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MBA-Abstecher nach Indien Büffeln zwischen heiligen Kühen

Business School in Indien: Studieren in zwei Welten Fotos
Bärbel Schwertfeger

Ein MBA an den üblichen US-Elite-Klitschen - das kann fast jeder. Wie wär's dagegen mit Indien? Wählt man die richtige Business School, ist die Ausbildung ebenso ambitioniert. Und die Erfahrungen im bitterarmen indischen Hinterland bewahren manche Absolventen davor abzuheben.

Die Kuh lässt sich vom Hupen der Mopeds nicht stören. Seelenruhig trottet sie durch die engen Gassen. Vor einer winzigen Schneiderei diskutiert lautstark eine Gruppe junger Männer, daneben schlafen zwei Kinder auf einfachen Holzbetten. Die Hitze treibt die Menschen aus ihren Häusern. Ein Spaziergang durch die Altstadt Ahmedabads gleicht einer Zeitreise in die Vergangenheit. Dabei ist die Hauptstadt des westindischen Bundesstaats Gujarat längst eine wichtige Wirtschaftsmetropole.

So wichtig, dass deutsche MBA-Schulen ihre Studenten dorthin schicken. So verbrachte Volker Harbrecht, 32, während seines MBA-Studiums an der HHL Leipzig Graduate School of Management dreieinhalb Monate in Ahmedabad. Das dortige Indian Institute of Management gilt als eine der besten Managerschulen Indiens.

"Das war schon eine sehr intensive Erfahrung", erzählt der Architekt, der heute die Geschäftsentwicklung bei Ebay Kleinanzeigen in Deutschland verantwortet. Einerseits das Eliteprogramm an der Schule: "Mein Zimmernachbar hat sich nachts alle zwei Stunden den Wecker gestellt, damit er weiterlernen kann." Andererseits das traditionelle Indien - und die indische Bürokratie. Als er sich - wie es für Ausländer Pflicht ist - bei der Polizei registrieren wollte, wartete er einen ganzen Tag im Polizeiamt. Dann hieß es einfach, er solle am nächsten Tag wiederkommen. Widerspruch zwecklos.

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MBA-Programme: Die neuen Trends
Die Managerschule Ahmedabad wurde 1961 gegründet und ist ein "Institut von nationaler Bedeutung" (IIM). Diese insgesamt 13 IIMs in Indien sind keine Universitäten und dürfen daher keine akademischen Abschlüsse wie den MBA vergeben. Ihr Flaggschiff-Programm ist das zweijährige Postgraduate Programme in Management (PGP), das mit einem Postgraduate Diploma abschließt. Die Studiengebühren in Ahmedabad liegen bei rund 22.000 Euro, für Bedürftige gibt es Stipendien.

Das Prestige der IIMs in Indien ist enorm. Wer hier studiert hat, braucht sich um seine Karriere keine Sorgen zu machen. Legendär sind dabei die strengen Auswahlkriterien. In Ahmedabad gab es im vergangenen Jahr 173.886 Bewerber auf 381 Studienplätze. Weniger als 0,25 Prozent wurden zugelassen. Zum Vergleich: Bei der US-Schule mit der strengsten Auswahl - der Stanford Graduate School of Business - werden knapp sechs Prozent zugelassen.

MBA studieren Inder meist unter sich

Aufgrund der strengen Zulassung findet man unter den IIM-Studenten so gut wie keine Ausländer - außer sie kommen über Austauschprogramme wie Harbrecht. Wer also von Deutschland aus eine Indien-Erfahrung zusammen mit einem MBA machen möchte, sollte sich am besten bei den internationalen Schulen umhören.

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Die Inder selbst müssen den Common Admission Test (CAT) absolvieren und dabei so gut abschneiden, dass das einem Punktwert von etwa 740 im GMAT entspricht, dem weltweiten Zulassungstest an MBA-Schulen. "Mit einem so guten GMAT-Ergebnis bekommt ein Ausländer auch eine Zulassung bei den besten US-Schulen", sagt Samir K. Barua, Direktor in Ahmedabad. "Warum soll er da zu uns kommen?"

Zusammen bieten die 13 IIMs gerade mal rund 3000 Studienplätze an - nicht viel in einem Land mit 1,2 Milliarden Einwohnern. Zwar gibt es viel mehr Managerschulen, laut Schätzungen des Experten Mahesh Sarma sind 3600 davon staatlich anerkannt. Aber nur etwa 500 bis 600 Managerschulen erfüllen die elementaren Voraussetzungen wie eine adäquate Infrastruktur, gute Professoren und Unternehmenskontakte. Für Direktor Barua sind sogar nur 20 bis 25 "richtig gut". Dazu gehört neben den IIMs auch die Indian School of Business (ISB) in Hyderabad, die mit Hilfe der beiden US-Schulen Wharton und der Kellogg School of Management aufgebaut wurde.

Die Nachfrage nach exzellenter Managerausbildung in Indien würden auch internationale Business Schools gern befriedigen. Doch bisher dürfen sie nur mit einem indischen Partner im Land aktiv werden. Seit Jahren soll daher eine Foreign Universities Bill im Parlament verabschiedet werden, die die Eintrittsbedingungen für ausländische Universitäten regelt. Doch bisher passiert nichts. IIMA-Direktor Barua glaubt auch nicht, dass das Gesetz in Kraft tritt. Schließlich sind die derzeitigen Profiteure nicht interessiert daran, sich Konkurrenten ins Land zu holen: Etliche Betreiber indischer Managementschulen sind selbst Politiker.

Indien-Module immer beliebter

Bereits heute gehört ein Indien-Modul, bei dem MBA-Studenten einige Zeit in Indien verbringen, bei vielen Business Schools zum Standard. Schließlich wird das Land für die globale Wirtschaft immer wichtiger, sei es durch die Zusammenarbeit mit indischen Firmen oder die Erschließung neuer Absatzmärkte.

So verbrachte auch Florian Hundhausen bei seinem MBA-Studium an der WHU Otto Beisheim School of Management zwei Wochen am IIM in Bangalore. "Indien fordert dich persönlich heraus", erzählt er. "Der chaotische Verkehr, die ständigen Stromausfälle, die bittere Armut - damit musst du erst mal zurechtkommen." Respekt hat ihm aber der unbändige Erfolgswille eingeflößt, mit dem sich das Land trotz aller widrigen Umstände vorkämpft.

Den spürt der 32-Jährige auch bei seinem Arbeitgeber. Seit drei Jahren arbeitet der Wirtschaftsingenieur für das indische Unternehmen Tata Consultancy Services in Frankfurt.

  • Helga Kaindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München. Sie schreibt seit 20 Jahren über das Thema MBA und betreibt das Blog "Schwertfeger-MBA-Channel".

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insgesamt 9 Beiträge
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1.
wottpal 25.04.2013
Beschwert sich in Bangalore über Verkehr und Stromanbindung :D Beides dort sehr angenehm verglichen mit anderen Orten Indiens.
2. Spitzenmanager !
postmaterialist2011 25.04.2013
Zitat von wottpalBeschwert sich in Bangalore über Verkehr und Stromanbindung :D Beides dort sehr angenehm verglichen mit anderen Orten Indiens.
Habe ich mir beim Lesen auch gedacht. Der gute Mann war zwei (!) Wochen in Bangalore, einer der grünsten, internationalsten und lebenswertesten Städte in Indien und beschwert sich dann. Ich rate ihm einmal 1 Jahr oder länger in Delhi zu leben, oder sich gar in Agra niederzulassen, dann wird er dem echten Indien ein gutes Stück näher kommen, aber nicht nach 14 Tagen Spass in Bangalore.
3.
Koolau 25.04.2013
ich kann verstehen, dass er einen Kulturschock hatte (auch wenn zwei wochen natürlich ein witz sind), selbst wenn es sich "nur" um Bangalore handelte. Wobei def Verkehr dort sogar bei Einheimischen berüchtigt ist...
4. Leute - lest doch mal richtig...
Steppke_R 25.04.2013
... der gute Mann war nicht nur 2 Wochen in Bangalore, sondern immerhin 3 1/2 Monate in Ahmedabad. Auch wer immer auf der Hatz nach dem schnellsten Posting ist, sollte die Beiträge besser auch lesen... Ansonsten ein interessanter Beitrag. Ich bin selbst seit zwei, drei Jahren immer wieder geschäftlich zwischen Bangalore, Pune und Delhi unterwegs und hänge öfters ein paar private Reisetage dran. Was man da (insbesondere zu Fuß oder per Bahn/Bus) sieht, läßt einem manches hierzulande als "Problem" Diskutiertes als reines Luxusproblem erscheinen. Was ich wirklich empfehle, ist ein Besuch der ländlichen Regionen - die Freundlichkeit der Leute ist bemerkenswert, und der Kontrast zu den (Geschäfts-/MBA-)Glitzerwelten gigantisch ... Und touristisch haben Regionen wie Rajasthan und die Naturparks südlich von Bangalore auch wirklich einiges zu bieten !
5.
thebo 25.04.2013
Zitat von sysopAls er sich - wie es für Ausländer Pflicht ist - bei der Polizei registrieren wollte, wartete er einen ganzen Tag im Polizeiamt. Dann hieß es einfach, er solle am nächsten Tag wiederkommen. Widerspruch zwecklos. MBA in Indien - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/ausland/mba-in-indien-a-896248.html)
Der Herr ist für 3,5 Monate in Indien und registriert sich bei der Polizei... ein Vorgang der nötig ist, wenn man ein Visum hat, das für länger als 180 Tage gültig ist. Entweder hat die heimische Uni geschlampt und ihm ein längeres Visum verpasst, oder er hatte nach "nur" 3,5 Monaten aufgegeben.
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