In Deutschland gehen kaum Bewerbungen aus den sogenannten PIIGS-Ländern (Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Spanien) ein. Lediglich größere Unternehmen sind attraktiv als potentieller Arbeitgeber für Ausländer.
Das geht aus einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo und der Leiharbeitsfirma Randstad hervor, deren Ergebnis dem KarriereSPIEGEL exklusiv vorliegt. Dazu wurden in deutschen Unternehmen rund tausend Führungskräfte befragt, die mit der Personalplanung betraut sind.
Die meisten der Unternehmen gaben an, keine Bewerbungen von Menschen aus den EU-Krisen-Ländern erhalten zu haben: Lediglich 21 Prozent der Personalleiter bekamen Bewerbungsmappen aus Spanien, gefolgt von Post aus Griechenland (15 Prozent), Italien (14 Prozent) und Portugal (14 Prozent). Nur acht Prozent der Teilnehmer registrierten irische Bewerber.
Keine Bemühungen um ausländische Bewerber
Das verwundert umso mehr, wenn man die aktuellen Arbeitslosenzahlen der PIIGS-Länder betrachtet: Griechenland und Spanien haben jeweils eine Arbeitslosenquote von derzeit etwa 27 Prozent, in Portugal sind gut 16 Prozent der Erwerbsfähigen ohne Arbeit, in Irland 14 und in Italien elf Prozent.
Ein Grund mag sein, dass viele deutsche Unternehmen im Ausland nicht bekannt sind: Knapp die Hälfte aller Kontakte zu spanischen Bewerbern hatten Betriebe, die 250 oder mehr Mitarbeiter beschäftigen. Am unbeliebtesten bei den Spaniern sind der Studie zufolge der Handel und kleine Betriebe mit bis zu 49 Mitarbeitern.
Zuwanderung liegt dennoch höher
Doch das bislang schleppende Interesse scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen: Nur ein Bruchteil der Firmen (4,3 Prozent) bestätigte, sich aktiv nach Bewerbern aus den PIIGS-Staaten zu bemühen. Dank dem europäische Bürgerrecht der Freizügigkeit können EU-Bürger jederzeit in einem anderen EU-Land leben, arbeiten und wohnen. Deshalb wählen viele wohl den direkten Weg und ziehen erst nach Deutschland, bevor sie sich bei Unternehmen bewerben: Die Zuwanderung nach Deutschland ist aktuell auf einem Rekordhoch. Im ersten Halbjahr 2012 zogen eine halbe Million Menschen in die Bundesrepublik - das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Vor dem heimischen Elend flüchten allem Griechen, Spanier und Portugiesen.
Die Umfrage wurde im Rahmen der vierteljährlichen Flexindex-Erhebung durchgeführt. Dabei möchten Ifo und Randstad wissen, wie sich der Einsatz von Instrumenten zur flexiblen Gestaltung von Arbeit entwickelt, zum Beispiel Überstunden, Arbeitszeitkonten, Fristverträge, Minijobs oder Zeitarbeit.
In der aktuellen Auswertung des ersten Quartals 2013 fiel auf, dass die größte Bedeutung aller Maßnahmen dabei das Arbeitszeitkonto hat. Arbeitszeitkonten gleichen unregelmäßige Arbeitszeiten aus, zum Beispiel bei Schichtarbeit, saisonaler Abweichung oder Gleitzeit. Bilanziert wird meist am Ende des Monats oder des Jahres, dann sollte idealerweise das Konto ausgeglichen sein.
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