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"Lunch Beat" Geh doch mal tanzen. In der Mittagspause

Mittagspausen-Party: Dance with Somebody Fotos
AFP

Feiern und arbeiten, das passt nicht zusammen? Passt doch! In Stockholm treffen sich Personaler, Bankangestellte und andere Büromenschen schon mittags zum Tanzen. Die wichtigsten "Lunch Beat"-Gebote: Quatsch nicht über deinen Job. Nach einer Stunde ist Schluss. Bis dahin: Tanze!

Ein Dienstag im Stockholmer Kulturhaus im Herzen der Stadt, über 300 Menschen tanzen zu den Rhythmen einer DJane. Es könnte sich um einen Club zur besten Partyzeit handeln. Die ist in den Metropolen ab ein Uhr nachts oder noch später. Aber wieso scheinen jetzt einige dünne Strahlen Tageslicht durch die Verdunklungsvorhänge? Weil es erst mittags ist.

Eva Björkman, 28, kaut an einem Sandwich und plaudert mit Kollegen, bevor sie sich wieder ins Gewühl auf der Tanzfläche stürzt. Sie rockt auf einem "Lunch Beat", einem Tanzevent in der Mittagspause. Seit die Projektentwicklerin Molly Ränge, 28, die ersten Partys organisierte, hat die Bewegung Schweden im Sturm erobert.

Mit 14 Gleichgesinnten in einer Garage "irgendwo unter Stockholm" fing Molly Ränge klein an, am 15. Juni 2010. "Ich arbeite sehr gern und gehe sehr gern tanzen, aber ich war frustriert, dass meine beiden Leidenschaften nicht immer kompatibel waren", sagt sie. "Also dachte ich, das könnte man doch kombinieren." Bis dahin gab es allenfalls "After Work Clubs", bei denen Schlipsträger und Kostumträgerinnen in den Feierabend hineintanzten. Die große "After Work"-Zeit war aber vor gut zehn Jahren. Und schon mittags zu tanzen, schien so abwegig, dass niemand es ernsthaft probiert hat.

Von der Garage in den Palast

Das hat sich in Schweden gründlich geändert. Bisher laufen die Tanzevents etwa einmal im Monat und meist im Stockholmer Kulturhaus. Allmählich sollen sie dann in wechselnden Locations steigen. Am 24. Januar ist beispielsweise ein "Lunch Beat" in einem Museum im Keller des Königspalastes geplant; bei "The Castle Cult Session" ist Platz für nur 100 Gäste. Ränge lacht: "Von der Garage in den Palast - das gefällt mir."

Inzwischen gibt es die Tanztreffs in etwa zehn weiteren schwedischen Städten. Ein Lunch Beat lief im serbischen Belgrad, ein weiterer ist in Bogotá in Kolumbien geplant. "Ich wollte die Idee nicht urheberrechtlich schützen lassen, weil sie der Philosophie des Teilens entsprang", sagt Ränge. Im Dezember 2011 wählte das Karrierenetzwerk Shortcut sie zur Nummer zwei unter den Menschen, die Schweden zu einem bunteren Ort machen und eine wichtige Rolle in der Zukunft spielen könnten.

Molly Ränge möchte, dass "überall solche Veranstaltungen entstehen". Jeder kann also einen Mittagspausen-Tanz organisieren - solange er sich an das Manifest auf der Lunchbeat-Webseite hält. Die zehn Gebote:

  • Wenn du das erste Mal dabei bist, musst du tanzen.
  • Wenn du das zweite, dritte oder vierte Mal dabei bist, musst du tanzen.
  • Wenn du zu müde wirst, um beim Lunch Beat zu tanzen, dann geh bitte zum Essen woanders hin.
  • Sprich beim Lunch Beat nicht über deinen Job.
  • Beim Lunch Beat ist jeder Anwesende dein Tanzpartner.
  • Kein Lunch Beat dauert länger als 60 Minuten; immer zur Mittagszeit.
  • Bei jedem Lunch Beat gibt es einen DJ und ein Mittagessen.
  • Wasser gibt es umsonst.
  • Suchtstoffe sind unerwünscht.
  • Jeder kann überall einen Lunch Beat veranstalten, sofern es als öffentliches Event angekündigt und nichtkommerziell ist sowie dieses Manifest gilt.

Wenn sich im Stockholmer Kulturhaus um zwölf Uhr mittags die Türen öffnen, strömen Menschen jeden Alters und Berufes herein, kaufen ein Elf-Euro-Ticket und stürzen sich auf eine Theke mit Bananen, Wasserkrügen und Plastikbechern. Das Mittagessen: heute ein mit gebratenem Gemüse gefülltes Sauerteigbaguette.

"Ich trage meinen Schweiß wie einen Orden"

Zum House-Mix der DJane Nadja Chatti hüpfen Geschäftsmänner im Anzug neben Ballettschülern, Rentnern und sogar ein paar Kindern. "Das macht echt Spaß", ruft die Personalagentin Björkman, während bunte Lichtperlen der Discokugel über glückliche Gesichter flackern. "Es ist einfach großartig, vom Computer wegzukommen und mitten am Tag tanzen zu gehen."

Auch der Mittfünfziger Björn Erik ist begeistert: "Das ist so ein tolles Konzept", sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Seine Frau pflichtet ihm bei: "Wir gehen so gerne tanzen! Endlich können wir das am Tag machen. Sonst sind wir schon im Bett, wenn die Clubs nachts in Schwung kommen." Ob es ihn nicht stört, schweißgebadet ins Büro zurückzukommen? "Nein, meinen Schweiß trage ich wie einen Orden", sagt der Wirtschaftsberater.

Der blonde Bankangestellte Anders Rasmussen ist bereits zum vierten Mal hier: "Ich gehe abends viel aus, aber am Tag ist es anders. Keiner ist betrunken, danach kann man wieder weiterarbeiten. Ich glaube, danach arbeite ich besser."

"Lunch Beat" - erste Veranstaltung, 15. Juni 2010 in Stockholm

AFP/jol

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