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Denglish-Kolumne Are you ready for sexess?

Franz Beckenbauer: "Success" klingt wie eine Mischung aus Sex und Exzess Zur Großansicht
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Franz Beckenbauer: "Success" klingt wie eine Mischung aus Sex und Exzess

Franz Beckenbauer hat zugegeben, dass er manchmal kein Englisch versteht. Doch damit ist er längst nicht allein, tröstet Kolumnist Peter Littger. Hier das wichtigste Fußballenglisch für die Endrunde der WM.

Dass die USA es während dieser Fußballweltmeisterschaft als einziges englischsprachiges Team die Vorrunde geschafft haben, verdanken sie auch ihrem schwäbischen Trainer Jürgen Klinsmann - they owe it to their coach from Swabia. Denn er kann alles, sogar Englisch.

Früher war Klinsi Bundestrainer, heute ist Mr Klinsmann unser Englischbotschafter. Tatsächlich hat er für die Kids auf deutschen Bolzplätzen eine wichtige Botschaft: Englisch lernen lohnt sich.

Franz Beckenbauer hingegen, der immerhin vier Jahre seines Lebens in den USA spielte (sein 1985 untergegangener Klub hieß "New York Cosmos"), hat es zwar zum deutschen Fußballkaiser gebracht, aber nie zum Englisch sprechenden Vorbild. Seit 50 Jahren fabriziert er dieselben Schnitzer.

Der beste aller Beckenbauerisms ist eine Variante von "Erfolg", also von "success": Stets spricht er nämlich von "sexess", eine sehr bajuwarische Kreuzung aus Sex und Exzess. Vielleicht darf man sagen, dass er in dieser Hinsicht immer vorbildlich war, etwa auf jener Weihnachtsfeier von Bayern München im Jahr 1999, auf der wohl ein kleiner Kaiser entstand.

Dass Beckenbauer zunächst - dem Uli Hoeneß nicht unähnlich - die Spiele der WM nicht im Stadion sehen durfte, liegt daran, dass er ein paar Fragen über die Vergabe der WM 2022 an das Emirat Qatar nicht beantwortet hatte. Vor der Weltmeisterschaft wurde bekannt, dass er die englischsprachigen Briefe ignoriert hatte, die ihm ein Chefermittler der FIFA geschrieben hatte, Michael Garcia, ein bissiger Ex-Staatsanwalt aus den USA. (Am Rande bemerkt: Wenn Sie bei allem Denglisch mal wissen wollen, wie Franglisch geht, der Fußball-Weltverband FIFA ist ein feines Beispiel: "Fédération internationale de Football Association")

Beckenbauer wurde deshalb von der FIFA für 90 Tage ausgeschlossen, bis er sich doch kooperativ zeigte. Eine von Beckenbauers Begründungen, die Briefe nicht zu beantworten, lautete: "Ich habe das Englisch nicht verstanden!" Es sei zu juristisch. Er wünsche sich deshalb eine Unterredung auf Deutsch.

"You cannot complain him"

Nun bin ich mir gar nicht sicher, ob Beckenbauer überhaupt eine Schuld trifft. Oder um es mit einem anderen Beckenbauerismus zu sagen: "You cannot complain him!" Auf jeden Fall müssen wir ihm zwei Dinge zugute halten: Zum einen war der letzte Kaiser vor ihm auch kein Ass in Englisch. (Dessen englische Verwandte sprachen dagegen fließend Deutsch, zum Beispiel Onkel Eduard aka Edward VII.) Zum anderen hätten wohl die meisten Deutschen große Verständnisprobleme in solchen Fällen. Zur Veranschaulichung habe ich mir drei Sätze passend zum Thema ausgedacht, vielleicht wollen Sie die mal spaßeshalber übersetzen:

a) Heads up Beckenbauer!
b) Go easy on Qatari money.
c) It is beyond question that you have accepted bribes.

Bestimmt merken Sie, wie groß das Risiko ist, dieses gängige Alltagsenglisch falsch zu verstehen. Zum Beispiel so:

a) Kopf hoch, Beckenbauer!
b) Nimm ruhig das Geld aus Katar.
c) Es kann gar keine Rede davon sein, dass du bestochen wurdest.

In Wahrheit hat jeder dieser Sätze eine fast gegenteilige Bedeutung:

a) Achtung, Beckenbauer!
b) Hüte dich vor dem Geld aus Katar.
c) Es besteht kein Zweifel, dass du bestochen wurdest.

Juristisches Englisch hin oder her - in meiner Erfahrung sind es oft die ganz normalen, ganz alltäglichen Formulierungen, die wir nicht richtig oder gar nicht verstehen. Auch wenn wir Fußball gucken oder uns auf Englisch darüber unterhalten. Fußballenglisch wird auf der ganzen Welt gesprochen, und dass es sich lohnt, es zu pauken, hat uns gerade Jürgen Klinsmann bewiesen.

Hier deshalb fünf Begriffe, die für alle Deutschland-Fans in den nächsten Wochen wichtig werden könnten:

  • "Bicycle kick"

Die Engländer träumen schlecht von "Fahrradschüssen", also Fallrückziehern, seit ihnen der Schwede Zlatan Ibrahimovic während der Europameisterschaft 2012 einen aus 25 Metern Entfernung reingehauen hat. Die deutsche Mannschaft ist schon lange nicht mehr aufs Fahrrad gestiegen. Mit dem Klapprad aus der Mitte - das wär' doch was für Schweini! Seine Position übrigens: "midfielder".

  • "nutmeg"

Wie bitte? Muskatnuss? Im Fußball? Nein, man sagt: "He is nutmegged", wenn ein Spieler den Ball zwischen seinen Beinen durchlässt. Der kuriose Name meint angeblich die Hoden des Spielers, unter denen der Ball durchrollt. Doch welcher deutsche Spieler kann den Tunneltrick am besten? Ich würde sagen: Philipp Lahm. Seine Position: meistens "full back".

  • "supersub"

Ein Spieler auf der Bank (Ersatzspieler: "substitute"), der eingewechselt wird und dann brilliert. Wir nennen so jemanden auch "Joker" oder "Wunderwaffe". Oder Miroslav Klose. Seine Position: "striker".

  • "Signature frontflip"

Hoffentlich sehen wir diesen Trick noch häufiger in den nächsten Wochen: Kloses typischer Vorwärtssalto nach einem Tor. Und hoffentlich wird er nicht zum Salto mortale - der Mann ist schließlich auch nicht mehr der jüngste.

  • "They think it's all over!"

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10  Bilder
Wembley-Tor: Niemals war der drin!
Der Satz stammt aus dem Mund des BBC-Moderators während des legendären Endspiels Deutschland vs. England im Jahr 1966. Als damals in der 120. Minute bereits die ersten Zuschauer aufs Spielfeld rannten, obwohl das letzte Tor noch gar nicht gefallen war, sagte er: "They think it's all over!" Als Geoff Hurst in letzter Sekunde das 4:2 gelang, konterte der Moderator: "It is now, it's four!" Eigentlich ein wunderbares Motto für einen Wettkampf: "Sie haben sich schon gefreut - und am Ende noch mehr gewonnen."

  • KarriereSPIEGEL-Autor Peter Littger sammelt in seiner "Fluent English"-Kolumne die schönsten Englisch-Patzer und Beispiele für sprachliche Kreativität. Ihn beschäftigt seit der Schulzeit, wie wir Deutschen im Ausland ankommen und mit fremden Sprachen und Sitten umgehen. Er ist Co-Herausgeber der soeben in englischer Sprache erschienenen Essaysammlung "Common Destiny vs. Marriage of Convenience. What do Britons and Germans want from Europe?"

    .
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insgesamt 75 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ja, ist gut
romeov 01.07.2014
Er kann gut Englisch und alle wissen es jetzt.
2. Bycicle?
G. Whittome 01.07.2014
Zitat von sysopAFPFranz Beckenbauer hat zugegeben, dass er manchmal kein Englisch versteht. Doch damit ist er längst nicht allein, tröstet Kolumnist Peter Littger. Hier das wichtigste Fußballenglisch für die Endrunde der WM. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/denglish-beim-fussball-peter-littger-zitiert-franz-beckenbauer-a-978383.html
Für den Anfang wäre schon mal viel gewonnen, wenn "Fahrrad" auf Englisch richtig geschrieben würde: --> "bicycle" - etymologisch gesehen "bi" = "zwei" und "cycle" steht für "Rad", also ein "Zweirad". Aber Deutsche haben ja auch mit "Libyen" (wird gelegentlich zu "Lybien") ihre Schwierigkeiten. Vielleicht zur Beruhigung erstmal ein "popsicle" lutschen: da ist das "i" an der richtigen Stelle und es kommt einem kein "y" in die Quere.
3. Err yes ..
misscecily 01.07.2014
Would be an awful lot more fun if he actually knew what he was talking about.
4. passend
derivo 01.07.2014
in diesem zusammenhang 'Bycicle' statt 'Bicycle' zu schreiben ;-)
5. I like the beert on the foto of the Kaiser
neuronenuser 01.07.2014
Why did he make away the beert?
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