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Auslandsschulen Lehrer ohne Grenzen

Besseres Wetter, mehr pädagogische Freiheit oder einfach der Wunsch, noch mal rauszukommen: Für Lehrer gibt es viele Gründe, an einer deutschen Schule im Ausland zu unterrichten. In welches Land es geht, ist für die Auswanderer allerdings eine Überraschung.

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Lehren im Ausland: "Gelernt, wie man eine Schule weiterentwickelt"

An Warschau hatte Ulf Kirschstein, 44, eigentlich nicht gedacht, als er sich für eine Stelle an einer Auslandsschule bewarb. Aber wählerisch durfte der Geschichtslehrer nicht sein: Wer im Ausland unterrichten will, kann sich den Standort nicht aussuchen. Bewerber dürfen lediglich zwei Regionen ausschließen, die grob den Kontinenten entsprechen - so will es die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Köln, die für die Vergabe der Stellen zuständig ist.

Viele Lehrer landen deshalb an Orten, die sie vorher nur von der Landkarte kannten. So wie Kirschstein, der ein Angebot aus der polnischen Hauptstadt bekam - und annahm. Seit fünf Jahren lehrt er an der Warschauer Willy-Brandt-Schule, wo Schüler aus Deutschland, Polen und anderen Nationen für die deutsche und polnische Hochschulreife büffeln. Unterrichtet werden sie vor allem von deutschen Lehrern.

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"Bildung made in Germany" ist nicht nur in Warschau gefragt: Weltweit gibt es 140 deutsche Schulen im Ausland. Einst für Kinder von Mitarbeitern deutscher Botschaften und Unternehmen gegründet, sind heute fast drei Viertel der Schüler Nicht-Deutsche. "Wir wollen ein realistisches Deutschlandbild ohne Vorurteile vermitteln und für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort werben", sagt Reinhard Löchelt, Fachbereichsleiter für pädagogisches Personal bei der ZfA.

Das Auswärtige Amt unterstützt die Schulen mit direkten Zuschüssen und bei der Bezahlung der Lehrkräfte. Ein großer Teil des in diesem Jahr fast 240 Millionen Euro schweren "Schulfonds" des Ministeriums geht an Auslandsschulen und deren Lehrer. Dennoch müssen die Eltern im Ausland für die meisten deutschen Schulen Gebühren zahlen. Ein Schuljahr an der Willy-Brandt-Schule kostet knapp 6200 Euro, Eltern polnischer Schüler zahlen etwas weniger.

Dafür sind die Bedingungen oft besser als an deutschen Durchschnitts-Schulen: Die Klassen sind kleiner, die Betreuung intensiver. Das sei auch unbedingt notwendig, sagt der Leiter der Warschauer Willy-Brandt-Schule, Gerd Köhncke: "Wir haben Schüler aus verschiedensten Nationen, die alle paar Jahre Land und Schule wechseln, meist beruflicher Verpflichtungen der Eltern wegen. Sie brauchen eine intensivere Betreuung." Für diese Aufgabe seien nicht alle Kollegen geeignet: "Ich habe erlebt, dass manche nach wenigen Jahren wieder zurückgegangen sind, weil sie in der neuen Umgebung gescheitert sind. Das ist aber eine kleine Minderheit."

Die Rückkehr ist für manche ernüchternd

Seinen Auslandseinsatz abzubrechen kommt für Kirschstein nicht in Frage: "Für deutsche Geschichtslehrer gibt es kaum geeignetere Standorte als diese Stadt, weil die Geschichte Deutschlands und Polens aufs Engste miteinander verwoben sind." Allerdings müssten gerade an kleineren Auslandsschulen wie in Warschau wenige Lehrer vergleichsweise viele Aufgaben übernehmen. Kirschstein nimmt das gelassen: Dadurch habe er gelernt, wie man eine Schule weiterentwickelt und Führungsaufgaben übernimmt. Erfahrungen, von denen er profitieren kann, wenn er in einigen Jahren in die Heimat zurückkehrt.

Genau da sieht Schulleiter Köhncke allerdings ein Problem: "Einigen Bundesländern gelingt es nicht, die Erfahrungen der Rückkehrer zu nutzen." Leuten, die im Ausland Schulleiter waren, biete man teilweise Stellen an, die weit unter ihrer Qualifikation liegen. Köhncke rät Lehrkräften im Ausland deshalb, sich schon einige Zeit vor der Rückkehr um eine Stelle in Deutschland zu kümmern. Eines sollten sie aber nicht tun: sich davon abhalten lassen, die Herausforderung Auslandsschule anzunehmen.

Drei Lehrer berichten, warum sie ins Ausland gegangen sind, mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten und warum sie nicht an eine Rückkehr denken.

  • Deutschlehrerin in Namibia: "Am Anfang war es ein Alptraum"

  Martina Gohr , 40, unterrichtet Französisch und Deutsch an der Deutschen Höheren Privatschule in Windhoek, Namibia Zur Großansicht
Lutz Gohr

Martina Gohr, 40, unterrichtet Französisch und Deutsch an der Deutschen Höheren Privatschule in Windhoek, Namibia

"Ich bin verbeamtete Lehrerin und wollte ins Ausland, um der Jobroutine zu entkommen. Weil ich in Deutschland nicht eher beurlaubt wurde, musste ich schon wenige Tage nach meiner Ankunft voll in den Unterricht einsteigen, eine zwölfte Klasse übernehmen und zum Abitur führen. Das war ein Alptraum. Trotzdem habe ich nie daran gedacht, schnell wieder zurückzugehen. Im Gegenteil, ich denke zurzeit gar nicht an eine Rückkehr nach Deutschland, weil es mir hier wirklich gut geht.

Wir bereiten die Schüler in getrennten Klassen auf das deutsche Abitur und die namibische Prüfung vor. Die ist vor allem für die einheimischen Schüler wichtig, die übrigens nicht ausschließlich aus der Oberschicht kommen. Wir ermöglichen mit Stipendien auch begabten Schülern aus ärmeren Familien eine gute Bildung.

Trotzdem reicht in vielen Familien das Geld nicht, um wichtige Schulbücher zu kaufen. Wenn man von einem deutschen Gymnasium kommt, rechnet man zunächst nicht damit, dass zwölf Euro für ein Schulbuch ein großes Problem sind. Darauf muss man hier mehr Rücksicht nehmen."

  • Grundschulleiter in Japan: "Manchmal braucht man einen Dolmetscher"

  Harald Gauß , 57, ist seit eineinhalb Jahren Grundschulleiter an der Deutschen Schule in Tokyo/Yokohama, Japan Zur Großansicht

Harald Gauß, 57, ist seit eineinhalb Jahren Grundschulleiter an der Deutschen Schule in Tokyo/Yokohama, Japan

"Als das Angebot aus Japan kam, war ich Schulleiter in Deutschland, es zog mich aber wieder ins Ausland. Ich hatte vorher schon ein paar Jahre in Südafrika gearbeitet und dort die pädagogische Freiheit schätzen gelernt, die Lehrer an Auslandsschulen haben.

Ich habe viele Bücher über Japan gelesen und fand das Land sehr interessant. Da ich mich zudem mit dem Schulleiter gut verstand, bin ich mit meiner Familie nach Japan ausgewandert. Ich bin hier sehr zufrieden mit dem schulischen Umfeld. Wir haben ein eigenes Fußballfeld und eine Schwimmhalle, die die Schüler auch an den Wochenenden nutzen.

Der Tsunami in Japan und der Störfall in Fukushima haben sich auch auf unsere Schule ausgewirkt. Seitdem ist die Schülerzahl von 450 auf 330 zurückgegangen. Damals haben viele Ausländer das Land verlassen. Aber mittlerweile kehren sie zurück, auch die Zahl unserer Schüler steigt wieder.

Die Sprache ist schwierig. Ich versuche, sie Schritt für Schritt zu lernen und hoffe, mich irgendwann auf Japanisch unterhalten zu können. In der Schule wird meist Deutsch gesprochen. Mit Kollegen unterhalte ich mich auf Englisch, manchmal braucht man auch einen Dolmetscher."

  • Spanischlehrer in den USA: "Das gute Wetter macht das Arbeiten leichter"

  Rolf Linse , 44, unterrichtet seit drei Jahren Deutsch, Spanisch und Französisch an der Deutschen Internationalen Schule im Silicon Valley, USA Zur Großansicht
Katrin Weppner/ GISSV

Rolf Linse, 44, unterrichtet seit drei Jahren Deutsch, Spanisch und Französisch an der Deutschen Internationalen Schule im Silicon Valley, USA

"Ich habe ein Jahr in Frankreich studiert und mir damals schon vorgenommen, Deutschland noch einmal zu verlassen. Später habe ich eine Spanierin geheiratet. Seitdem gehört es für mich dazu, in andere Länder zu reisen und neue Kulturen kennenzulernen. Auch für unsere Kinder ist es sinnvoll zu erfahren, dass man auch anders leben kann als in einer deutschen Kleinstadt.

Wir haben hier nur positive Erfahrungen gemacht. Das Wetter ist besser als in Deutschland, das macht auch das Arbeiten leichter. Und es ist wirklich angenehm, wie freundlich Amerikaner Neuankömmlingen gegenüber sind. Vor allem gefällt mir aber die positive Grundhaltung und die Offenheit. Gerade an deutschen Schulen heißt es ja oft 'Das geht nicht', das ist hier ganz anders. An unserer Schule wollen alle anpacken und den Laden voranbringen.

Unsere Schüler machen den deutschen und den amerikanischen Abschluss. Beide Systeme und Kulturen unter einen Hut zu kriegen, ist eine Herausforderung. Einige Familien sind nur vorübergehend hier und möchten, dass ihre Kinder nahtlos in Deutschland weitermachen können. Andere leben dauerhaft in Amerika und wollen ihre Kinder auf amerikanische Unis schicken. Manchmal ist das wie die Quadratur des Kreises. Es macht die Sache aber auch sehr interessant.

In Deutschland hatte ich immer den Eindruck, ein 'bunter Hund' zu sein, der raus in die Welt will. An einer Auslandsschule trifft man Kollegen, die ähnlich ticken, die nicht davon ausgehen, dass alles läuft wie zu Hause. Das wirkt sich positiv auf die Arbeit aus."

  • KarriereSPIEGEL-Autor Stefan Kesselhut ist freier Journalist in Berlin und Warschau.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. So eie Quatsch!
Niamey 15.07.2012
Zitat von sysopDDPBesseres Wetter, mehr pädagogische Freiheit oder einfach der Wunsch, noch mal rauszukommen: Für Lehrer gibt es viele Gründe, an einer deutschen Schule im Ausland zu unterrichten. In welches Land es geht, ist für die Auswanderer allerdings eine Überraschung. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/0,1518,842107,00.html
Da wird ein (Steuer-) Geld vor die Säue geschmissen, das ist unerträglich. Die meisten Schulen sind Begegnungsschulen. Eingeführt hat das die ehemalige Staatsministerin Hambrücher auf dem Buckel der Deutschen im Ausland um der Elite des jeiligen Landes die Möglichkeit zu geben ihrer Kinder ausserhalb des maroden lokalen Schlsystems unterrichten u lassen. Die Leidtragenden sind diejenigen deren Kinder einen rein deutschen Unterricht erwarten und genau das Gegenteil geliefert bekommen. Deren Kinder sind dann die Aneschmierten wenn sie wieder zurück ins deutsche System müssen und keine Ahnung von deutscher Geschichte, Ethik etc. haben und auch das Deutsche so schwachbist, dass sie eventuell ein Jahr wiederholen müssen. Wenn man dann ein höheres Leistungsniveau einfordert, sind Anfeindungen durch die lokalen Eltern vorprogrammiert. Diese sind es in diesen Ländern nämlich gewohnt ihre Kinderchen mit Beziehungen und Geld durch die Schule zu schleusen. Da kommt so eine Forderung nach mehr Einsatz und Leistung schlecht an. Worte wie: Was wollt ihr überhaupt hier?, Das ist unsere Schule!, Warum sollen unsere Kinder mehr deutschen Unericht haben?... sind noch das kleinere Übel! 10 Oberstufenlehrkräfte kosten im Ausland mindestens eine Million Euro pro jahr. Und die bezahlt unser Staat und nicht irgend ein Entwicklungs- oder Schwellenland! Diese Schulen gehören in der Form abgeschafft! Reine Expertenschulen, die nur für Kinder Deutscher zugänglich sind, sind notwendig! Alles andere ist Augenwischerei!
2. Bildung Made in Germany
satissa 15.07.2012
Was ist Bildung Made In Germany? Für mich ein grosses Chaos. Nach welchem Lehrplan wird denn da unterrichtet? Bayern, Bremen oder Mec-Pom? Solange wir es in D nicht schaffen, ein einheitliches Bildungssystem zu schaffen, gibt es auch keine Bildung Made In Germany.
3.
goodand 15.07.2012
Zitat von satissaWas ist Bildung Made In Germany? Für mich ein grosses Chaos. Nach welchem Lehrplan wird denn da unterrichtet? Bayern, Bremen oder Mec-Pom? Solange wir es in D nicht schaffen, ein einheitliches Bildungssystem zu schaffen, gibt es auch keine Bildung Made In Germany.
Ich meine mich erinnern zu können, dass der thüringische Lehrplan für die meisten deutschen Auslandsschulen die Referenz ist. Liegt wahrscheinlich bzgl. des Niveaus zwischen Bayern und Nordrhein-Westfalen (nicht despektierlich gemeint!). MfG, goodand
4.
Hans58 15.07.2012
Zitat von satissaWas ist Bildung Made In Germany? Für mich ein grosses Chaos. Nach welchem Lehrplan wird denn da unterrichtet? Bayern, Bremen oder Mec-Pom? Solange wir es in D nicht schaffen, ein einheitliches Bildungssystem zu schaffen, gibt es auch keine Bildung Made In Germany.
Die DSK in Kapstadt z.B. untersteht dem Kultusministerium in NRW. Das trifft auch für die deutschen Schulen zu, die unter der Hoheitsaufsicht des BMVg an Auslandsstandorten der Bundeswehr errichtet wurden (z.B. Alamogordo, NM, USA). P.S. Der Artikel impliziert, dass die entsandten Lehrer "Auswanderer" seien. Das stimmt nicht!
5.
Hans58 15.07.2012
Zitat von NiameyDa wird ein (Steuer-) Geld vor die Säue geschmissen, das ist unerträglich. Die meisten Schulen sind Begegnungsschulen. Eingeführt hat das die ehemalige Staatsministerin Hambrücher auf dem Buckel der Deutschen im Ausland um der Elite des jeiligen Landes die Möglichkeit zu geben ihrer Kinder ausserhalb des maroden lokalen Schlsystems unterrichten u lassen. Die Leidtragenden sind diejenigen deren Kinder einen rein deutschen Unterricht erwarten und genau das Gegenteil geliefert bekommen. Deren Kinder sind dann die Aneschmierten wenn sie wieder zurück ins deutsche System müssen und keine Ahnung von deutscher Geschichte, Ethik etc. haben und auch das Deutsche so schwachbist, dass sie eventuell ein Jahr wiederholen müssen. Wenn man dann ein höheres Leistungsniveau einfordert, sind Anfeindungen durch die lokalen Eltern vorprogrammiert. Diese sind es in diesen Ländern nämlich gewohnt ihre Kinderchen mit Beziehungen und Geld durch die Schule zu schleusen. Da kommt so eine Forderung nach mehr Einsatz und Leistung schlecht an. Worte wie: Was wollt ihr überhaupt hier?, Das ist unsere Schule!, Warum sollen unsere Kinder mehr deutschen Unericht haben?... sind noch das kleinere Übel! 10 Oberstufenlehrkräfte kosten im Ausland mindestens eine Million Euro pro jahr. Und die bezahlt unser Staat und nicht irgend ein Entwicklungs- oder Schwellenland! Diese Schulen gehören in der Form abgeschafft! Reine Expertenschulen, die nur für Kinder Deutscher zugänglich sind, sind notwendig! Alles andere ist Augenwischerei!
Das mit Hamm-Brücher (so lautet ihr Name übrigens) stimmt genauso wenig wie Ihr letzter Satz. Das beste Beispiel für den Zugang auch einheimischer Kinder finden Sie in Kapstadt an der DSK.
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    Angestellte oder verbeamtete Lehrkräfte können sich bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Köln als Auslandsdienstlehrkraft bewerben und sich für mehrere Jahre ins Ausland entsenden lassen. Das bisherige Gehalt wird zum größten Teil weitergezahlt. Je nach Einsatzort im Ausland gibt es vom deutschen Staat weitere Zulagen. Auch wen es gleich nach dem Referendariat, der Praxisphase nach dem Staatsexamen ins Ausland zieht, kann sich bei der ZfA bewerben und als Bundesprogrammlehrkraft an eine Auslandsschule gehen.

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