Ein Mann bremst scharf, er hält vor der Polizeiwache. Es ist Nacht, er steckt den Kopf aus dem Autofenster und ruft der diensthabenden Polizistin zu: "Willst du mitkommen, du Schlampe?" Der Mann rast davon, aber Polizistinnen verfolgen ihn und nehmen ihn fest. Er muss für zwei Monate ins Gefängnis. "Mit uns legt sich keiner an", sagt Sushila Pradhan. Sie ist Polizistin in der nepalesischen Stadt Pokhara. "Hier weiß jeder, dass wir knallhart sind." In der Wache arbeiten ausschließlich Frauen.
Seit acht Monaten hat die 27-Jährige das Kommando über die 25 Polizistinnen der Wache. "Es ist ein Privileg, eine Frau zu sein und trotzdem anführen zu dürfen", sagt Pradhan, die seit sechs Jahren bei der Polizei ist.
Die Idee einer rein weiblichen Polizeiwache hatte Upendra Kanta Aryal, ein hoher Polizeibeamter. "Ich dachte mir, das zeigt, dass sie mit allen Verbrechen alleine klar kommen. Erst waren viele dagegen, aber bis jetzt hat es geklappt", erzählt er. Seit drei Jahren gibt es die Frauen-Wache in Pokhara.
In Nepal mit seinen 30,5 Millionen Einwohnern gibt es etwa 60.000 Polizisten, davon rund 3500 Frauen. Tendenz steigend. Die Regierung hat eine 20-Prozent-Quote festgelegt. Viele arbeiten in unteren Dienstgraden oder in der Krankenpflege. "Die Stellung der Frauen bei der Polizei verbessert sich, weil sie immer besser ausgebildet sind", sagt Pradhan. Ihre Kolleginnen nennen sie "Sir".
"Dann haben wir Männer verfolgt, die mit Dolchen bewaffnet waren"
Parvati Nepali trägt auf der Stirn ein wenig rote Farbe, das Zeichen für eine verheiratete Hindu-Frau. "Als ich klein war, habe ich in Kathmandu berittene Polizisten gesehen, und ich wollte eines Tages auch so eine Uniform tragen", erzählt sie. Aber die schicke Uniform kann nicht immer über die Nachteile hinwegtrösten: Nepali hat zwei Kinder. "Wir verbringen weniger Zeit mit unserer Familie, weil wir immer im Dienst sind." In einem Land, in dem Streiks und Demonstrationen zum Alltag gehören, haben die Beamten rund um die Uhr Rufbereitschaft.
Auch Nepali hat schwierige Einsätze erlebt. Die Polizistinnen wollten ein Kind bergen, das bei einem Unfall gestorben war. "Die weiblichen Verwandten nannten uns Huren und verfluchten unsere Kinder." In einem Ort mit vielen Analphabeten zu arbeiten, erschwere ihre Aufgabe zusätzlich, sagen die Beamtinnen.
Um Kinder oder Kriminielle kümmern?
Manchmal hätten sie gern männliche Polizisten in der Wache. Die meisten Festgenommenen sind Männer: Die oft Betrunkenen auf die Toilette zu bringen und wieder raus zu zerren, das sei unangenehm.
Die Mühen lohnen sich aber: In den vergangenen drei Jahren haben die Polizistinnen Auszeichnungen und viel Lob für ihre Arbeit bekommen. Aber es gibt auch Kritik. "Eine Polizeiwache braucht Männer", findet Bir Bahadur Thapa, selbst Polizist im Ruhestand. "Sollen Frauen sich um Kinder oder um Kriminelle kümmern?"
Solche Kommentare schrecken die Beamtinnen nicht ab. "Als ich zur Polizei ging, sagte mein Bruder, dass es schwer werden würde", erzählt Pradhan. "Aber jetzt ist er stolz auf mich."
Pratibha Tuladhar/dpa/mia
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