Von Bärbel Schwertfeger
Die Kuh lässt sich vom Hupen der Mopeds nicht stören. Seelenruhig trottet sie durch die engen Gassen. Vor einer winzigen Schneiderei diskutiert lautstark eine Gruppe junger Männer, daneben schlafen zwei Kinder auf einfachen Holzbetten. Die Hitze treibt die Menschen aus ihren Häusern. Ein Spaziergang durch die Altstadt Ahmedabads gleicht einer Zeitreise in die Vergangenheit. Dabei ist die Hauptstadt des westindischen Bundesstaats Gujarat längst eine wichtige Wirtschaftsmetropole.
So wichtig, dass deutsche MBA-Schulen ihre Studenten dorthin schicken. So verbrachte Volker Harbrecht, 32, während seines MBA-Studiums an der HHL Leipzig Graduate School of Management dreieinhalb Monate in Ahmedabad. Das dortige Indian Institute of Management gilt als eine der besten Managerschulen Indiens.
"Das war schon eine sehr intensive Erfahrung", erzählt der Architekt, der heute die Geschäftsentwicklung bei Ebay Kleinanzeigen in Deutschland verantwortet. Einerseits das Eliteprogramm an der Schule: "Mein Zimmernachbar hat sich nachts alle zwei Stunden den Wecker gestellt, damit er weiterlernen kann." Andererseits das traditionelle Indien - und die indische Bürokratie. Als er sich - wie es für Ausländer Pflicht ist - bei der Polizei registrieren wollte, wartete er einen ganzen Tag im Polizeiamt. Dann hieß es einfach, er solle am nächsten Tag wiederkommen. Widerspruch zwecklos.
Das Prestige der IIMs in Indien ist enorm. Wer hier studiert hat, braucht sich um seine Karriere keine Sorgen zu machen. Legendär sind dabei die strengen Auswahlkriterien. In Ahmedabad gab es im vergangenen Jahr 173.886 Bewerber auf 381 Studienplätze. Weniger als 0,25 Prozent wurden zugelassen. Zum Vergleich: Bei der US-Schule mit der strengsten Auswahl - der Stanford Graduate School of Business - werden knapp sechs Prozent zugelassen.
MBA studieren Inder meist unter sich
Aufgrund der strengen Zulassung findet man unter den IIM-Studenten so gut wie keine Ausländer - außer sie kommen über Austauschprogramme wie Harbrecht. Wer also von Deutschland aus eine Indien-Erfahrung zusammen mit einem MBA machen möchte, sollte sich am besten bei den internationalen Schulen umhören.
Zusammen bieten die 13 IIMs gerade mal rund 3000 Studienplätze an - nicht viel in einem Land mit 1,2 Milliarden Einwohnern. Zwar gibt es viel mehr Managerschulen, laut Schätzungen des Experten Mahesh Sarma sind 3600 davon staatlich anerkannt. Aber nur etwa 500 bis 600 Managerschulen erfüllen die elementaren Voraussetzungen wie eine adäquate Infrastruktur, gute Professoren und Unternehmenskontakte. Für Direktor Barua sind sogar nur 20 bis 25 "richtig gut". Dazu gehört neben den IIMs auch die Indian School of Business (ISB) in Hyderabad, die mit Hilfe der beiden US-Schulen Wharton und der Kellogg School of Management aufgebaut wurde.
Die Nachfrage nach exzellenter Managerausbildung in Indien würden auch internationale Business Schools gern befriedigen. Doch bisher dürfen sie nur mit einem indischen Partner im Land aktiv werden. Seit Jahren soll daher eine Foreign Universities Bill im Parlament verabschiedet werden, die die Eintrittsbedingungen für ausländische Universitäten regelt. Doch bisher passiert nichts. IIMA-Direktor Barua glaubt auch nicht, dass das Gesetz in Kraft tritt. Schließlich sind die derzeitigen Profiteure nicht interessiert daran, sich Konkurrenten ins Land zu holen: Etliche Betreiber indischer Managementschulen sind selbst Politiker.
Indien-Module immer beliebter
Bereits heute gehört ein Indien-Modul, bei dem MBA-Studenten einige Zeit in Indien verbringen, bei vielen Business Schools zum Standard. Schließlich wird das Land für die globale Wirtschaft immer wichtiger, sei es durch die Zusammenarbeit mit indischen Firmen oder die Erschließung neuer Absatzmärkte.
So verbrachte auch Florian Hundhausen bei seinem MBA-Studium an der WHU Otto Beisheim School of Management zwei Wochen am IIM in Bangalore. "Indien fordert dich persönlich heraus", erzählt er. "Der chaotische Verkehr, die ständigen Stromausfälle, die bittere Armut - damit musst du erst mal zurechtkommen." Respekt hat ihm aber der unbändige Erfolgswille eingeflößt, mit dem sich das Land trotz aller widrigen Umstände vorkämpft.
Den spürt der 32-Jährige auch bei seinem Arbeitgeber. Seit drei Jahren arbeitet der Wirtschaftsingenieur für das indische Unternehmen Tata Consultancy Services in Frankfurt.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
| alles zum Thema MBA - KarriereSPIEGEL | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH