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Falken-Doktorin in Abu Dhabi Die Ärztin, der Araber vertrauen

Falken-Doktorin in Abu-Dhabi: Die Ärztin, der Araber vertrauen Fotos
Bärbel Schwertfeger

Ein Falke ist in arabischen Scheichtümern kostbar und wird umsorgt wie ein Kind. Verletzt er sich einen Flügel oder Fuß, ist Margit Müller zur Stelle - zur Not auch mitten in der Nacht. Die deutsche Tierärztin hat in Abu Dhabi eine Falkenklinik aufgebaut, plus Konferenzzentrum, Tierheim und -pension.

Vor kurzem hat Margit Gabriele Müller einen ihrer bisher schwierigsten Fälle gemeistert. Ein Falke hatte sich irgendwo in der Wüste in einem Zaun verfangen und war hängengeblieben. Der gesamte Flügel war aufgeschlitzt und hatte ein sieben Zentimeter großes Loch. Zweieinhalb Stunden operierte die Tierärztin den Vogel, rekonstruierte seinen Flügel und kämpfte damit, die riesige Wunde zu schließen - mit Erfolg. Nach sechs Wochen konnte der Greifvogel wieder fliegen. "Sein Besitzer konnte es kaum glauben", erzählt die Falken-Doktorin.

Obwohl es bereits Nachmittag ist, sitzen heute noch immer sieben Falken im Wartezimmer. Ihre Augen sind mit einem Lederhäubchen bedeckt, sonst würden sie aufeinander losgehen. Geduldig hocken die gefiederten Patienten auf den mit grünem Kunstrasen überzogenen Stangen und tippeln von einem Fuß auf den anderen.

Viele haben Fußprobleme, meist liegt es am Bewegungsmangel. "Mit einem Falken muss man morgens und abends in die Wüste fahren, ihn trainieren und fliegen lassen", erklärt Margit Müller, 42, und geht zum Behandlungstisch. Ein Mitarbeiter greift sich den beigebraunen Vogel, blockiert seine Flügel, legt ihn auf den Tisch und schiebt den Kopf in die Narkoseglocke. Ein kurzes Aufbäumen, dann döst er ein. Die Ärztin kann die bandagierten Füßchen freilegen, salben und neu verbinden.

Falken gelten bei Arabern als Statussymbole

Seit zehn Jahren leitet die Deutsche die Falkenklinik in Abu Dhabi. Inzwischen gilt das Krankenhaus am Rand der Hauptstadt als weltweit führendes Zentrum für Falkenmedizin. Raubvögel haben Müller schon immer interessiert. Bei einem Dubai-Praktikum während ihres Studiums wurde sie auf die häufigen Fußprobleme der Falken aufmerksam und promovierte in München über Jagdfalken in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Dann kam das Angebot, die Falkenklinik in Abu Dhabi aufzubauen. Am Anfang sei es schon sehr hart gewesen, erinnert sich Müller. Es dauerte über ein Jahr, bis die Emiratis der deutschen Ärztin vertrauten. "Inzwischen wissen sie, dass ich gut bin und wir hier alles nur Mögliche für ihre Lieblinge tun", erzählt sie. Es geht beinah zu wie in einem normalen Krankenhaus: "Wir machen Visite vormittags und nachmittags", erzählt Müller (siehe Video).

Rund 5000 Falken behandelt sie im Jahr, inoffiziell ist sie stets 24 Stunden im Einsatz. Da wird sie schon mal aus dem Bett geklingelt, weil ein Falke in Saudi-Arabien um Mitternacht von einem anderen Raubvogel schwer verletzt hat, sich der Besitzer sofort ins Auto setzte und Hunderte von Kilometern bis zu ihrer Klinik gefahren ist. "Um fünf Uhr morgens haben wir ihn dann operiert", erzählt Müller.

Falken haben auf der arabischen Halbinsel einen besonderen Status. Früher halfen sie den Beduinen beim Überleben in der Wüste. Wenn die Falken den Zugvögeln auf ihrem Weg in den Osten folgten, fingen die Wüstenbewohner sie ein, zähmten sie und nutzten sie zur Jagd. Dabei lebten sie als Teil der Familie.

Regelmäßig zum Falken-TÜV

Daran hat sich nicht viel geändert. Heute aber sitzt der Falke oft im Wohnzimmer und wird mit Wachteln gefüttert. "Die Vögel haben häufig noch immer einen Stellenwert wie ein Kind", so Müller. Wie eine Mutter mit ihrem kranken Kind zum Arzt geht, bringt der Falken-Besitzer seinen Gefährten zu Margit Müller.

Sie will nicht nur kranke Tiere heilen, sie will auch für artgerechte Haltung sorgen und hat auch die stolzen Besitzer schon ganz gut im Griff: "Heute bringen sie ihre Schützlinge meist mehrmals im Jahr zum Falken-TÜV." Auch einen eigenen Falken-Pass hat Müller entwickelt. Denn jagen dürfen die Raubvögel in den Emiraten nicht mehr, dafür fliegt Herrchen zum Jagdausflug nach Pakistan oder Usbekistan. Dafür braucht der Falke einen eigenen Pass - sonst wird er konfisziert. Falken gehören zu den bedrohten Tierarten. Jeder Vogel ist registriert und nummeriert, viele haben auch einen Mikrochip implantiert.

"Die Übernahme der Falkenklinik war bisher eine meiner besten Entscheidungen", sagt Müller. Als ein Kunde fragte, ob er während einer Europareise seinen Falken nicht bei ihr unterbringen könne, zögerte sie nicht lange und nahm den Vogel auf. Eine Marktlücke - in Müllers Kleintierpension werden mittlerweile Hunde und Katzen, Schildkröten und Hasen verpflegt. Hinzu kam ein Konferenzzentrum mit Museum auf dem Klinikgelände.

Abkühlung dank Freiluftvoliere

An Ideen fehlte es Müller nie, an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen schon. Weil sie ihre Entscheidungen bis dahin "eher instinktiv" getroffen hatte, begann sie 2006 neben der Arbeit mit einem MBA-Studium an der Business School der schottischen University of Strathclyde, die in Abu Dhabi eins ihrer internationalen Zentren betreibt. Schon nach 14 Monaten hatte Müller ihren Abschluss in der Tasche.

Zuletzt eröffnete sie das erste Tierheim für Streuner im Emirat. Inzwischen versorgen die Mitarbeiter rund 300 ausgesetzte und herrenlose Hunde und Katzen, die auf eine Adoption warten. Dafür arbeiten sie mit Tierschutzgruppen zusammen, machen Werbung in der Zeitung und über die Tierheim-Webseite.

Aber auch für die Falken gibt es etwas Neues: 80 bis 100 können nun in einer riesigen Freiluftvoliere mit mehr als 60 Metern Durchmesser übersommern. Denn ausgerechnet in der heißen Jahreszeit, wenn es in Abu Dhabi 45 Grad und mehr hat, mausern die Greifvögel und brauchen viel Bewegung. Damit sie trotz unerträglicher Hitze nicht flugfaul werden, ließ Margit Müller an den Seiten Klimaanlagen einbauen, aus denen kalte Luft in die Voliere strömt. Wie kühl sie es gern hätten, können die Vögel sich selbst aussuchen, indem sie sich für eine der Stangen entscheiden.

Das Falken-Hospital ist inzwischen auch für Touristen geöffnet. In den Emiraten genießt Margit Müller einen hohen Status. Für ihre Verdienste um die Falken erhielt sie 2008 mit dem Abu Dhabi Award die höchste Anerkennung des Scheichtums, überreicht von seiner Hoheit Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan persönlich. "Man hat mich sogar schon zum halben Mann erhoben", erzählt Müller. "Das ist als ein großes Kompliment gemeint."

Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Wurde sie nicht auch zum "Mann ehrenhalber" ernannt?
Roana 23.08.2011
Oder war das die Pferde- und Kameldoktorin? Irgendwas hab ich da jedenfalls mal aus dem Augenwinkel über eine der Veterenärinnen da unten gesehen.
2. Die armen Tiere...
rosalux 23.08.2011
Ich finde es gut wenn sich jemand für diese armen Tiere dort unten einsetzt. Da ist das Geld doch auch viel besser investiert als bei den Menschen dort von denen es eh zu viele gibt als das man ihnen noch helfen könnte. siehe dazu auch: http://www.amnesty.de/jahresbericht/2011/vereinigte-arabische-emirate?destination=suche%3Fwords%3Darabische%2Bemirate%26search_x%3D0%26search_y%3D0%26search%3DSuchen%26form_id%3Dai_search_form_block#todesstrafe
3. Tja...
Deepthought42.0815 23.08.2011
Wenn man nicht über genug Ethik verfügt und es toll findet für einige der größten A-löcher auf diesem Planeten zu arbeiten ist das sicher was! :-) Der Artikel ist ahungslos und dummnaiv. Diese Scheichs sind keine Tierfreunde - das absolute Gegenteil davon - sondern es handelt sich hier um Statussymbole um kleine Penisse oder was weiß ich zu kompensieren. Im Grunde "Prolls" die zu sehr sehr viel Geld gekommen sind. Genau das gleiche mit den Rennpferden/Kamelen/usw. - Tierquälerei und Tötung/Selektierung von Tieren en masse, wie bei jeder Zucht, von Tauben, über Hunde bis zu Pferden, etc. pp Nur die leistungsstärksten sind es wert zu leben, dahinter stehen 10000de die sterben. Da sist die Wahrheit hinter diesem Märchen aus 1001 Nacht.
4. Emirati lieben ihre Tiere
majidmaktoum 23.08.2011
Zitat von Deepthought42.0815Wenn man nicht über genug Ethik verfügt und es toll findet für einige der größten A-löcher auf diesem Planeten zu arbeiten ist das sicher was! :-) Der Artikel ist ahungslos und dummnaiv. Diese Scheichs sind keine Tierfreunde - das absolute Gegenteil davon - sondern es handelt sich hier um Statussymbole um kleine Penisse oder was weiß ich zu kompensieren. Im Grunde "Prolls" die zu sehr sehr viel Geld gekommen sind. Genau das gleiche mit den Rennpferden/Kamelen/usw. - Tierquälerei und Tötung/Selektierung von Tieren en masse, wie bei jeder Zucht, von Tauben, über Hunde bis zu Pferden, etc. pp Nur die leistungsstärksten sind es wert zu leben, dahinter stehen 10000de die sterben. Da sist die Wahrheit hinter diesem Märchen aus 1001 Nacht.
Sie scheinen eher sehr ahnungslos und dummnaiv. Die Emirati lieben ihre Tiere sehr. Sie sind Statussymbole - ja. Aber das bedeutet nicht, dass sie sich nicht um die Tiere kümmern. Eher werden die Tiere verwöhnt, denn sie stellen eine direkte Verbindung zur Vergangenheit und zu den alten Traditionen dar, die sie sehr pflegen. Die Tiere (Falken, Pferde, Kamele) werden auch gehandelt. Bis auf die Kamele, die auch gegessen werden, werden die Falken oder Pferde aber nie sinnlos getötet. Ich kann darin keine Kompensation finden, die sie den Emirati unterstellen. Scheinbar scheinen Sie zu vergessen, dass auch in Deutschland Tiere auf Tiertransporten gequält, geschlachtet und verspeist werden bzw. gar nur aus dem Grund gezüchtet werden, damit Sie diese alsbald auf Ihrem Mittagsteller haben.
5. *cough*
Deepthought42.0815 23.08.2011
Zitat von majidmaktoumSie scheinen eher sehr ahnungslos und dummnaiv. Die Emirati lieben ihre Tiere sehr. Sie sind Statussymbole - ja. Aber das bedeutet nicht, dass sie sich nicht um die Tiere kümmern. Eher werden die Tiere verwöhnt, denn sie stellen eine direkte Verbindung zur Vergangenheit und zu den alten Traditionen dar, die sie sehr pflegen. Die Tiere (Falken, Pferde, Kamele) werden auch gehandelt. Bis auf die Kamele, die auch gegessen werden, werden die Falken oder Pferde aber nie sinnlos getötet. Ich kann darin keine Kompensation finden, die sie den Emirati unterstellen. Scheinbar scheinen Sie zu vergessen, dass auch in Deutschland Tiere auf Tiertransporten gequält, geschlachtet und verspeist werden bzw. gar nur aus dem Grund gezüchtet werden, damit Sie diese alsbald auf Ihrem Mittagsteller haben.
Vielleicht lesen sie erst einmal und versuchen wenigstens zu verstehen was ich geschrieben habe. Die "Siegertiere" werden natürlikch geliebt (trotzdem ncihtz wirklich, da ein nciht Edel-Zuchttier keinen Wert hätte/keien "Liebe empfangen würde), zum Peis von 10000den toten bzw. "ausselektierten" Tieren im Laufe der Zucht. Denken, verstehen und präzises lesen ist echt Glückssache nicht wahr? Oh Herr, lass Hirn und weniger Verlogenheit vom Himmel regnen.
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