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Deutsche Unternehmen Kaum Bewerber aus EU-Krisenstaaten

Proteste in Spanien: Sollte es eine Arbeiterflucht geben, ist sie bei deutschen Firmen noch nicht angekommen Zur Großansicht
DPA

Proteste in Spanien: Sollte es eine Arbeiterflucht geben, ist sie bei deutschen Firmen noch nicht angekommen

Suchen sich arbeitslose Griechen, Iren oder Spanier jetzt einen Job in Deutschland? Manche Unternehmen hoffen, dass so die eine oder andere Fachkräftelücke geschlossen wird. Eine neue Studie sorgt für Ernüchterung: Die Zahl der Bewerber aus EU-Krisenstaaten bleibt verschwindend gering.

Fünf EU-Länder stecken tief in einer Wirtschaftskrise: Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien. So unterschiedlich die Ursachen auch sind, eins haben diese Wackelkandidaten gemeinsam: Unter der Flaute ihrer Arbeitsmärkte leiden besonders junge Menschen, die gerade eine Ausbildung oder ein Studium beendet haben und denen jede Aussicht auf eine Festanstellung fehlt.

Ganz anders bislang Deutschland: Bis weit ins Frühjahr herrschte Boomlaune. Und selbst jetzt, da sich das Wachstum abschwächt, sinkt die Zahl der Arbeitslosen. Die Wirtschaft klagt über einen Mangel an qualifizierten Fachkräften und Auszubildenden. Deshalb rechnen viele Unternehmen und Verbände damit, dass bald junge, flexible Spanier, Iren, Griechen oder Italiener bei ihnen anklopfen.

Doch darauf warten deutsche Manager bislang vergebens. Das geht aus einer Umfrage des Ifo-Instituts bei rund 1000 Personalchefs hervor. Von ihnen wollten die Forscher wissen, ob sich die Bewerberzahl aus den EU-Krisenstaaten in jüngster Zeit verändert habe. Die überwiegende Antwort lautet: nein.

Demnach haben deutlich über 90 Prozent der Befragten keinerlei Veränderung feststellen können. Zahlreiche Firmen erhielten sogar "so gut wie keine Bewerbungen" aus Griechenland, Irland, Italien, Spanien und Portugal. Das gilt für Unternehmen aller Größen und Branchen, wobei die Autoren der Studie eigentlich erwartet hatten, dass sich "mit zunehmender internationaler Ausrichtung des Unternehmens die Wichtigkeit ausländischer Job-Anfragen erhöhen" dürfte.

"17.000 Bewerbungen aus Spanien"

Ob das Interesse an Deutschland in den Krisenstaaten auch weiterhin so gering bleibt, lässt sich schwer einschätzen. Derzeit verstärkt die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihre Bemühungen, dort neue Arbeitskräfte anzuwerben. Am vergangenen Samstag sprach BA-Chef Frank-Jürgen Weise in einem Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von einer guten Resonanz auf Jobmessen, die die Arbeitsagentur in Spanien veranstaltet.

Rund 17.000 Spanier hätten sich um Stellen in Deutschland beworben, so Weise. Allerdings sind diese Zahlen schwer mit den Ifo-Zahlen zu vergleichen. Aus der Studie geht nicht hervor, ob darin Bewerbungen berücksichtigt sind, die die BA an Unternehmen vermittelt.

Die Ifo-Umfrage ist Teil der Flexindex-Studie, die das Institut vierteljährlich im Auftrag der Zeitarbeitsvermittlung Randstad erstellt. Darin geben Personalchefs an, wie stark sie auf unterschiedliche Methoden der Flexibilisierung von Arbeit zurückgreifen, etwa Outsourcing, Minijobs, befristete Verträge oder Zeitarbeit.

Der Anteil solcher Maßnahmen ist abermals gesunken, was das Ifo als Zeichen für eine günstige wirtschaftliche Entwicklung wertet: Je positiver Unternehmen die Lage beurteilen, desto eher sind sie bereit, Mitarbeiter fest an sich zu binden.

mamk

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insgesamt 145 Beiträge
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1. ...
deus-Lo-vult 30.09.2011
Zitat von sysopSuchen sich arbeitslose Griechen, Iren oder Spanier jetzt einen Job in Deutschland? Manche Unternehmen hoffen, dass so die eine oder andere Fachkräftelücke geschlossen wird. Eine neue Studie sorgt für Ernüchterung: Die Zahl der Bewerber aus EU-Krisenstaaten bleibt verschwindend gering. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/0,1518,789205,00.html
Natürlich! Denn hier bei uns müssten sie für Hungerlöhne auch noch richtig arbeiten!
2. Auf Zeitarbeit hat eben niemand Lust
marvinw 30.09.2011
Es werden billige Zeitarbeitssklaven gesucht: in Deutschalnd gibt es sonst keine unbesetzten Stellen. Noch kein Unternehmen konnte es widerlegen.
3. Arbeiten in Deutschland
laluna3 30.09.2011
Wer kommt schon nach Deutschland, um einen € 400 Job ohne Festvertrag zu ergattern? Wer kriegt denn einen Festvertrag mit einem anständigen, lebenswerten Gehalt?
4. Für ein Leiharbeitsjob nach D ziehen lohnt sich nicht
beebo 30.09.2011
In D stellen ja nur die Leiharbeitsunternehmen ein. Gegen die Flut an Bewerber bei einer Regulären Stelle, haben die eh keine Chance. Und nach Deutschland ziehen, mit der Aussicht auf einer mies bezahlten und sehr unsicheren Stelle bei einen Leiharbeitsunternehmen macht keiner.
5. ....
KarlKäfer 30.09.2011
Wieviele Jahrzehnte müssen eigentlich noch vergehen, bis endlich erkannt wird, wo der Hase im Pfeffer liegt ?
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