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Einsatz in der Antarktis Weißeln im ewigen Eis

Handwerker am Südpol: Markus Kupka vor einer Kolonie Pinguine in der Antarktis Zur Großansicht
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Handwerker am Südpol: Markus Kupka vor einer Kolonie Pinguine in der Antarktis

Sie streichen in der Antarktis die Wände einer indischen Forschungsstation: Zwei Maler aus dem Münsterland suchten das Abenteuer - und fanden eisigen antarktischen Sommer, brütende Pinguine und Sonnenschein in der Silvesternacht.

Markus Kupka, 29, und Stefan Sikora, 49, sind Maler. Normal arbeiten sie bodenständig in ihrer nordrhein-westfälischen Heimat Bocholt. Als aber ein ungewöhnlicher Auftrag kam, packte sie die Abenteuerlust: Kupka und Sikora helfen nun als Maler beim Aufbau einer Forschungsstation für die indische Regierung - im ewigen Eis.

Für Kupka ist es bereits die zweite Saison in derAntarktis. Seit 2011 bauen deutsche Firmen und kleinere Subunternehmer für die indische Regierung die Forschungsstation Bharati. Die liegt auf den Larsemann Hills an der Ostküste. Beim zweiten Trip im Dezember 2012 ging auch Sikora mit in den kalten Süden, wo es im Winter bis zu minus 70 Grad kalt werden kann.

Momentan ist jedoch auf der Südhalbkugel der Erde Sommer. Jetzt im Januar liegen die Temperaturen immer noch bei lauschigen 30 Grad minus. Da posieren die beiden auch schon mal im T-Shirt vor der Kamera. Die Verwandtschaft im fernen Bocholt soll sich ruhig wundern.

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Das Wetter in der Antarktis ist für die beiden das kleinere Problem. Schwieriger wird es bei der Freizeitgestaltung: "Wir arbeiten von 7 bis 19 Uhr und haben zwischendurch zwei Stunden Pause", sagt Stefan Sikora. Viele Aktivitäten in der Freizeit seien da nicht möglich. Und wenn, dürfen die Männer das Camp nur in Absprache und mit ausdrücklicher Abmeldung verlassen. "Mit dem Hubschrauber ging es einmal zu einer Brutkolonie von Pinguinen. Das war schon faszinierend", erzählt Sikora.

Kein Ort der Erde hat ein raueres Klima als die Antarktis. Mit rund 14 Millionen Quadratkilometern Fläche ist der zu 98 Prozent von Eis bedeckte Antarktische Kontinent größer als Europa. Das Eis ist stellenweise mehr als vier Kilometer dick. Darüber toben oft Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 200 bis manchmal sogar 300 Stundenkilometern. Der Kälterekord wurde im September 1983 mit minus 89,2 Grad gemessen.

Die Inder luden zur Silvesterparty

Beide Männer hat es aus Abenteuer-Lust an diesen ungewöhnlichen Arbeitsplatz verschlagen. Über mehrere Ecken landete der Auftrag bei Sikoras Bruder Albrecht, der in Bocholt einen Malerbetrieb hat. "Diese Gelegenheit konnten wir uns nicht entgehen lassen. Wann hat man sonst die Chance, in die Antarktis zu reisen?", erklärt Sikora. Der Witwer hat sich im vergangenen Jahr neu verliebt. Seine Freundin war nicht ganz so begeistert, Weihnachten und Silvester ohne ihn im Münsterland verbringen zu müssen. Vom Einsatz im ewigen Eis hielt ihn das nicht ab.

Die beiden Münsterländer feierten trotzdem in großer Runde. Die indischen Gastgeber hatten zur Silvesterparty geladen. "Es war sehr ungewöhnlich, denn um Mitternacht war es taghell", sagt Sikora.

Die Rückkehr von Kupka und Sikora ist für Ende Januar geplant. Dann beginnt auch die Sonne wieder, für kurze Zeit unterzugehen. Es könnte aber sein, dass die beiden noch etwas länger im Eis festsitzen. Zwischen Kapstadt und der Antarktis transportieren zwei Propeller-Maschinen die Arbeiter hin und her. Bei einer Landung in einer Schneeverwehung ist eine der Maschinen beschädigt worden. Das bringt jetzt die Planung durcheinander, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichen.

Sollte die Rückreise über den Luftweg gar nicht möglich sein, bleibt nur noch die Reise auf dem Wasser als Alternative: Das Schiff braucht allerdings bis Kapstadt vier bis fünf Wochen. Falls die beiden Maler diese Abenteuer-Fahrt antreten müssen, können sie sich zurücklehnen: Sie werden auch für diese Zeit bezahlt.

Carsten Linnhoff/dpa/mia

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insgesamt 1 Beitrag
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1. Irrsinn
sabaidii 20.01.2013
Leider sind die meisten Forschungsstationen in der Antarktis nur dazu da, die jeweiligen territorialen ansprüche der Anrainerstaaten durch Anwesenheit zu unterstreichen und sind auch die einzige Möglichkeit dazu so lange der Konsens zu keiner direkten Besiedlung noch respektiert wird. Geld spielt daher keine Rolle, offenbar auch nicht für ein Land in dem immer noch Millionen in unvorstellbarer Armut und buchstäblich im ebenfalls unvorstellbaren Dreck leben. Trotzdem setzt es in dem ganzen dann noch die Krone auf, Maler aus Deutschland einfliegen zu lassen als ob das nicht ein Inder für drei Rupien auch könnte. Ist das ganze Projekt vielleicht auch noch von der Bundesregierung als Entwicklungshilfe finanziert?
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