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Fliegen über dem Dschungel Buschpilot im Namen Gottes

Pilot in Papua-Neuguinea: Steine im Windsack Fotos
DPA

Pilot wollte Martin Köhler schon früh werden, lernte aber zunächst einen soliden Beruf. Heute fliegt der Elektrotechniker für einen christlichen Flugdienst. Mit seiner Familie lebt er in Papua-Neuguinea - und riskiert sein Leben, um Kranke und Verletzte aus dem Dschungel zu bergen.

In der kleinen Kabine dröhnt es mächtig. Martin Köhler, 40, hat gerade den Motor der achtsitzigen Maschine angelassen. "Mike, Echo, Whiskey", meldet er sich beim Tower in Madang in Papua-Neuguinea an. MEW ist seine Flugzeugkennung. Die Buchstaben stehen für "Mission Eine Welt". Köhler ist Buschpilot im Namen Gottes.

Das Missionswerk der Lutherisch-Evangelischen Kirche Bayerns hat einen Großteil der rund 450.000 Euro teuren Maschine vom Typ Airvan über Spenden finanziert. Köhler fliegt für die Mission Aviation Fellowship (MAF), einen christlichen Flugdienst, der hier mit 20 Piloten im Einsatz ist. "Unsere Priorität ist es, Kranke und Verletzte auszufliegen, die ärztliche Hilfe brauchen", sagt Köhler.

Vor ein paar Tagen wurde Köhler nach Hauna, ein kleines Dorf am Fluss Sepik, gerufen. Dort lag eine Frau in einem Einbaum, sie hatte drei Tage zuvor Zwillinge geboren. Ein Baby war gestorben, die Frau hatte viel Blut verloren. "Sie brauchte dringend einen Arzt", sagt Köhler.

Ein Arzt für 20.000 Menschen

Ärzte gibt es mitten im Dschungel nicht. Die Familie musste einen Tag marschieren, um die MAF zu alarmieren, und dann noch zwei Tage Boot fahren bis zur nächsten Landepiste in Hauna. "Ich bin gelandet und habe das Flugzeug sofort für den Transport vorbereitet", sagt Köhler. "Aber als ich zum Fluss hinunterlief, war die Frau gerade gestorben."

In Papua-Neuguinea leben 85 Prozent der gut sechs Millionen Einwohner fernab von Ortschaften und Versorgung. Auf 20.000 Einwohner kommt ein Arzt - in Berlin sind es 130 pro Mediziner. Die MAF ist für Menschen in Not die einzige Chance auf Rettung. Deutschland und die kleinen Probleme des Alltags seien in Papua-Neuguinea plötzlich sehr weit weg, sagt Köhler: "Hier wird man gebraucht, hier geht es um Leben und Tod."

Außer Patienten befördert die MAF Missionare und Kirchenmitarbeiter und bringt Material für Erste-Hilfe-Stationen und Schulen in den Busch. "Unsere Motivation ist es auch, die frohe Botschaft des Evangeliums weiterzutragen", sagt Köhler. Für ihn sei die Missionsfliegerei eine perfekte Kombination: "Ich wusste erst gar nicht, dass sich das so wunderbar verbinden lässt: fliegen und helfen." Die MAF entdeckte er durch Zufall.

Fliegen wollte Köhler schon, als er 16 Jahre alt war, aber wegen der hohen Kosten blieb der Flugschein lange Zeit ein Wunsch. Etwas Solides sollte her, also studierte er Elektrotechnik und ging zur Telekom. Später wurde das Fliegen sein Hobby. 2005 wurde er MAF-Pilot, zuerst in Nordaustralien, seit 2008 in Papua-Neuguinea. Mit seiner Frau Claudia, 40, und den Kindern Lea, 9, und Lars, 6, lebt der gebürtige Nürnberger jetzt an der Küste in Wewak.

"Weltmeister im Schutzengelstrapazieren"

Die Arbeit ist gefährlich. Das zwischen Australien und Indonesien gelegene Papua-Neuguinea und sein unwegsames Hochland gelten als eines der schwierigsten Fluggebiete der Erde. Die Pisten sind oft in steile Hänge geschlagen, nicht jede wird gut gepflegt. "Vor ein paar Wochen war eine Piste so rutschig, dass ich fast nicht rechtzeitig zum Stehen gekommen wäre", sagt Köhler.

Ein Kollege schaffte es nach dem Start nur knapp über eine Bergkuppe, weil ein Passagier heimlich noch schweres Gepäck an Bord gehievt hatte. Ein anderer fand nach einer rauen Landung Steine im Windsack, der eigentlich die gefährlich starken Querwinde hätte anzeigen sollen. Die Dorfbewohner hatten sie hineingelegt, aus Angst, dass der Pilot sonst nicht landen würde. "Meine Mutter sagt immer: Ihr seid Weltmeister im Schutzengelstrapazieren", sagt Volkher Jacobsen, Flugausbilder bei MAF.

Christiane Oelrich, dpa/vet

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Erfrischend helfende Taten
sukowsky, 13.01.2012
Zitat von sysopPilot wollte Martin Köhler schon früh werden, lernte aber zunächst einen soliden Beruf. Heute fliegt der Elektrotechniker für einen christlichen Flugdienst. Mit seiner Familie lebt er in Papua-Neuguinea - und riskiert sein Leben, um Kranke und Verletzte aus dem Dschungel zu bergen. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/0,1518,806273,00.html
Obwohl ich den einzeln manchmal vorzufindenden sektiererischen Geist in der christlichen Kirche nicht mag ist es hier erfrischend wie eine Person mit seinem Wissen und Können bedürftigen Menschen im unwegsamen nirgendwo hilft. Das ist wahrlich groß im Stillen einer guten Sache dienlich zu sein! Natürlich auch dank den Spendern für das wunderschöne und praktische Flugzeug und den Piloten mit allen Menschen die dahinter stehen. .......... So sollte man auf der ganzen Welt friedliche Kriege führen!
2. Bahre vs. Trage
freeride4ever 13.01.2012
einfach mal danach suchen... siehe Bildunterschrift bei Bild 1....
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