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Karriere in Litauen Frauenquote? Nicht nötig!

Jeder zweite Chef ist eine Chefin: Das Erfolgsgeheimnis von Litauen Fotos
Fremdenverkehrsamt Litauen

Eine Chefin mit 600 Angestellten und sechs Kindern? In Litauen wundert sich niemand über solche Zahlen. In dem kleinen Land ist fast jede zweite Führungsposition mit einer Frau besetzt. Und bei der Kinderbetreuung packen alle mit an.

Frauen sind zuverlässiger als Männer, sie sind ehrlicher und nutzen ihren Arbeitgeber nicht aus, davon ist Gražina Garuoliene, 50, überzeugt. Deshalb vergibt die Immobilienmaklerin aus Vilnius die Leitung ihrer Außenbüros am liebsten an Frauen.

Mit ihrer Einstellung ist die Litauerin nicht allein: 41 Prozent aller Führungspositionen des Landes sind in weiblicher Hand. Das ist EU-Rekord, hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Nur Lettland kann mit dieser Quote mithalten. Deutschland liegt mit einem Frauenanteil von 30 Prozent in den Führungsetagen im unteren Drittel des europäischen Ländervergleichs. Schlusslicht ist Zypern, dort sind nur 13 Prozent aller Chefposten mit Frauen besetzt.

Wie kommt es, dass ausgerechnet das kleine Litauen Spitzenreiter bei der Frauenförderung ist? Eine vorgeschriebene Quote gibt es in dem Land nicht. Maren Diale-Schellschmidt, Geschäftsführerin der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen, versucht es mit einer historischen Erklärung: "In der ehemaligen Sowjetunion war es selbstverständlich, dass Frauen arbeiten." Auch nach 20 Jahren Unabhängigkeit sähen nur wenige Litauerinnen ihre Rolle allein als Hausfrau und Mutter.

Dazu komme eine umfassende Kinderbetreuung: "Es gibt ausreichend Krippen und Kindergärten, in denen die Kinder ganztags betreut werden." Weniger als fünf Prozent der Litauerinnen verzichten aus familiären Gründen auf einen Job.

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Frauenquote: Was spricht dafür, was dagegen?
Garuoliene hat sich ihre Immobilienfirma vor zwölf Jahren selbst aufgebaut, mit "guten Beziehungen und sehr viel Mut und Zielstrebigkeit", wie sie sagt. Sie reiste durchs ganze Land, beschaffte sich Eigenkapital. Ihr Mann und ihre Söhne hätten sie dabei entlastet, erzählt sie.

Auch Žymante Jankauskiene, Leiterin der Fakultät für Gesundheitswesen an der Universität Vilnius, konnte immer auf die Unterstützung ihrer Familie zählen. Während sie erst Medizin und dann Jura studierte, kümmerten sich abwechselnd ihr Mann und ihre Mutter um Haushalt und Kinder. Die hohe Zahl von Litauerinnen im Management erklärt sie sich durch die gute Ausbildung und das Engagement der Frauen: "Die meisten streben aktiv eine Karriere an und suchen nach Führungspositionen."

Nur die Arbeit zählt

Das bestätigt Egidija Valcekauskiene, Geschäftsführerin einer Fleischwarenfabrik mit 600 Angestellten - und Mutter von sechs Kindern im Alter zwischen vier und 23 Jahren. "In Litauen werden berufstätige Frauen nach ihren Arbeitsergebnissen und ihren Fähigkeiten bewertet und respektiert", sagt sie. "Ich bin niemals dafür diskreditiert worden, dass ich eine Frau in einer Führungsposition bin."

Als sie ihren Mann kennenlernte, hatten beide eine eigene Firma. "Zu Beginn waren die Unternehmen getrennt, heute führen wir die Geschäfte gemeinsam", sagt sie. "Wir beraten uns und diskutieren über Geschäftsmodelle." Mehr als 80 Tonnen Fleisch produzieren sie mittlerweile pro Tag, für ihr Biolabel haben sie zahlreiche Auszeichnungen bekommen. Und jede freie Minute verbringen sie mit den sechs Kindern.

Ist das die schöne, neue Arbeitswelt, von der Europas Frauen träumen? Nicht ganz, meint Immobilienmaklerin Grazina Garuoliene: "In den Führungsetagen von Banken und Versicherungen, die international operieren, sind nur Männer anzutreffen." Der Frauenanteil liege dort bei drei Prozent.

Tatsächlich arbeiten die meisten litauischen Chefinnen im Einzelhandel. Aber: Auch in der Pharmabranche ist in Litauen schon jeder zweite Chefposten mit einer Frau besetzt. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass die drei Büros der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Tallinn, Riga und Vilnius jeweils von Frauen geführt werden. "Und zwar nicht aus Prinzip oder wegen Quotenregelungen", sagt Diale-Schellschmidt, "sondern schlicht wegen ihrer Qualifikation und Erfahrung."

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insgesamt 43 Beiträge
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    Seite 1    
1. Leistung über Quote?
atherom 19.06.2013
Vielleicht in Litauen, aber doch nicht hier.
2.
muellerthomas 19.06.2013
Zitat von sysopEine Chefin mit 600 Angestellten und sechs Kindern? In Litauen wundert sich niemand über solche Zahlen.
Über eine Frau mit sechs Kindern wunder sich in Litauen niemand? Seltsam, da die Kinderzahl je Frau praktisch genauso hoch liegt wie in Deutschland, also selbst drei Kinder eher die Ausnahme sein dürften und sechs Kinder sind sicher eine Rarität.
3. danke
schrumpel500 19.06.2013
für diesen knappen, prägnanten Artikel.
4. ... nutzen ihren Arbeitgeber nicht aus ...
zerr-spiegel 19.06.2013
Zitat von sysop..., sie sind ehrlicher und nutzen ihren Arbeitgeber nicht aus, ...
Schön, dafür werden sie sehr wahrscheinlich ausgenutzt. Ist aber bei uns auch nicht anders. Frauen in Chefetagen verdienen deswegen weniger als Männer, weil sie sich unter Wert verkaufen.
5.
Zorpheus 19.06.2013
Daran sollte sich Deutschland mal ein Beispiel nehmen. Das ist doch für alle besser so, wenn man den Frauen die Hindernisse für eine Karriere aus dem Weg räumt, und dadurch Gleichberechtigung schafft, als wenn man neue Hindernisse für die Männer aufbaut, indem man Frauenquoten einführt. Frauenquoten sind ein riesiger Fehler. Sie nehmen Männern die Motivation und führen dazu, dass Frauen nicht respektiert werden. Und für die Firmen erhöhen sie die Kosten, weil Arbeitsplätze nach Geschlecht statt nach Leistung besetzt werden müssen.
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