verlangte ich in einer Pariser Bäckerei statt nach einem "Croque Monsieur" nach "Monsieur Croque" - und handelte mir anzügliche und hämische Bemerkungen der Bäckersfrau ein.

Auch der denglische Sprachraum ist voll von Konfusionen - und das in alle Richtungen. Es ist die Art von Missverständnissen, die es in der britischen Besatzungszone in Deutschland schon im Sommer 1945 gab. Die Soldaten erhielten die offizielle britische Warnung: "Go easy on Schnaps!" Die Deutschen verstanden das Gegenteil und schenkten immer mehr nach.

Engländer werden gleich wie Perverse behandelt, wenn sie etwas trinken wollen und dem bayerischen Kellner erklären, sie müssten "die Pfeife befeuchten" ("wet our whistle"). Deutsche Touristen neigen in dieser Bedürfnislage zur nihilistisch anmutenden Frage: "Where can I become a water?" - wo werde ich zum Wasser?

Tatsächlich beweist ein Bundesrepublikaner kein Selbstbewusstsein, wenn er im Londoner Wachsfigurenkabinett wissen will: "Where can I become a little model of the queen?" Auch habe ich schon gehört: "Where can I become a ticket?" Sie werden mir zustimmen: Flacher geht's wirklich nicht!

Sprachanfänger dürfen kauzig sein

Die Selbstverachtung kennt im Sommer keine Grenzen. Auch Amerikanerinnen, die den schlichten Wunsch nach einer Erfrischung unbedarft aus ihrer Muttersprache übersetzen, ahnen nicht, wie gaga sie klingen:

"Ich fühle mich wie ein Glas Wasser."
"Ich fühle mich wie ein Badesee."

Mein Freund Andreas, der im heißen Sommer mit einer englischen Dame Konversation übt, berichtete mir von einem Zwist: "Deine kleine Bettdecke macht mir königliche Schmerzen" ("Your small blanket gives me royal pain"). Sie wollte sagen: Wieso benutzt du eigentlich zwei Decken statt eine große? Offenbar ist das Bettdeckenformat eine erhebliche kulturelle Differenz zwischen Briten und Deutschen. Wie weit wir insgesamt auseinanderliegen, beweist auch die Formulierung "You wet blanket!" Nasses Laken heißt aber nicht etwa "Du Bettnässer!", sondern: "Du Spaßbremse!"

Insgesamt erlebe ich in der Sommersonne eine kulturelle Unfairness, die mir zuvor nie auffiel: Unsere Freunde aus dem englischen Sprachraum dürfen ihre Redewendungen oft bequem ins Deutsche übersetzen, ohne sich Ärger einzuhandeln. Gerade wenn sie Deutsch kaum können, schützt sie die Kauzigkeit des Anfängers. Das wohl charmanteste Missverständnis hörte ich diesen Sommer von einer Neuseeländerin: "Komm mal rüber, wenn du nichts anhast." Sie wollte bloß das sagen, was "Come over when you have got nothing on" in Wahrheit bedeutet: Lass uns mal quatschen, wenn du Zeit hast.

"Hitler has only got one ball, the other is in the Albert Hall"

Wir Deutsche dagegen bringen uns nicht selten in Bedrängnis, wenn wir Englisch nicht gut beherrschen, es aber trotzdem versuchen. Ich erinnere mich an einen Zeitungsgeschichte aus dem Jahr 1993. Beim Start eines Flugzeugs in den USA schrie ein betrunkener Passagier aus der Pfalz abwechselnd: "It will explode" und "The roof will go". Doch er meinte seine Blase und nicht das Dach des Flugzeugs. Die Crew fürchtete sich vor einer Bombe, der Kapitän machte eine Notlandung. Der arme Deutsche sollte die Aktion bezahlen.

Ein Richter mit deutschen Vorfahren klärte das Missverständnis auf: "Das Dach fliegt weg" stehe in der Heimat des Passagiers für "Ich muss aufs Klo". Der Tourist hatte mit der - mir unbekannten - Redewendung einen Schaden von mehreren zehntausend Dollar verursacht.

Deutsche Urlauber ernten nichts als Hohn, wenn sie freundlich zwei Kugeln Eis bestellen wollen und "Two ice balls, please" sagen statt "Two scoops of ice-cream". Ich denke dabei an ein altes englisches Propagandalied, den "Colonel-Bogey-March": "Hitler has only got one ball, the other is in the Albert Hall".

Es ist uns heute nicht mehr geläufig, auch weil in der deutschen Version "Komm doch mit auf den Underberg" einige wichtige Details unterschlagen wurden. Andererseits: "Hitler hatte nur einen Hoden" wäre als Wander- und als Werbelied ungeeignet. Und "Zwei geeiste Hoden bitte!" ist selbstverständlich überhaupt keine Art, ein Eis zu bestellen.

In Stuhlgewittern

Noch problematischer wird es, wenn Berliner Kellner in der Hitze fragen: "Water with gas or without gas?" - in der Annahme vielleicht, Englisch sei eine südeuropäische Sprache. Historisch unbelastet sollten sie fragen: "Fizzy or still?"

Ein denglisches Summer-Highlight 2013 ist für mich der abscheuliche Satz: "Der Soli ist für die Politik, was der doppelte Cheeseburger für die Couch-Potato ist." Geschrieben hat ihn Thilo Sarrazin, Deutschlands größter politischer Rüpel (im Englischen übrigens ein "Yahoo"), auf "Focus.de".

Zu den besonders ekelhaften Denglisch-Ausrutschern zählt ebenso die inflationäre Verwendung des Begriffes "Shitstorm". Obwohl die englische Sprache reich ist an beschissenen Ausdrücken, zum Beispiel "brown noser" (Schleimer) und "when the shit hits the fan" (die Kacke dampft), wird uns Deutschen längst ein viel größerer Hang zur Fäkalsprache nachgesagt. Jedenfalls behaupten das BBC und "The Guardian": "English rude word enters German language" und "A shitstorm in a dictionary".

Allerlei "Shitstorms" gibt es auch auf SPIEGEL ONLINE. Obwohl Sascha Lobo bereits für seine Mitschuld um Verzeihung gebeten hat ("Ich habe das alles nicht gewollt"), kommen sie immer wieder in Überschriften vor. James Shotter, Korrespondent der "Financial Times" in Zürich sandte mir dazu den Kommentar: "I don't think they realise how bad shit storm sounds to English ears! You couldn't use that in an English newspaper."

  • KarriereSPIEGEL-Autor Peter Littger sammelt in seiner "Fluent English"-Kolumne die schönsten Englisch-Patzer und Beispiele für sprachliche Kreativität. Ihn beschäftigt seit der Schulzeit, wie wir Deutschen im Ausland ankommen und mit fremden Sprachen und Sitten umgehen. 1990 gründete er im englischen Internat Dover College die "European Party" und erlebte erstmals, wie es sich anfühlt, den völlig falschen Ton zu treffen. Heute kennt er viele kleine Kulturschocks:
  • als Mitarbeiter einer Londoner Unternehmensberatung...
  • und als Vorsitzender der ältesten Deutsch-Britischen Stiftung.

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insgesamt 145 Beiträge
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    Seite 1    
1. equal beats it thirteen
neu_ab 16.08.2013
Sarrazin, ein politischer Rüpel, FULL ACK! Es gehört sich als Politiker einfach nicht, manch unbequeme Wahrheit so schonungslos auszusprechen. Whereof you can let one!
2. Shitstorm
Sugano-san 16.08.2013
Generell volle Zustimmung zu dem Artikel. Das Verdammen des (von mir nicht geliebten) Wortes shitstorm kann ich allerdings deswegen nicht ganz nachvollziehen, weil ich es in einem erstmals US-Film (und nicht etwa in Deutschland) gehört habe: In dem 2008er Film "Burn After Reading" wird es von John Malkovich benutzt (..."a shitstorm of consequences..."). Wo dieses Wort ursprünglich herkommt, vermag ich nicht zu sagen, aber US-englischen Muttersprachlern scheint es nicht fremd zu sein. Hübscher wird es dadurch natürlich nicht.
3.
hannohonk 16.08.2013
Zitat von sysopCorbisWenn die Sommersonne das Hirn heizt, schaltet das Sprachzentrum auf Notstrom. Da kommt beim Übersetzen in harmlosen Alltagssituationen schon mal was Zweideutiges heraus. Also: Vorsicht bei der Eisbestellung! http://www.spiegel.de/karriere/ausland/denglisch-sprachkolumne-uebersetzungspannen-auf-deutsch-und-englisch-a-916864.html
Sind wir hier bei American Pie? Als ob "balls" nur "Hoden" heißen würden, Hoden heißen "testicles"...
4. When i m hot,
nana22 16.08.2013
i go to the bar and my favourite cocktail is "sex on the bitch" :-)
5. Kann doch mal passieren!
misi56 16.08.2013
Zitat von sysopCorbisWenn die Sommersonne das Hirn heizt, schaltet das Sprachzentrum auf Notstrom. Da kommt beim Übersetzen in harmlosen Alltagssituationen schon mal was Zweideutiges heraus. Also: Vorsicht bei der Eisbestellung! http://www.spiegel.de/karriere/ausland/denglisch-sprachkolumne-uebersetzungspannen-auf-deutsch-und-englisch-a-916864.html
Zu dieser Thematik passt eigentlich diese "Redewendung" wunderbar:"My english is not the yellow from the egg".
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