Die Queen sucht einen neuen Butler. Wie sich das gehört in Großbritannien, wird die Stelle ordentlich ausgeschrieben, auf der Webseite der Royals und in diversen Zeitungen. Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen dumpfen Dienstleistungsjob. Es geht darum, der britischen Herrscherfamilie den Alltag zu erleichtern. Damit werden Sie nicht nur selbst Teil dieser Familie, sondern Protagonist einer der weltweit führenden Unterhaltungsinstitutionen. Das ist eine Lebensaufgabe.
KarriereSPIEGEL zitiert aus der Online-Ausschreibung und erläutert die wichtigsten Punkte.
Das ist natürlich nur ein Bruchteil der wahren Aufgabenfülle. Butler im Hause Windsor sind immer auch Repräsentanten des britischen Hotel- und Gaststättenwesens, zumal bei ausländischem Politikerbesuch, außerdem Therapeuten für alle Royals, die bei der Queen in Ungnade gefallen sind, sowie Spiel- und Sparringspartner für Vertreter aller Generationen dieser Patchworkfamilie.
Es handelt sich um eine Traineestelle. Da sage noch einer, die Royals würden nicht ihren Teil zum Ausbildungspakt beitragen. Wie versprochen wird man hier Teil einer erfahrenen Runde: Das Haushälterteam der britischen Monarchie blickt auf eine ungebrochene Vorgängerfolge bis mindestens 1707 zurück, als der Act of Union zwischen England und Schottland geschlossen wurde. Am Ende der Traineezeit winkt allerdings ein weniger pompöses Butler-Diplom.
Of course - anderes würde man bei diesem Arbeitgeber nicht erwarten. Dennoch sollten Sie die Passage nicht als Standardfloskel abtun. Erwartet wird ausgesuchte Höflichkeit in jeder Lebenslage. Gerade hinter den Ansprüchen ans persönliche Auftreten verbergen sich mindestens drei Schlüsseltugenden: 1. Diskretion. 2. Diskretion. 3. Über die dritte dürfen wir nicht schreiben.
Daneben sind psychologische Vorkenntnisse sowie ein Paar Trainingseinheiten in Fechten, Cricket und Scrabble allemal von Vorteil. Eine gewisse Angstfreiheit oder jedenfalls Bissfestigkeit ebenso - das Haus Windsor beherbergt seit vielen Generationen ganze Rudel von Hunden. Queen Elizabeth II. liebt vor allem ihre Corgis und Dorgis (Kreuzung aus Corgi und Dackel). Die sollen durchaus mal zuschnappen. 1999 mischte einer der Diener den Hunden Alkohol ins Futter und fand es komisch, sie herumstolpern zu sehen. Shocking! Die Königin war weniger amüsiert und degradierte den Lakaien.
15.000 Pfund, das sind - je nach Stand der europäischen Krise - gut 17.000 Euro. Jährlich, nicht monatlich. Zugegeben, das ist nicht viel, zumal im teuren London. Andererseits sparen sich königliche Butler sämtliche Wohnungskosten. Die sind in London schon dann horrend, wenn die Unterkunft nicht so exquisit ausfällt und so zentral liegt. Außerdem stellt sich nach den jüngsten Ausschreitungen in London die Frage, ob man als Mitarbeiter des Königshauses wirklich so oft ausgehen sollte. Das Leben im Palast ist ohnehin viel friedvoller.
Es ist eine Lebensaufgabe, isn't it? Unbefristet heißt lebenslänglich. Es sei denn, Sie ziehen es vor, wie weiland Paul Burrell Ihre Nähe zu den Royals publizistisch auszuschlachten. Der Butler von Lady Di veröffentlichte, nicht gerade die feine englische Art, ein viel geschmähtes Buch über seine Jahre bei der königlichen Familie. Bis heute halten sich Gerüchte, er könnte der wahre Vater diverser Royals sein.
Ihre Karriere im Königshaus wäre damit beendet. Allerdings dürften Ihre Einnahmen dann mittelfristig deutlich über 17.000 Euro pro Jahr liegen. Zu beachten ist auch, dass die 45 Wochenstunden nur jene Tätigkeiten abdecken, die in der Anzeige beschrieben sind. Ihre therapeutischen Aufgaben werden als loyaler Dienst am britischen Empire angesehen. Also als Freizeitspaß.
Das ist nicht mehr lange hin, also: Sputen Sie sich. Und lassen Sie sich nicht von nationalistischen Bedenken abschrecken. Das Königshaus legt Wert darauf, dass sich jeder dort auf jede Stelle bewerben kann, der exzellentes Englisch spricht. Kleiner Tipp fürs Vorstellungsgespräch: Erwähnen Sie nicht den Krieg!

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