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Einkommenstabelle Google-Mitarbeiter merken, wie unfair ihre Gehälter sind

Google-Zentrale in Dublin: Gleiches Geld für gleiche Arbeit gilt hier nicht Zur Großansicht
AFP

Google-Zentrale in Dublin: Gleiches Geld für gleiche Arbeit gilt hier nicht

Wie viel verdient der Kollege? Wissen würden das viele gern. Bei Google tragen Mitarbeiter offenbar ihr Gehalt in eine interne Tabelle ein und verbreiten den Link weiter - zum Ärger der Vorgesetzten.

Eine Tabelle mit zwei Spalten, eine für den Namen, eine für den Monatslohn - Gehaltstransparenz könnte so einfach sein. Es müsste nur jemand mit der Liste anfangen. Genau das hat Erica Baker getan.

Die ehemalige Google-Mitarbeiterin erstellte zusammen mit Kollegen eine Tabelle und trug ihr Gehalt ein. Den Link zu dem Dokument postete die Programmiererin auf ihrer persönlichen Seite im internen Google-Netzwerk. "It took off like wildfire", es verbreitete sich rasend schnell, schreibt sie auf Twitter.

37 Minuten und 25 Tweets braucht Baker, um die ganze Geschichte zu erzählen. Sie liest sich wie ein Fortsetzungsroman in 140-Zeichen-Schnipseln. Die Tabelle sei schnell gewachsen. Google-Mitarbeiter aus aller Welt hätten mitgemacht, ihre Gehälter habe sie zur besseren Vergleichbarkeit in US-Dollar umgerechnet, so Baker. Dann habe ihre Vorgesetzte sie herbeizitiert.

Google macht kein Geheimnis daraus, dass in der Firma gleiche Arbeit nicht unbedingt gleiches Gehalt bedeutet. In seinem Buch "Work Rules!" bekennt Googles Personalchef Laszlo Bock freimütig, dass Google "unfair zahlt". Ein Einsteiger könne mehr verdienen als ein jahrelanger Mitarbeiter, schreibt Bock. Die Unterschiede bei Bonuszahlungen beziffert er auf 300 bis 500 Prozent. Das sei aber nur fair, denn: Laut Bock sind fünf Prozent der Mitarbeiter vier Mal so produktiv wie alle anderen. Und um diese Top-Talente halten zu können, müsse man sie eben überdurchschnittlich bezahlen.

Wer bei Google als Top-Talent gilt und wer nicht, ist allerdings offenbar nicht allen Mitarbeitern klar. Baker berichtet, dass einige Kollegen nach einem Blick in ihre Tabelle um Gehaltsgespräche baten - und hinterher mehr bekamen. Dass dies auf Führungsebene nicht gern gesehen werden würde, hatte sie sich schon gedacht. Angst um ihren Job hatte sie trotzdem nicht: Laut US-Gesetz dürfen Firmen ihre Mitarbeiter nicht daran hindern, sich untereinander über ihre Gehälter auszutauschen.

Baker sagt, sie sei dennoch bestraft worden: Man habe ihr Bonuszahlungen verweigert. Wer bei Google arbeitet, kann tüchtige Kollegen für einen 150-Dollar-Bonus vorschlagen. Als Dank für das Erstellen der Gehaltstabelle hätten ihr sieben Kollegen den Bonus zukommen lassen wollen, sagt Baker. Die Anträge seien alle abgelehnt worden. Die Begründung der Vorgesetzten: Der Nutzen für die Firma sei unklar.

Ein Kollege, der zusammen mit ihr die Tabelle erstellt hatte, habe aber sehr wohl Boni für das Projekt bekommen, so Baker. Und sie könne nur zwei Unterschiede erkennen: Geschlecht und Hautfarbe. Baker ist schwarz.

Der Kollege sei entrüstet gewesen, als er erfuhr, dass sie im Gegensatz zu ihm keine Boni bekam und habe dies allen erzählen wollen, berichtet sie weiter. Sie habe ihn davon abgehalten, per Flurfunk habe sich die Nachricht dennoch schnell herumgesprochen. Die meisten Kollegen hätten gar nicht gewusst, dass Bonuszahlungen überhaupt abgelehnt werden können, so Baker: "Sie waren entrüstet."

Mit der Tabelle sei auch der Ärger auf der Führungsebene gewachsen. Einer habe ausdrücklich jede Zusammenarbeit mit ihr verweigert. Baker wechselte schließlich den Job. Sie arbeitet jetzt für das US-Start-up Slack. Die Tabelle hat sie in die Obhut eines Kollegen gegeben. Rund fünf Prozent aller Mitarbeiter hätten ihr Gehalt schon eingetragen. Google wollte sich auf Anfrage mehrerer US-Medien nicht zu den Vorwürfen äußern.

Gehalt - sieben goldene Regeln
Corbis

1. Nur Mut: Wer nicht will, der hat schon.
Um mehr Geld zu verhandeln, ist vielen Angestellten peinlich. "Wer über dem Schnitt verdient, fürchtet den Neid der anderen, wer darunter liegt, schämt sich", sagt Gehaltscoach Martin Wehrle. Falsche Haltung: Gehaltsgespräche zählen zu den festen Ritualen des Berufslebens und sind kein Grund für Verlegenheit oder gar ein schlechtes Gewissen. Man kann das, man darf es, Chefs rechnen damit. Immerhin gehört es zu ihrem Job, für zufriedene Angestellte zu sorgen.

DPA

2. Berufsstart: Tiefstapeln oder hoch pokern?
"Und welches Gehalt haben Sie sich vorgestellt?" Die Mutter aller tückischen Fragen im Vorstellungsgespräch, gerade Einsteiger wirft sie schnell aus der Bahn. Oft drücken sie sich vor einer klaren Antwort oder reagieren mit Gegenfragen; andere trumpfen jetzt auf. "Forsch ist schön und gut, nassforsch nicht", sagt Adrian Schimpf, Personalleiter der Madsack-Mediengruppe. Grundregel: Das Gehaltsthema selbst anzusteuern, kann gierig wirken. Sobald der Personalchef oder künftige Chef es anspricht, sollte man aber mindestens eine Gehaltsspanne parat haben und die Wunschsumme gut begründen können durch Qualifikationen und Kenntnisse.

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3. Bestens vorbereitet: Frag dich schlau.
Was geht, wo die untere und die obere Grenze verläuft - dafür muss man ein Gespür entwickeln. Erste Hinweise geben Datenbanken, Gehaltsvergleiche, Tarifverträge und die Seiten von Branchenverbänden im Netz. Einmal googeln ist aber zu wenig. Nichts geht über ein gutes Netzwerk: Gibt's Kontakte ins Unternehmen oder zu Angestellten der gleichen Branche? Was sagen frühere Mitstudenten oder Kollegen, was weiß der Chef aus dem letzten Praktikum? Fragen kostet nichts, kann sich aber auszahlen. Die meisten werden reden, wenn man sich freundlich erkundigt.

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4. Gutes Timing: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Wenn es allein nach den Vorgesetzten geht, gibt es keinen richtigen Zeitpunkt für Gehaltsverhandlungen. Nie. "Vor der Krise heißt es: Da braut sich was zusammen. In der Krise müssen sie sparen. Und nach der Krise müssen sie sich erst mal erholen", so schildert Martin Wehrle das übliche Abwehrmuster. Klar ist aber auch: Wer nicht ab und zu den Arm hebt, geht lange leer aus. Besser spricht man öfter über kleine Gehaltshüpfer als in langen Abständen über den einen großen Sprung. Das Timing ist wichtig. Das Jahresgespräch kann eine gute Gelegenheit sein, dann allerdings stehen alle auf der Matte, ebenso wenn zum Jahresende die Etatverhandlungen laufen. Ungeschickt: in der tiefsten Firmenkrise, mitten im hektischen Projekt. Geschickt: wenn ein großer Auftrag hereingekommen und der Boss in Geberlaune ist. Über Geld reden sollte man stets mit Termin, nie zwischen Tür und Angel - und nicht jedes halbe Jahr, aber etwa alle anderthalb Jahre.

DPA

5. Rein ins Getümmel: Mit einem Feuerwerk beginnen. Dann steigern.
Karriereberaterin Claudia Kimich vergleicht Gehaltsgespräche mit Paartanz: "Auffordern, einen Korb kriegen, führen, führen lassen, auf die Füße treten." Es ist ein Spiel mit verteilten Rollen, man sollte die Perspektive des Gegenübers vorausahnen und argumentieren, nicht jammern. Was Chefs garantiert nicht beeindruckt: Hinweise auf die gestiegene Miete, den teuren Urlaub, die hungrigen Kinder. Tabu ist auch Neid auf besser bezahlte Kollegen. Viel besser: vorher Erfolge notieren, memorieren, rezitieren. Was kann ich besonders gut, wo habe ich Verantwortung übernommen, was ist mein nächstes Projekt? Welche Einnahmen habe ich der Firma gebracht, welche Ausgaben erspart? Und wie kann ich das alles belegen? Wichtig: Nicht sofort alle Trümpfe auf den Tisch legen - besser überlegt ausspielen und ein, zwei starke Argumente fürs Finale aufsparen. "Am Ende sollte man sich in die Augen schauen können, man sieht sich immer 27 Mal im Leben", so Claudia Kimich.

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6. Härtefälle: Knack Mr. Njet, verlange Extras.
500 Euro mehr? 250? Nicht mit ihnen. Manche Chefs sind aus Granit, routiniert legen sie ihre Stirn in Falten und wehren alle Wünsche, Vorschläge, Argumente ab. Leider, leider sind dem Vorgesetzten die Hände gebunden - die knappen Ressourcen, das Gehaltsgefüge in der Abteilung, die Wirtschaftslage der Firma, Sie wissen schon... Ein Erpressungsversuch ("Mehr Geld, oder ich kündige") ist jetzt keine gute Idee. Und doch bedeutet Nein nicht immer nein. In Gehaltsgesprächen geht es stets auch um Signale der Wertschätzung, das wissen selbst grimmige und halsstarrige Bosse. Manchmal führt ein Umweg ans Ziel. Denn zu einem höheren Salär gibt es eine Reihe von Alternativen. Dienstwagen, Handy und Notebook für zu Hause sind Klassiker. Die Firma kann auch Personalrabatte gewähren, Prämien, eine Weiterbildung oder die Internetnutzung zu Hause zahlen, die Kita, den Urlaub oder die Altersversorgung bezuschussen.

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7. Gehaltsgefälle: Nicht so schüchtern, die Damen.
Zu Umfang und Gründen des "Gender Pay Gap", der Gehaltskluft zwischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, kursieren viele Theorien. Der Bezahlungsunterschied in vergleichbaren Jobs wird auf 5 bis 25 Prozent beziffert. Die Alltagswahrnehmung vieler Vorgesetzter beschrieb der Chef eines mittelständischen Unternehmens einmal so: "Frauen klopfen leise und zart. Männer treten mir fast die Tür ein." Sie halten es in Gehaltsgesprächen mit der Devise "Frech kommt weiter". Frauen formulieren zaghafter, weichgespült und gern im Konjunktiv ("Es wäre schön, wenn..."; "Könnten Sie sich vorstellen...?"). Oft fordern sie zu wenig und geben zu schnell nach, so die Frankfurter Forscherin Martina Voigt. Dabei haben forsch auftretende, ehrgeizige Frauen gute Chancen bei Gehaltsgesprächen, mitunter bessere als ähnlich resolute Männer, wie kürzlich eine Studie von Voigt zeigte. Weibliche Angestellte müssen sich wirklich nicht generell an männlichem Dominanzverhalten orientieren. Aber Verhandlungen ums Geld als sportive Herausforderung anzunehmen - das kann schon helfen.

vet

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insgesamt 108 Beiträge
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1. Firmeninterna...
deegeecee 21.07.2015
... gehen die Öffentlichkeit ja nun rein gar nichts an. Solche Effekte gibt es in jedem Betrieb, in dem sich Mitarbeiter über ihr Gehalt austauschen, da müssen Boni gar keine 500 % ausmachen.
2.
alsterherr 21.07.2015
Auch in unserer Firma gibt es unterschiedliche Gehälter auf gleicher Ebene ... jeder wird beim Bewerbungsgespräche gefragt, dann beginnt der Gehaltspoker, nach gewisser Zeit im Job wird das Gehalt angepasst, etc ... wenn sich jemand im Einstellungsgespräch zu günstig verkauft, bekommt sie / er natürlich weniger Geld als ein Mitarbeiter, der höher gepokert hat.
3.
Vorlan 21.07.2015
"Laut Bock sind fünf Prozent der Mitarbeiter vier Mal so produktiv wie alle anderen." Nur wahrscheinlich sind es gerade diese Leute nicht die bessr bezahlt werden. Klar derjenige der besser arbeitet sollte mehr bezahlt werden. Auf dem Papier hört es sich fair an. In Wirklichkeit interessiert es aber keinen sondern derjenige der besser bezahlt wird ist meistens einfach nur weiß und männlich. Google ist da aber nicht der Einzige. Würde man in Deutschland auch mal so eine Liste durch die ganzen großen Unternehmen gehen lassen würde man in den meisten Fällen wohl zu dem selben Ergebnis kommen.
4. Was soll daran unfair sein?
axel_roland 21.07.2015
Ich würde meine Mitarbeiter auch nach Kompetenz und Leistung und nicht nach theoretischer Qualifikation oder Jobbeschreibung bezahlen. Das ist fair. Alles andere ist unfair. Wenn ich zwei Mitarbeiter mit den gleichen Aufgaben habe und einer ordentlich was wegschafft und der andere nur Däumchen dreht muss sich das natürlich bemerkbar machen - sonst kann ich den Laden gleich dichtmachen. Wer das will soll in eine Behörde gehen
5.
moritz1989 21.07.2015
Das ist jetzt ja nicht gerade überraschend - wird in meiner Firma genauso sein. Trotzdem finde ich die Verschwiegenheit der Deutschen was das Thema Gehalt angeht bescheuert. Wären mehr Leute bereit zu reden würde auch besser bzw. fairer bezahlt werden!
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