Arbeiten in Wien So lebt es sich als Piefke
4. Teil: Die Museumsdirektorin - "im Flugzeug Wiener Walzer pfeifen"
Karola Kraus, 51, leitet seit zwei Jahren das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
Diese Woche bin ich jeden Abend zu einer anderen Veranstaltung eingeladen, das gehört zur Arbeit mit bildender Kunst dazu. Am Samstag dann zu einem Mittagessen, zu einem Nachmittagscocktail und zu einem Abendessen. Das hat auch etwas damit zu tun, dass die Wiener gesellschaftliche Anlässe sehr gerne feiern. Die Eventkultur wird in Deutschland nicht so gepflegt wie hier.
Ein Geschäft voller Glühbirnen
Von Wienern werde ich selten auf meine Herkunft angesprochen. Aber andere fragen ständig, ob ich mich schon eingelebt habe, wie ich mich hier fühle und wie es mir mit den Wienern geht. Ich antworte immer, dass ich mit offenen Armen aufgenommen wurde und mich sehr gut eingelebt habe. Mittlerweile begreife ich mich als ein Teil der Wiener Gesellschaft. Die Stadt bietet in jeder Hinsicht sehr viel Qualität, sei es in der bildenden Kunst, der Musik, im Theater oder der Gastronomie.
Was ich hier ganz toll finde und was es in Deutschland fast überhaupt nicht mehr gibt, sind sehr viele kleine Geschäfte, in denen man ganz spezielle Sachen kaufen kann. Bei mir um die Ecke ist zum Beispiel noch so ein richtiger Elektroladen, der hat nichts anderes als Glühbirnen. In einem anderen Geschäft gibt es nur Messer und in einem dritten lauter Sachen aus Horn, vom Kamm bis zur Haarbürste. Ich frage mich schon, wie sie überleben, aber irgendwie scheint es ja zu gehen.
Ein Walzer nach der Landung
Mir macht es sehr viel Spaß, durch die Gassen zu schlendern. Meine Wohnung befindet sich in der Nähe des Museums und ich brauche nur fünf Minuten zur Arbeit. In Wien bin ich sehr viel zu Fuß unterwegs und im Sommer fahre ich gerne mit dem Fahrrad. Was ich zum Teil grenzwertig finde, ist, dass auf alte Gebäude moderne Aufbauten gesetzt werden. In Deutschland würde man keine Genehmigung dafür bekommen.
Meine Familie und mein Ehemann leben in Deutschland. Mein Mann kommt regelmäßig her, ein- bis zweimal im Monat bin ich von Freitag- bis Sonntagabend bei ihm. Wenn ich mit Austrian Airlines wieder nach Wien zurückfliege, freue ich mich, wenn nach der Landung der Wiener Walzer gespielt wird. Ich pfeife immer mit, obwohl mich alle ganz komisch anschauen. Ich kann nicht anders."
Protokolle: Ania Haar
- 1. Teil: So lebt es sich als Piefke
- 2. Teil: Die Hochschullehrerin - "die Männer laufen weg"
- 3. Teil: Der Burgtheater-Intendant - "die Lebenskulturen unterscheiden sich"
- 4. Teil: Die Museumsdirektorin - "im Flugzeug Wiener Walzer pfeifen"
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