• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Mariachis in Mexiko Ausbildung zum Straßenmusiker

Mexikanische Mariachis: Das Geld liegt auf der Straße Fotos
AFP

Für Mariachis liegt das Geld auf der Straße. Weltweit spielen die mexikanischen Musiker in Restaurants, Einkaufsstraßen oder Parks - und kommen damit ganz gut über die Runden. Eine Schule in Mexiko-Stadt bietet jetzt eine einjährige Ausbildung an.

Sie klimpern, tröten und singen - in New York genauso wie in Tokio oder Rom. Mit ihren üppig geschmückten Anzügen und den großen Sombreros gelten Mariachis weltweit als Inbegriff der fröhlichen Straßenmusiker. Immer gut drauf, immer mit vollem Einsatz. Doch was so spielerisch aussieht, ist harte Arbeit und erfordert jahrelange Übung.

Traditionell lernen die Kinder das Spielen der Instrumente von ihren Vätern, Opas oder Onkeln. Doch die Professionalisierung der Berufe hat auch die Straßenmusiker erreicht: In Mexiko-Stadt ist gerade die erste Mariachi-Schule eingeweiht worden. Ein Jahr dauert die Ausbildung an der Escuela de Mariachi Ollín Yoliztli. Für den ersten Jahrgang haben sich 100 Schüler im Alter zwischen 18 und 35 Jahren angemeldet.

Wie an einem klassischen Konservatorium lernen die angehenden Mariachi verschiedene Instrumente und belegen Kurse in Komposition. Auf dem Kursplan stehen aber auch Auftritte auf der Straße. "Unsere Schüler spielen mit Musikern, die ihre Kunst noch durch Zuhören und Nachahmen erlernt haben", sagt Schuldirektorin Leticia Soto.

Fotostrecke

9  Bilder
Filmemacher in Mexiko: Kung-Fu und Tequila

Mit der neuen Schule trage man dem derzeitigen Interesse an der Mariachi-Musik in der ganzen Welt Rechnung, sagt die örtliche Kultusministerin Lucía García Noriega: "Es war ein Alarmsignal für uns, dass es im Ausland bereits Mariachi-Schulen gibt, aber bis jetzt keine in Mexiko."

Allein in den USA werden schätzungsweise in rund 300 Schulen und Kulturzentren Musiker zu Mariachis ausgebildet. In Japan und Kolumbien sind die Bands besonders populär, auch in Frankreich, Italien und Kroatien gibt es bereits Ensembles.

Unesco-Weltkulturerbe seit 2011

Mariachi ist kein eigener Musikstil, sondern steht für die Formation der Gruppe aus mindestens vier Musikern und eine typische Instrumentierung mit Gitarren, Geigen, Trompeten und dem mexikanischen Saiteninstrument Vihuela. Die ersten Gruppen entstanden im 19. Jahrhundert im Westen Mexikos. 2011 nahm die Unesco den Mariachi in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes auf.

Klassischerweise spielen die mexikanischen Straßenmusiker Polka, Walzer oder Corridos, traditionelle Balladen, die von der Liebe, dem Krieg und dem Leben auf dem Land erzählen. Mittlerweile nehmen sie auch Stücke aus anderen Genres wie Rancheras und Cumbia in ihr Repertoire auf.

Die Ensembles spielen bei Hochzeiten und Geburtstagen, Trauerfeiern und an den Wochenenden vor Restaurants und auf belebten Plätzen. "Mariachi gehört auf die Straße. Er ist nicht für ein bestimmtes Publikum, er ist für alle", sagt der 79-jährige Gitarrist Rigoberto Alfaro, der in New York Mariachi-Klassen gibt. "Deshalb ist er in der ganzen Welt so bekannt."

Juan Manuel Badillo/Denis Düttmann/dpa/vet

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Mariachis und Kater Morris an die Macht !
spejismo 16.06.2013
Zitat von sysopDPAFür Mariachis liegt das Geld auf der Straße. Weltweit spielen die mexikanischen Musiker in Restaurants, Einkaufsstraßen oder Parks - und kommen damit ganz gut über die Runden. Eine Schule in Mexiko-Stadt bietet jetzt eine einjährige Ausbildung an. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/mexikanische-mariachis-machen-ausbildung-zum-strassenmusiker-a-905823.html
Tolle Idee!!! Die Musik ist sehr fröhlich, sehr lebendig und sehr mexikanisch. Es muss nicht nur "Salsa" sein, was aus Lateinamerika kommt. Die Mariachis sind für Mexico so charakteristisch wie ihren Tequila. Und wenn der Kater Morris die Wahlen gewinnt, hat Mexico noch viel mehr zu feiern. Suerte!
2.
Blaue Fee 16.06.2013
Strassenmusiker im eigentlichen Sinne sind die Mariachis nicht, eher Bands einer bestimmten Musikrichtung, die man für verschiedene Anlässe engagiert und die auch im Telefonbuch stehen können - oder an der Reforma in der Nähe der Plaza Garibaldi (das Herz der Mariachimusik) für ein Ständchen angeheuert werden. Ein Paket von drei Liedern kann da zwischen 10 und 40 Euros kosten, je nachdem wie bekannt die Band ist und wieviele Musiker dazugehören. Das Ollin Yolitzli ist DAS grosse Kulturzentrum der Hauptstadt und Sitz der Philharmonie. Es lässt also erwarten, dass die Musiker dort eine klassische Ausbildung bekommen werden.
3.
Blaue Fee 16.06.2013
Zitat von spejismoTolle Idee!!! Die Musik ist sehr fröhlich, sehr lebendig und sehr mexikanisch. Es muss nicht nur "Salsa" sein, was aus Lateinamerika kommt. Die Mariachis sind für Mexico so charakteristisch wie ihren Tequila. Und wenn der Kater Morris die Wahlen gewinnt, hat Mexico noch viel mehr zu feiern. Suerte!
Nun, als besonders fröhlich würde ich die Mariachis nicht bezeichnen, die meisten Lieder handeln von der verlorenen Liebe durch Untreue und dem darauffolgenden Absturz in den Alkohol, von Trotz (Y sigo siendo el rey), von Morden aus Leidenschaft (El perro negro) und Rivalität zwischen Männern. Aber sie sind das mexikanische Liedgut par excellence.
4. Ausbildung
Munku 16.06.2013
Eine Musikausbildung in 12 Monaten ? Wie soll das gehen ? In der Zeit lernt man gerade mal eine Handvoll Songs aus dem entsprechenden Genre - wenn man schon Musiker auf einem verwandten Instrument ist. Von Null geht da in 12 Monaten sicherlich nichts.
5. Vergewaltigung
glasperlenspieler 16.06.2013
Das Geklampfe vor Restaurant und auf öffentlichen Plätzen ist für mich eine Vergewaltigung meiner Ohren. Da wird eine einjährige Ausbildung auch nichts helfen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Arbeiten im Ausland - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Kirchenmusiker: Mehr als nur Orgeln
Verwandte Themen

Fotostrecke
Patchwork-Beruf Opernsängerin: Überleben mit Musik


Social Networks