Aus New York berichtet Christine Mattauch
Melanie Wurm etwa kam mit einem Stipendium in die USA, das vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) betreut wurde. Der Sachbearbeiter machte die junge Wissenschaftlerin gleich auf den GAIN-Newsletter aufmerksam. Dort fand sie einen Hinweis auf die European Career Fair in Boston, zu der sie hinflog, ausgestattet mit einem komfortablen Reisekostenzuschuss. Und sie besuchte die Jahrestagung von GAIN, wo sie von einer weiteren Organisation unter die Fittiche genommen wurde, der German Scholars Organization (GSO).
Die sorgte dafür, dass Wurms Bewerbungsunterlagen auf den richtigen Schreibtischen landeten. Wurm war angenehm überrascht: "Es ist schon toll, so eine Wertschätzung zu erfahren."
Während in den USA die Forschungsmittel gekürzt wurden, "ist in Deutschland das Gegenteil passiert", sagt Andrea Adam Moore, die in New York für die Freie Universität Berlin und die Ludwig-Maximilians-Universität München wirbt. Die Exzellenzinitiative hat Tausende Stellen geschaffen.
Etat für Forschungsgruppen: Spezielle Anreize für Heimkehrer
Heimkehrer profitieren darüber hinaus von speziellen Anreizen: Nordrhein-Westfalen etwa hat ein "Programm zur Förderung der Rückkehr des wissenschaftlichen Spitzennachwuchses aus dem Ausland" aufgelegt. Die Begünstigten können an einer NRW-Hochschule ihrer Wahl eine Forschungsgruppe aufbauen - ausgestattet mit 1,25 Millionen Euro. Das lockte beispielsweise den Nanophysiker Thomas Taubner von der Eliteuniversität Stanford zurück nach Aachen.
Der DAAD, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Stiftungen und Forschungsorganisationen bieten eine eindrucksvolle Palette von Rückkehrstipendien, Reisekostenzuschüssen und großzügigen Förderungen wie das Emmy-Noether-Programm für Post-Docs mit internationaler Forschungserfahrung. Und die Hochschulen überbieten sich mit Angeboten: Viele haben einen "Dual Career Service", der sich darum kümmert, dass auch der Lebenspartner eine Anstellung findet.
Heidelberg hat darüber hinaus ein "Welcome Centre" eingerichtet, dessen Service von der Wohnungssuche bis zur Suche nach einem Kindergartenplatz reicht. Duisburg-Essen fördert die Internationalität durch ein Prorektorat "Diversity Management", die Westfälische Wilhelms-Universität Münster hat sich als familiengerechte Hochschule zertifizieren lassen. Die FU Berlin wiederum wirbt mit einer speziellen Abteilung, die Forscher bei der Beantragung von Drittmitteln unterstützt.
Deutsche Gehälter als Makel
Nicht jeder lässt sich freilich locken. Der Ökonom Dirk Bergemann etwa, seit 1995 in Yale, kann sich eine Rückkehr nach wie vor nicht vorstellen, und das nicht nur, weil er in New Haven inzwischen Familie hat. "Es geht in Deutschland in die richtige Richtung, aber zu langsam", meint Bergemann.
In seinem Fach biete die alte Heimat immer noch zu schlechte Bedingungen - zu viele Junior- und zu wenige ordentliche Professuren, zu kleine und mittelmäßig besetzte Fakultäten. Und schließlich die deutschen Gehälter - "man müsste sie mit dem Faktor 1,5 bis 2 multiplizieren, damit sie international konkurrenzfähig sind".
Für Melanie Wurm hingegen sind nach zwei Jahren Seattle die Vorzüge des deutschen Systems erst richtig deutlich geworden - von der guten Labor-Infrastruktur über den geradlinigen Austausch mit Kollegen bis zur gesellschaftlichen Solidarität. Es stört sie, dass immer noch rund 50 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung besitzen. "Wir machen in Seattle zwar Spitzenforschung bei der Krebstherapie", sagt sie, "aber von den Ergebnissen profitiert nur eine Minderheit."
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema Karriere an der Uni - KarriereSPIEGEL | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH