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01. Dezember 2011, 12:57 Uhr

Die aktuelle Stellenanzeige

Astronaut gesucht, Arbeitsplatz Weltall

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Wie wär's mit einer Mitfluggelegenheit zum schwerelosen Arbeitsplatz? Die US-Weltraumbehörde Nasa stellt neue Astronauten ein, hat aber keine eigenen Raumschiffe mehr. Flüge ins All buchen die Amerikaner jetzt bei den Russen. Den Sprachkurs gibt's für die Kandidaten gratis.

"To infinity… and beyond!", bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter - das ist der Schlachtruf von Buzz Lightyear, dem bekanntesten US-Astronauten seit Neil Armstrong. Wenn Sie heimlicher Fan des sympathischen Plastikraumfahrers aus "Toy Story" sind und schon immer mal sehen wollten, wie statt des Mondes die Erde aufgeht, kommt jetzt Ihre Chance: Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa sucht Astronauten. Die Stelle ist auf der Karriereseite der amerikanischen Regierung ausgeschrieben.

Zu lange zaudern sollten Sie nicht, die Jobs für Raumfahrer sind rar geworden. Anfang 2000 beschäftigte die Nasa noch 149 Astronauten. Heute sind es nur noch 62.

KarriereSPIEGEL zitiert aus der Online-Ausschreibung und erläutert die wichtigsten Punkte:

Häufiges Reisen könnte erforderlich sein? Bei dieser Formulierung überrascht der Konjunktiv. Natürlich wollen Sie viel reisen. Deshalb bewerben Sie sich ja. Ein Astronaut, der nicht ins All reist, ist schließlich wie ein Bankräuber auf dem Bikini-Atoll. Genau so könnte es Ihnen aber gehen: Als Astronauten-Kandidat bei der Nasa angestellt zu werden, heißt noch lange nicht, dass man wirklich ins All geschossen wird.

Ob Sie wirklich das Zeug zum Raumfahrer haben, wird erst entschieden, wenn Sie das zweijährige Ausbildungsprogramm beendet haben. Im besten Fall warten dann weitere zwei bis drei Jahre Training auf Sie, in so aufregenden Metropolen wie Star City in Russland, Tsububa in Japan oder Montreal in Kanada. Sie reisen also häufig - mit dem Linienflugzeug.

Die gute Nachricht: Im Weltraum gibt es momentan sowieso nichts zu sehen, was Sie nicht schon aus Filmen kennen. Richtig spannend wird es erst wieder im Jahr 2025, da ist der erste bemannte Flug zu einem Asteroiden geplant. Bis dahin sind Sie auf jeden Fall fit für den Einsatz.

Die Amerikaner haben ihr Spaceshuttle-Programm im vergangenen Sommer beendet und sich damit vorerst aus der bemannten Raumfahrt verabschiedet. Jetzt hat Houston ein Problem: Wenn die Nasa Astronauten ins All schicken will, muss sie Plätze in russischen "Sojus"-Raumschiffen buchen. Das Hin- und Rückfahrtticket kostet pro Astronaut angeblich 50 Millionen US-Dollar. Aber das zahlt natürlich die Nasa für Sie.

Freuen Sie sich aber nicht zu früh. Wenn Sie von Ihrer Größe her in das russische Raumschiff passen, haben Sie zwar eine wichtige körperliche Voraussetzung erfüllt, aber es gibt noch weitere Hürden: Ihr Blutdruck darf im Sitzen nicht über 140/90 liegen, eine Sehschwäche dürfen Sie auch nicht haben. Noch schnell zum Augenarzt und die Augen lasern lassen? Guter Plan, aber dafür ist es leider schon zu spät. Als Bewerber müssen Sie nachweisen, dass der Eingriff schon mindestens ein Jahr zurückliegt. Klaustrophobie oder Höhenangst sollten Sie übrigens auch zeitig behandeln lassen.

Man weiß nie so genau, wo eine Raumkapsel landen wird. Das muss aber kein Nachteil sein - man erinnere sich etwa an die US-Fernsehserie "I Dream of Jeannie": Astronaut Tony Nelson findet nach der Bruchlandung auf einer einsamen Pazifikinsel die Flasche mit der bezaubernden Jeannie. Sprachkenntnisse sind natürlich immer gut, so können Sie ihre russischen Kollegen um Rat fragen, wenn unterwegs ein Feuer ausbricht, der Bordcomputer versagt oder die Energieversorgung ausfällt. Die Kosmonauten-Klempner kennen das alles schon von der "Mir".

Mit einem Einstiegsgehalt von 64.724 US-Dollar gehören Sie zum Nasa-Prekariat: hochqualifiziert, unterbezahlt, dafür mit guten Zukunftsaussichten. Aber ums Geld geht es Ihnen bei diesem Job ja nicht, oder? Und wenn Sie beim Maximalgehalt angekommen sind, verdienen Sie immerhin so viel wie ein durchschnittlicher Manager bei Google.

Bei den wissenschaftlichen Qualifikationen lässt die Nasa durchaus mit sich handeln. Versuchen Sie es ruhig: Ein Doktortitel in Raketentechnik könnte dreieinhalb Jahre Berufserfahrung ersetzen, eine Magisterarbeit über die Fernsehserie "Raumschiff Enterprise" immerhin zwei Monate.

Wer es schafft, beim Vorstellungsgespräch in zehn Minuten einen abgestürzten Satelliten in ein Funkgerät umzulöten, oder sonstwie beweisen kann, dass er das heimliche Vorbild für Fernsehheld MacGyver war, hat auch ohne Berufserfahrung gute Chancen auf den Job. Universitätsabschlüsse in Sozial- und Geisteswissenschaften werden nicht anerkannt. MacGyver hat schließlich auch Physik studiert.

Der Wettlauf im All ist lange vorbei. Die Nasa hat keinen Zeitdruck mehr. Die Bewerbungen gehen erst an ein Astronaut Rating Panel, dann ans Astronaut Selection Board. Wer es in die Endrunde schafft, wird eine Woche lang in diversen Gesprächen und Vorstellungsrunden getestet und medizinisch untersucht. Dann wird noch mal ausgesiebt.

Das ist nun tatsächlich eine knifflige Sache. Selbst wenn Sie auf die Schnelle einen amerikanischen Staatsbürger finden, der bereit ist, Sie zu heiraten, bekommen Sie erst mal nur eine Arbeitserlaubnis, aber noch keine amerikanische Staatsbürgerschaft. Auch eine Adoption bringt Sie in diesem Punkt nicht weiter. Eigentlich hilft da nur eines: auf die nächste Ausschreibung warten und bis dahin einen amerikanischen Pass organisieren. Aussichtslos ist das nicht. Die Nasa nennt in der Stellenausschreibung keine Altersgrenze.

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