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Mittagspause in Taipeh Bloß nicht allein am Tisch sitzen

Mittagspause in Taiwan: Bloß nicht allein am Tisch sitzen Fotos
Chao Shih-Piao

Wer in Taiwan nicht als Außenseiter gelten will, muss seine Mittagspause rechtzeitig planen. Gegessen wird in großer Runde - oder heimlich im Büro. Allein herumzusitzen ist vor allem bei Frauen verpönt. Und viel Zeit bleibt zum Verabreden nicht.

Wenn Chao Shih-Piao, 30, seine Mittagspause nicht pünktlich um 12.30 Uhr starten kann, weil er noch dringend einen Bericht zu Ende tippen muss oder sein Chef kurzfristig eine Konferenz anberaumt, bleibt er gleich im Büro. Der Grund dafür ist weniger ein strenger Boss, der ihm keine Pause gönnt. Vielmehr gehen in den meisten Restaurants in Taipeh schon um 14 Uhr die Herde aus. Wer zu spät kommt, den bestraft der taiwanische Tagesrhythmus.

Essenszeiten sind in Taiwan unumstößliche Säulen des Alltags. Mittags ab 11 Uhr klappern in den ersten Küchen die Woks, wer bis 14 Uhr noch nicht gegessen hat, muss sehen, wo er bleibt. Instantnudeln aus der Tüte sind eine beliebte Alternative fürs Büro. Oder abgepackte Hähnchenkeulen der Supermarktkette 7-Eleven. Abends wiederholt sich das Spiel zwischen 17 und 20 Uhr.

Fragt man Chao Shih-Piao nach den Gründen für die fixen Zeitfenster, fällt ihm vieles ein: Die traditionelle chinesische Medizin lege großen Wert auf Gesetzmäßigkeit und Zyklen. Zudem sei Taiwan noch vor wenigen Jahrzehnten arm und regelmäßiges Essen besonders geschätzt gewesen: "Die ältere Generation begrüßt sich bis heute höflich mit der Frage: Haben Sie schon gegessen?", erzählt Shih-Piao.

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Der 30-Jährige ist Marketingmanager des zweiwöchentlich erscheinenden Filmmagazins "Cue". Für einen jungen Kreativen verdient er zwar ganz anständig. Aber: Wohnraum ist im dicht besiedelten Taipeh teuer, mehr als ein WG-Zimmer ist für ihn nicht drin. Auch beim Essen gibt der Preis den Ausschlag.

Moderne westliche Restaurants, die durchgehend geöffnet haben, verlangen Preise, die Chao Shih-Piaos Budget übersteigen. In seinem Lieblingslokal, "Mimis kleinem Restaurant", zahlt er mittags für eine große Schüssel Nudelsuppe 70 Taiwan-Dollar, rund 1,80 Euro. Das Wohnzimmerlokal, in das nicht mehr als 20 Personen passen, sei ein Spiegelbild Taiwans, meint er. Japanische Ramen gehören ebenso zu den Spezialitäten des Hauses wie chinesische Dumplings und kalt servierte Nudeln nach koreanischer Art. "Taiwan ist ein kulinarischer Schmelztiegel", sagt Shih-Piao, und man hört Stolz in seiner Stimme schwingen.

Heiß und lärmend muss es sein

Tatsächlich lässt sich die Geschichte Taiwans anhand seiner Küche erzählen. Der Einfluss Chinas reicht ins 17. Jahrhundert zurück. Ende des 19. Jahrhunderts kolonialisierten die Japaner die Insel, nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckten die Amerikaner sie als Knautschzone für den Kommunismus. Die verschiedenen kulturellen Prägungen finden sich heute auf den Tellern der Taiwaner wieder. So kann Chao Shih-Piao täglich zwischen mongolischem Feuertopf, japanischem Donburi und amerikanischem Steak wählen.

Die idealtypische taiwanische Mittagspause ist "renao", wörtlich: heiß und lärmend, was ungefähr lebhaft und voller Stimmung meint. Beim Essen wird gequatscht, gescherzt, gelacht. Nur selten sieht man jemanden allein essen. Besonders unter Frauen ist es verpönt, ohne Begleitung an einem Tisch zu sitzen. Wer keinen Essenspartner finde, der esse lieber still im Büro, als allein loszuziehen, bestätigt Chao Shih-Piao: "Taiwanern ist es sehr wichtig, wie sie auf andere wirken."

Seit er als Student ein Jahr in Schweden lebte, sieht er das Kollektivdenken seiner Landsleute jedoch kritisch: "Wenn ich nachdenken oder mich ausruhen möchte, gehe ich allein essen. Da bin ich eben anders."

Mittagspause

  • KarriereSPIEGEL-Autor Maximilian Kalkhof ist freier Journalist und besucht derzeit die Evangelische Journalistenschule in Berlin. Er lebte sechs Jahre in Taiwan und China und gewann 2008 den chinesischen Sprachwettbewerb "Wenn ich Präsident Taiwans wäre".

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insgesamt 21 Beiträge
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1. so ein gequirlter...
adde_111 06.05.2013
....Unsinn. Der Redakteur hat wahrscheinlich um 1830 oder so in Taiwan gelebt. Speziell Taipei ist eine der modernsten Staedte in Asien in der man 24 Stunden am Tag an fast jeder Ecke essen kann. In nahezu jedem Restaurant - vorallen in den Garkuechen in den Strassen die zum Businesslunch sehr beliebt sind findet man ausreichend und vorwiegend kleine Tische fuer 1-2 Personen und daher sehr viele Maenner UND (!) Frauen die alleine essen. Also Herr Kalkhof - vielleicht sollten Sie nochmal genau hinsehen?
2. Kulinarisches
mumienschubser 06.05.2013
Ich war bereits 2 Mal in Taiwan und kann den bericht nur bestätigen, es gibt wohl kaum ein Land in Asien, in welchem man so viele unterschiedliche "Küchen" genießen kann. Besonders zu empfehlen sind die kleinen Garküchen am Straßenrand, man bekommt dort oft viel frischere Sachen als in den großen internationalen Ketten und billiger ist es ohnehin. Wer in Taipeh für 5 Euro nicht satt wird macht etwas falsch.
3.
vanilla2611 06.05.2013
Ah ja...also alles genau wie hier. Kantinen machen um 14 uhr zu und allein essen geht auch kaum einer.
4. Essen in Taiwan
Ein_Forum_Schreiber 06.05.2013
ist sehr gewöhnungsbedürftig. Ausländer welche sich positiv über das Essen geäußert haben waren alle Vegetarier. Obwohl ich selber seit fast 5 Jahren in Taiwan lebe habe ich immer noch Probleme mit der Küche hier. Mein größtes Problem ist, kein "Seafood" zu mögen und was die Qualität des Fleisches hier betrifft - sagen wir es mal so: Ich kann es nicht essen. Natürlich gibt es gutes Essen bei entsprechenden Preisen (Ein Steak bei Jasons an der Fleischtheke kostet mehr als eine vollständiges Menü im Restaurant) möglich. Taiwanesen, so sagten sie mir selber, akzeptieren schlechte Qualität beim Essen solange es billig ist. Zudem hat meiner Meinung Nach Taiwan das selbe Problem wie UK - Es ist eine Insel und Einflüsse von außen haben es schwerer als z.B innerhalb von Europa . Interessanterweise spielt Essen eine wichtige Rolle hier im Gesellschaftlichen Leben, Ob Hochzeiten oder Partys - Essen, Essen, Essen ist immer das wichtigste dabei.
5. Hat der Autor....
fatherted98 06.05.2013
...dieses Klischee aus einem Reiseführer abgeschrieben? Mit der Wirklichkeit hat das wohl sehr wenig bis gar nichts zu tun...peinlich solche Artikel.
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