19. Dezember 2012, 12:22 Uhr

Explosiver Ingenieurs-Job

Extrempendeln zwischen Ölplattformen

Kanada, Polen, Israel, Arabische Emirate - nur einige der Länder, in denen Björn Ziegner arbeitet. Als Messingenieur auf Dauer-Dienstreise fliegt er von einer Ölbohrung zur nächsten und hantiert auch mit Sprengstoff und Kanonen. Eine Wohnung hat er schon lange nicht mehr.

"Im Büro sitzen, das ist nichts für mich. Ich wollte schon immer reisen, Abenteuer erleben, einen exotischen Arbeitsplatz haben. Als Wireline Field Engineer, geophysikalischer Messingenieur, kann ich genau das tun: Ich reise von Ölbohrung zu Ölbohrung, mal Offshore, mal auf dem Land.

Seit knapp drei Jahren habe ich keine eigene Wohnung mehr. Meine Sachen stehen bei meinen Eltern im Keller. Die paar Tage im Monat, die ich in Deutschland bin, wandere ich von Couch zu Couch, um meinen Freunden nicht allzu lange auf die Nerven zu gehen. Den Rest der Zeit bin ich im Ausland: Holland, Albanien, Großbritannien, Kanada, Polen, Israel, Dubai - wie lange ich an einem Ort bin, hängt davon ab, ob ich auf dem Land oder auf einer Ölplattform eingesetzt werde.

Mein Job ist leider nur schwer in zwei Sätzen zu beschreiben: Wenn nach Öl gebohrt wird, passiert das in mehreren Etappen und mit Bohrköpfen unterschiedlicher Größen. Nach jeder Etappe muss ein Messingenieur kontrollieren, ob sich hier tatsächlich Öl befindet oder Gas oder eine andere Ressource. Danach wird entschieden, ob weitergebohrt und das Bohrloch vielleicht sogar für die Ölförderung ausgebaut wird. So ein Messingenieur bin ich.

3000 Meter tief lassen wir die Sonden an Stahlkabeln in die Bohrlöcher hinab. Wenn wir Öl gefunden haben und die Firma sich entscheidet, es zu fördern, wird das Loch verrohrt. Es kommen Pumpen in die Rohre, die mit Zement an die Gesteinsform gebunden werden. Wichtig ist, dass hier sauber und wasserdicht gearbeitet wird, damit es nicht zu einem Blowout kommt - wie 2010 im Golf von Mexiko. Mein Job ist es, die Qualität der Zementierung zu überprüfen.

Und dann gibt es noch einen dritten Aspekt meiner Arbeit, der ist ganz schön explosiv: Wenn das Loch zementiert ist, muss es ganz unten, wo das Öl gefördert werden soll, perforiert werden. Dazu lassen wir an den Stahlseilen Kanonen hinunter.

Weihnachten im Container

Zusammengefasst kann man sagen: Ich bin ein Ingenieur, der mit Stahlseilen und Sonden Messungen durchführt, sich aber auch mit Sprengstoff und Kanonen auskennen muss. Ich arbeite für ein Ölfeld-Serviceunternehmen, das in mehr als 80 Ländern der Welt mit Öl- und Gasunternehmen zusammenarbeitet und Menschen wie mich dorthin schickt, wo wir gerade gebraucht werden.

Meine längste Zeit auf einer Ölplattform waren bis jetzt zwölf Tage. Wenn alles glatt läuft, bin ich normalerweise nach wenigen Tagen wieder verschwunden. Bei Bohrungen auf dem Festland entstehen meist Hunderte Löcher gleichzeitig in einem Gebiet. Die Arbeiter leben dann in Camps, die ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten sind. Vor einem Jahr war ich 15 Tage am Stück in so einem Camp in Kanada und habe auch Weihnachten dort verbracht.

Das war komisch und schön zugleich, dieses Familienfest im Kollegenkreis zu feiern. Zum Glück war die Freundin eines Kollegen zu Besuch und hat uns lecker bekocht. In Europa haben wir die Regel, dass man entweder Weihnachten oder Silvester freinehmen kann, ich habe dieses Jahr das Weihnachtsfest bekommen.

Mit dem Hubschrauber zur Arbeit

Trotzdem ist es natürlich nicht schön, so viele Feiern und Geburtstage von Freunden und Verwandten zu verpassen. Ich muntere mich dann auf und sage mir: Wer macht schon so einen speziellen Job wie ich und bekommt all das zu sehen, was ich sehe? Dieses Gefühl, etwas Besonderes zu machen, das baut mich immer wieder auf.

Zudem versuche ich, einmal in der Woche mit meinen Eltern zu telefonieren. Mit meinen Freunden halte ich vor allem über Facebook Kontakt. Und ab und zu schicke ich auch gern mal eine Postkarte. Schwieriger wird es, wenn man in einer Beziehung ist. Die meisten meiner Kollegen sind geschieden oder haben sich gerade mal wieder von einem Partner getrennt. Seit ich den Job hier mache, hatte ich selbst noch keine Freundin.

Die Entscheidung für diesen Job habe ich bisher nicht bereut, obwohl ich schon nach den ersten vier Monaten die schlimmsten Stunden meines Lebens hatte: Für die Abschlussprüfung musste ich unter Zeitdruck zwei Messungen und eine Perforation in einem Trainingsloch machen. Ich stand mehrmals kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

Aber dafür gibt es auch wirklich tolle Erlebnisse: Es ist zum Beispiel echt Wahnsinn, mit dem Hubschrauber zur Arbeit gebracht zu werden - obwohl das Fliegen selbst erstaunlich unspektakulär ist. Ein tolles Gefühl ist es auch, nach vielen Stunden Arbeit völlig übermüdet ins Bett zu fallen. Aber der schönste Moment ist, wenn ich nach langer Abwesenheit meine Freunde und Familie wiedersehe."

Aufgezeichnet von Melanie Hofmann


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