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Mittagspause in Pretoria Essen in getrennten Welten

Mittagspause in Südafrika: Essen in getrennten Welten Fotos
Benjamin Dürr

Die einen legen sich an den Swimmingpool, die anderen setzen sich kurz auf einen Baumstamm: Wohl in kaum einem Land sehen die Mittagspausen so unterschiedlich aus wie in Südafrika. Denn auch nach dem Ende der Apartheid ist die Arbeitswelt noch geteilt.

Für William Ntukge beginnt die Mittagspause heute um zwei Uhr nachts. Dann ist es ruhig, und der Tee kann durchziehen. Er steht an der Schranke, hinter ihm ein Holzhäuschen als Unterstand und ein Gartenstuhl mit Zeitungen darauf. Zwölf Stunden ist er hier, immer von sechs bis sechs. Drei Tage tagsüber, drei Tage nachts, dann hat er drei Tage frei.

William Ntukge, Anfang dreißig, ist Wärter eines Wohnviertels und einer Parkanlage in Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas. Er arbeitet für eine Sicherheitsfirma und drückt mit seinen Armen die Schranke auf für Fußgänger und Autofahrer. Bei den Autos kontrolliert er auch die Kofferräume. Eine feste Pause habe er nicht während seiner Zwölf-Stunden-Schicht, sagt er. Schließlich könne immer jemand hinein- oder hinauswollen.

Wohl in wenigen Ländern ist die Arbeits- und Lebenswelt so geteilt wie in Südafrika. Während vor allem Schwarze einfache, körperlich anstrengende Arbeiten erledigen, sitzen weiße Südafrikaner in Büros, Banken und Behörden. Entsprechend unterschiedlich sehen die Mittagspausen aus.

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Eine Kantine kennt Ntukge nicht. Der Sicherheitsmann aus Pretoria bringt sein Essen für seine Schicht von zu Hause mit: Meistens ein paar Scheiben Brot in einer Plastiktüte und einen selbstgemachten Aufstrich aus Tomaten oder Spinat, manchmal auch ein kaltes Gericht aus Reis oder Kartoffeln mit ein bisschen Gemüse, das er mit der Hand essen kann. Wasser hat er in einer Plastikflasche dabei, die er tagsüber in den Schatten des Häuschens stellt. Wenn er die Nachtschicht übernimmt, kocht er sich gerne einen Tee. Der hilft gegen die Kälte.

Laut Gesetz stehen Arbeitnehmern in Südafrika alle fünf Stunden 60 Minuten Pause zu, in Ausnahmefällen kann sie auf eine halbe Stunde reduziert werden. Gewerkschafter beklagen allerdings, dass in vielen Branchen die Gesetze flexibel ausgelegt würden. William Ntukge lacht. "Niemand kommt auf die Idee, sich über zu wenig Pausen zu beklagen oder zu fragen, wie viel Minuten einem rechtlich zustehen." Die meisten seien froh, überhaupt einen Job zu haben.

Seit dem Ende der Apartheid 1994 hat sich die Armut im Land halbiert. Trotzdem liegt die Arbeitslosigkeit unter schwarzen Südafrikanern immer noch bei 29 Prozent - und unter Weißen bei sechs Prozent. Die Arbeitswelt ist gespalten, eine typische südafrikanische Mittagspause gibt es deshalb nicht: Handwerker, Taxifahrer und Straßenverkäufer setzen sich an einer Straßenkreuzung in den Schatten auf einen Baumstamm oder eine Mauer, eine umgedrehte Cola-Kiste wird zum Tisch. Angestellte in den Bürokomplexen und Hochhäusern fahren zum Essen ins Einkaufszentrum oder gehen in Restaurants.

Mal eben ins Freibad

Durch die Einflüsse von niederländischen Siedlern, britischen Kolonialherren und asiatischen Einwanderern ist eine vielfältige Küche entstanden: Es gibt Fisch and Chips, aber auch "Frikkadel", gebratene Hackbällchen mit holländischem Ursprung, Hackbraten "Bobotie" mit einem Eier-Milch-Überzug oder Reisgerichte mit Gemüse und Curry. Ein Mittagessen gibt es für umgerechnet sechs bis sieben Euro, Snacks an der Straße sind noch günstiger. Dafür sind Lebensmittel relativ teuer, Selberkochen lohnt sich kaum.

"Die deutsche Mittagspause ist ja eher eine ruhige Tageszeit, in Südafrika wird es lauter und fröhlicher", sagt Simon Fiechtner von der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika. Es gehe hier sehr locker zu: Praktikanten sitzen mit am Tisch, Vorgesetzte werden mit Vornamen angesprochen. Und andere gehen in der Mittagspause gleich zusammen ins Freibad.

Für William Ntukge, den Sicherheitsmann, ist das unvorstellbar. Die Grenze zwischen den Arbeitswelten zu durchbrechen ist schwierig. Seit kurzem hat William einen Führerschein. "In spätestens drei Monaten bin ich hier weg", sagt er. Seinen Posten an der Schranke will er gegen einen Job als Taxifahrer tauschen. Dort sei die Bezahlung besser und die Arbeitszeit geringer. "Zeit für einen Aufstieg", sagt er. "Oder zumindest einen Versuch." Jetzt müsse er nur noch ein Taxi kaufen.

Mittagspause

  • Benjamin Dürr (Jahrgang 1988) ist Korrespondent und Auslandsreporter. Er berichtet für SPIEGEL ONLINE u.a. aus den Niederlanden und regelmäßig aus Afrika.

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