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Chefin im Silicon Valley Es geht auch ohne Schulterpolster

Vorbild für viele Frauen: Die Amerikanerin Jennifer Dulski Zur Großansicht
Change.org

Vorbild für viele Frauen: Die Amerikanerin Jennifer Dulski

Sie ist klein, zierlich, blond - und dumme Sprüche gewohnt. Jennifer Dulski ist eine der einflussreichsten Frauen im Silicon Valley. Seit dem Studium kämpft sie für Gleichberechtigung.

Gleich geht die Podiumsdiskussion los. Eine blonde, 1,52 Meter kleine Frau will am Pult ihren Laptop anschließen. Ein Techniker kommt hinzu, er fragt: "Möchte Ihr Chef eine Videopräsentation zeigen?" Die Frau dreht sich um: "Ich bin diejenige, die die Rede hält."

Jennifer Dulski, 43, erlebt solche Momente immer wieder. Viele sind von ihr überrascht: kleine Frau, lange blonde Haare - und Chefin in einem Technikunternehmen. Sie ist die rechte Hand von Ben Rattray, dem Gründer von Change.org, einer globalen Plattform für Onlinepetitionen, die Menschen, Unternehmen und Regierungen zu Veränderungen drängt - und damit ein gutes Geschäft macht. Manche Kunden zahlen zweistellige Millionenbeträge, um etwa für Spendenaufrufe Zugang zu der riesigen E-Mail-Datenbank des Unternehmens zu erhalten.

2,2 Millionen Change.org-Nutzer stimmten 2012 dafür, den Mörder des unbewaffneten schwarzen Jungen Trayvon Martin anzuklagen. Der Todesschütze landete vor Gericht. Weitere Erfolge zählt die Firma auf ihrer Webseite auf: Delta Airlines befördert keine Jagdtrophäen von Großwildjägern mehr, die "Cheesecake Factory" verzichtet auf Eier aus Käfighaltung und in Videospielen von EA Sports kann künftig auch mit Fußballerinnen gespielt werden.

Dulski hat schon für Frauenrechte gestritten, als das noch nicht zu ihrem Beruf gehörte. Am College wurde ihr verwehrt, als Steuerfrau ein männliches Ruderteam anzuführen. "Das habe ich einfach nicht verstanden. Ich hatte Erfahrung, die richtige Größe, die Fitness", sagt sie. Sie legte sich mit dem Trainer an, mit seinem Chef, irgendwann debattierte sie mit dem Sportdirektor - und gewann. Heute werden Dreiviertel aller männlichen Ruderteams ihrer Uni von Frauen gelenkt. "Jetzt muss diesen Kampf keine andere Frau mehr austragen", sagt sie zufrieden.

Niemals Pink? So ein Quatsch

2011 war Dulski die erste Gründerin, die ein Start-up an Google verkaufte: "The Dealmap" verknüpfte online verfügbare Tagesangebote, etwa von Restaurants, mit einer Google-Karte.

Bei Change.org hat Dulski den Frauenanteil im Tech-Team exorbitant erhöht, von unter fünf auf 27 Prozent. Betrachtet man das gesamte Unternehmen, liegt der Frauenanteil mittlerweile bei 51 Prozent. Bei Facebook, Google und Twitter waren 2014 nur drei von zehn Mitarbeitern weiblich.

Dulski hat bei Change.org außerdem eine bezahlte Elternzeit von 18 Wochen für Mütter und Väter eingeführt. Das ist wegweisend, nicht nur für die Tech-Branche im Silicon Valley. Die USA haben als einziges westliches Industrieland keine gesetzlich festgelegte bezahlte Elternzeit.

"Am Anfang meiner Karriere hat mir ein Karrierecoach geraten, niemals Pink zu tragen und Schulterpolster in meine Klamotten zu stecken", sagt Dulski. Aber angenommen habe sie diese Ratschläge nie.

Sie hält nicht viel von der Vorstellung, dass sich erfolgreiche Frauen eine maskuline Optik aneignen müssen. Ihre langen blonden Haare trägt sie demonstrativ offen.

Mittlerweile gibt sie selbst Ratschläge, vor allem jungen Frauen: Du musst immer schon den nächsten Schritt des Projekts in der Pipeline haben. Warte nicht auf eine Einladung, am großen Tisch Platz zu nehmen, sichere dir selbst den Sitz. Pflege dein Netzwerk aus alten Uni-Zeiten, Praktika, Anfängerjobs. Diese Menschen werden später wichtig sein. Sie ist sicher: "Wenn du all das beherzigst, wen interessiert es dann noch, ob du deine Haare offen trägst?"

  • Julia Schwendner
    Alexandra Zykunov (Jahrgang 1985) schreibt als freie Journalistin für u.a. Welt am Sonntag, Nido und UNI SPIEGEL. Ihre Themen sind Bildung & Karriere, Russland und urbanes Elterndasein.

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1.
irrenderstreiter 07.08.2015
"Viele sind von ihr überrascht: kleine Frau, lange blonde Haare - und Chefin in einem Technikunternehmen." - Journalisten lieben sowas.
2. Ist
bernd.stromberg 07.08.2015
Ich stelle ernsthaft die Frage ob "Gleichberechtigung" die korrekte Wortwahl für den Sachverhalt ist? Das Wort suggeriert ja, dass für Frauen nicht die gleiche Rechte gelten wie für Männer. Müssen Frauen denn für die Gründung eines Unternehmens mehr Gebühren oder Steuern zahlen als Männer?
3. Ich glaube wirklich überrascht sind am meisten
Criticz 07.08.2015
Spiegel-JournalistInnen....um irgendwie den nächsten " Frauen Habens schwerer"-Artikel platzieren zu können. Es nimmt propagandistische Züge an, "qualitativ", quantitativ ohnehin.
4. @2 und 3: Das kann man erklären.
louis.cyphre 07.08.2015
Die Autorin ist Mitglied bei ProQuote (siehe http://www.pro-quote.de/unterstutzer/). Dort wird mit starken "Argumenten" wie "Wir sind die Hälfte. Wir wollen die Hälfte.", die Teilhabe an Führungspositionen im Medienbetrieb gefordert. Und wer solch guten Argumente anführt, der kann ja auch mal "Gleichberechtigung" mit "Gleichstellung" verwechseln. Was will man von Lobbyistinnen erwarten. Ich schau inzwischen immer bei "komischen" Texten in die Unterstützerinnen-Liste. 95% Trefferwahrscheinlichkeit.
5. Pro-Quote
montyagrippa 07.08.2015
Es ist schon witzig. Frau Schwarzer ist auch bei den Unterzeichnern von Pro-Quote. Sie selber leitet aber eine Zeitung mit 0% Männern. Das ist dann aber o.k.? Warum gründen die ganzen unterschreibenden Journalistinnen nicht eigene Magazine? Dort könnten Sie dann Ihre Vorstellungen von Quote ganz einfach realisieren. Aber stattdessen wird beim Spiegel oder sonst wo angeheuert und dann gejammert.
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