Morgens fahren wir sehr früh zum Flughafen, man weiß nie, an welchem Checkpoint man hängen bleiben könnte. Aber wir werden durch die vielen Polizeikontrollen ohne Probleme durchgewunken. Vielleicht hilft ja auch ein bisschen das blaue Sonderkennzeichen des Universitätsfahrzeugs, "Hukuma" steht da, "Regierung". Die Universitäten gehören der Regierung.
Nach den Wahlen 2010 hat der neu eingesetzte Minister für Hochschulen und Wissenschaft, Ali al-Adeeb, nicht nur die Präsidenten der Hochschulen, sondern auch die Dekane und sogar Abteilungsleiter ausgetauscht. Alle Neuen sind angeblich Schiiten - sagen nicht nur Sunniten. Aufsehen erregte die Absetzung von 140 Dozenten und Angestellten der Universität Tikrit im Sommer 2011. Sie sind allesamt Sunniten. Aber nicht das sei der Grund für ihre Absetzung, sondern dass sie Baathisten seien.
Nun gut. Wer sagt mir jetzt bitte die Wahrheit?
Ankunft in Bagdad. Die Fahrt im gepanzerten Wagen geht von der Flughafenstraße in Richtung Zentrum Bagdad. Stehen die Schützenpanzer alle 500 Meter? Oder alle 1000 Meter? Jedenfalls fahren wir durch ein Spalier. Und durch einen Wald - aus meterhohen Elementen aus Stahlbeton, die die Straße absichern sollen. Die Stadt wirkt zergliedert, zermürbt, erschöpft.
In der Residenz des Botschafters
Am Abend dann findet in der Residenz des deutschen Botschafters in Bagdad ein Empfang für Angehörige irakischer Hochschulen und Beamte des Hochschulministeriums statt. Rund vierzig Personen sind gekommen, Professoren, Studenten, Uni-Präsidenten, alle mit einem Bezug zu deutschen Unis.
Ich halte einen Vortrag über die deutsch-irakische Stipendienprogramme, die der DAAD eingerichtet hat. Der Fortbildungsbedarf der irakischen Hochschulen sprengt die deutschen finanziellen Möglichkeiten. Deshalb wirbt der DAAD bei irakischen Ministerien Geld zur Mitfinanzierung ein. Das jeweilige Ministerium möchte sich in den Programmen wiederfinden. So heißen die Stipendienlinien dann zum Beispiel "BaghDAAD", "KurdDAAD" oder "Ibn Khaldun".
Fünf Stahltüren und ungezählte Mauern
Beeindruckend ist, was die deutschen Hochschulen trotz widriger Umstände zustande gebracht haben. Sechs funktionierende Partnerschaftsnetze mit 16 irakischen Partner-Unis werden vom DAAD mit Geldern des Auswärtigen Amtes unterstützt. Die höchste Form der Zusammenarbeit ist das gemeinsame Erarbeiten von Doppelabschlüssen: Hier müssen die Qualitätsstandards synchronisiert, die Studienpläne und Prüfungsordnungen aufeinander abgestimmt und ein kontinuierlicher Austausch der Studierenden und Lehrenden organisiert werden. Den irakischen Universitäten gefällt das. Das Ministerium dagegen hat das Potential dieser Kooperationen noch nicht wirklich erkannt. Stattdessen stört es sich daran, dass die Kooperationen zwischen den Hochschulen direkt vereinbart worden sind, ohne Genehmigung des Ministeriums.
Es ist 17 Uhr, Sonnenuntergang, ein milder Wintertag geht in Bagdad zu Ende. Jetzt noch einmal rausgehen und ein schönes Kebab essen... Leider nicht, denn fünf Stahltüren und ungezählte Mauern trennen mich von draußen. Bei Dunkelheit wird es noch gefährlicher. Ich bin in der Botschaft, sicher, doch in einem Käfig. Aber morgen! Da werde ich mich unter die Iraker mischen und inkognito durch Bagdad fahren.
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