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Die aktuelle Stellenanzeige Butler gesucht, Dienstort Buckingham-Palast

Queen Elizabeth II., eine anspruchsvolle Chefin: Ist die Krone auch geputzt? Zur Großansicht
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Queen Elizabeth II., eine anspruchsvolle Chefin: Ist die Krone auch geputzt?

So eine Chance winkt nicht jeden Tag: Das britische Königshaus sucht einen Butler. Die Stellenausschreibung hat es in sich, denn im Monarchie-Alltag lauern allerhand Fettnäpfchen - selbst wenn die Lakaien angstfrei und verschwiegen sind. Die Bezahlung ist allerdings nicht gerade königlich.

Die Queen sucht einen neuen Butler. Wie sich das gehört in Großbritannien, wird die Stelle ordentlich ausgeschrieben, auf der Webseite der Royals und in diversen Zeitungen. Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen dumpfen Dienstleistungsjob. Es geht darum, der britischen Herrscherfamilie den Alltag zu erleichtern. Damit werden Sie nicht nur selbst Teil dieser Familie, sondern Protagonist einer der weltweit führenden Unterhaltungsinstitutionen. Das ist eine Lebensaufgabe.

KarriereSPIEGEL zitiert aus der Online-Ausschreibung und erläutert die wichtigsten Punkte.

  • Sind Sie enthusiastisch und engagiert, bereits erfahren im Hotel- und Gaststättensektor und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? Wir suchen Butler für unser erfahrenes Team, die unser renommiertes Trainingsprogramm absolvieren und mit einem "City & Guilds Level 2"-Diplom für Butler abschließen möchten. An verschiedenen königlichen Standorten werden Sie eine Vielzahl von Tätigkeiten ausüben, von Boten- und Dieneraufgaben bis hin zu Serviertätigkeiten.

Das ist natürlich nur ein Bruchteil der wahren Aufgabenfülle. Butler im Hause Windsor sind immer auch Repräsentanten des britischen Hotel- und Gaststättenwesens, zumal bei ausländischem Politikerbesuch, außerdem Therapeuten für alle Royals, die bei der Queen in Ungnade gefallen sind, sowie Spiel- und Sparringspartner für Vertreter aller Generationen dieser Patchworkfamilie.

Es handelt sich um eine Traineestelle. Da sage noch einer, die Royals würden nicht ihren Teil zum Ausbildungspakt beitragen. Wie versprochen wird man hier Teil einer erfahrenen Runde: Das Haushälterteam der britischen Monarchie blickt auf eine ungebrochene Vorgängerfolge bis mindestens 1707 zurück, als der Act of Union zwischen England und Schottland geschlossen wurde. Am Ende der Traineezeit winkt allerdings ein weniger pompöses Butler-Diplom.

  • Wir suchen nach Menschen, die bereit sind, in Service und persönlichem Auftreten allerhöchsten Ansprüchen zu genügen.

Of course - anderes würde man bei diesem Arbeitgeber nicht erwarten. Dennoch sollten Sie die Passage nicht als Standardfloskel abtun. Erwartet wird ausgesuchte Höflichkeit in jeder Lebenslage. Gerade hinter den Ansprüchen ans persönliche Auftreten verbergen sich mindestens drei Schlüsseltugenden: 1. Diskretion. 2. Diskretion. 3. Über die dritte dürfen wir nicht schreiben.

Daneben sind psychologische Vorkenntnisse sowie ein Paar Trainingseinheiten in Fechten, Cricket und Scrabble allemal von Vorteil. Eine gewisse Angstfreiheit oder jedenfalls Bissfestigkeit ebenso - das Haus Windsor beherbergt seit vielen Generationen ganze Rudel von Hunden. Queen Elizabeth II. liebt vor allem ihre Corgis und Dorgis (Kreuzung aus Corgi und Dackel). Die sollen durchaus mal zuschnappen. 1999 mischte einer der Diener den Hunden Alkohol ins Futter und fand es komisch, sie herumstolpern zu sehen. Shocking! Die Königin war weniger amüsiert und degradierte den Lakaien.

  • Einstiegsgehalt: 15.000 Pfund, Kost und Logis frei. Dienstort: London, Buckingham Palace

15.000 Pfund, das sind - je nach Stand der europäischen Krise - gut 17.000 Euro. Jährlich, nicht monatlich. Zugegeben, das ist nicht viel, zumal im teuren London. Andererseits sparen sich königliche Butler sämtliche Wohnungskosten. Die sind in London schon dann horrend, wenn die Unterkunft nicht so exquisit ausfällt und so zentral liegt. Außerdem stellt sich nach den jüngsten Ausschreitungen in London die Frage, ob man als Mitarbeiter des Königshauses wirklich so oft ausgehen sollte. Das Leben im Palast ist ohnehin viel friedvoller.

  • 45 Wochenstunden, unbefristeter Vertrag

Es ist eine Lebensaufgabe, isn't it? Unbefristet heißt lebenslänglich. Es sei denn, Sie ziehen es vor, wie weiland Paul Burrell Ihre Nähe zu den Royals publizistisch auszuschlachten. Der Butler von Lady Di veröffentlichte, nicht gerade die feine englische Art, ein viel geschmähtes Buch über seine Jahre bei der königlichen Familie. Bis heute halten sich Gerüchte, er könnte der wahre Vater diverser Royals sein.

Ihre Karriere im Königshaus wäre damit beendet. Allerdings dürften Ihre Einnahmen dann mittelfristig deutlich über 17.000 Euro pro Jahr liegen. Zu beachten ist auch, dass die 45 Wochenstunden nur jene Tätigkeiten abdecken, die in der Anzeige beschrieben sind. Ihre therapeutischen Aufgaben werden als loyaler Dienst am britischen Empire angesehen. Also als Freizeitspaß.

  • Bewerbungsfrist 19. September

Das ist nicht mehr lange hin, also: Sputen Sie sich. Und lassen Sie sich nicht von nationalistischen Bedenken abschrecken. Das Königshaus legt Wert darauf, dass sich jeder dort auf jede Stelle bewerben kann, der exzellentes Englisch spricht. Kleiner Tipp fürs Vorstellungsgespräch: Erwähnen Sie nicht den Krieg!

Matthias Kaufmann ist Online-Redakteur beim manager magazin.

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