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Karriere ohne BWL Trainees in fremden Welten

2. Teil: Die Erdbeobachterin: "Zum Jobinterview ins Internetcafé in Usbekistan"

Anica Huck, 27, ist Geografin bei der Esa und jubelt mit den Kollegen über Raketenstarts Zur Großansicht

Anica Huck, 27, ist Geografin bei der Esa und jubelt mit den Kollegen über Raketenstarts

"Für das German-Trainee-Programm bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa muss man kein Raketenforscher sein. Hier in der Nähe von Rom am Esrin, dem European Space Research Institute, arbeiten 600 Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen und Ländern. Ich bin Geografin und habe einen Master in Geoinformatik an der Uni Jena gemacht. Manche meiner Kollegen geben sich gern mal aus Spaß als 'Rocket Scientist' aus, aber mit bemannter Raumfahrt hat unsere Arbeit wenig zu tun, unser Blick geht eher von oben nach unten.

Wir sind auf Erdbeobachtung und Fernerkundung spezialisiert und analysieren die Erde zum Beispiel mit optischen Satellitenbildern oder Radardaten. Das ist unter anderem für Katastrophen-Management oder Klimavorhersage wichtig. Für meine Masterarbeit habe ich etwa erforscht, welche Gebiete von Santiago de Chile besonders bedroht sind von Überschwemmungen oder Erdrutschen und wie die soziale Struktur dieser Gebiete aussieht.

Nach meinem Studienabschluss habe ich für einen Monat in Krasnojarsk in Sibirien gearbeitet und dort eine deutsch-russische Expedition vorbereitet, die technische Satellitenbilddaten mit Felddaten abgleichen sollte. Ich hatte nur eine Bewerbung geschrieben - für das German-Trainee-Programm von Esa und DLR, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Und natürlich kam die Einladung zum Vorstellungsgespräch ausgerechnet, als ich in Sibirien war. Ich habe kurz überlegt, ob ich eine reelle Chance habe und sich die Reise von Krasnojarsk nach Köln lohnt. Wie viele Kandidaten noch im Rennen sind, hat man mir nicht verraten.

Die Übernahmechancen sind gering

Das Einzelinterview war auf Englisch und hat circa eine halbe Stunde gedauert. Mir gegenüber saßen sechs Vertreter der DLR und der Esa. Die Atmosphäre war sehr nett, es ging hauptsächlich um fachliche Fragen. Im Gegensatz zu den meisten Trainee-Programmen in Unternehmen sind die Übernahmechancen bei der Esa gering. Der klassische Weg ist, dass man nach der Ausbildung einen Job in der Industrie oder der Wissenschaft annimmt und einige Jahre später wieder zurückkommt.

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Berufsstart: Lassen Sie mich durch, ich bin Trainee!
Das German-Trainee-Programm wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert, damit langfristig mehr Deutsche in der europäischen Raumfahrtagentur arbeiten. Wir bekommen kein Gehalt von der Esa, sondern ein Stipendium vom DLR, rund 2400 Euro im Monat. Das Programm dauert zwölf Monate und kann um ein Jahr verlängert werden. Bei mir war klar, dass ich am Standort in Rom arbeiten würde, denn hier ist das Erdbeobachtungszentrum der Esa.

Mein Mentor hat mit mir das zweite Jobinterview über Skype geführt. Das war für mich fast eine Katastrophe. Ich saß in einem Internetcafé in Usbekistan, ständig ist der Strom ausgefallen und die Verbindung geplatzt. Irgendwann sagte er: 'Okay, wir hören voneinander.' Ich dachte, das wäre es gewesen. Ein paar Tage später kam aber zum Glück die Zusage.

Raketenstarts werden live übertragen

Der Job hier entspricht meinem Studienhintergrund, und die Arbeitsbedingungen sind perfekt. Ich kann in verschiedene Abteilungen hineinschnuppern, treffe viele internationale Kollegen, kann an wissenschaftlichen Konferenzen teilnehmen und bin für ein eigenes Projekt verantwortlich: eine Homepage, die die Erdbeobachtungsprojekte der Esa allgemeinverständlich erklärt und Interesse für Satellitenmissionen wecken soll.

Ich habe mich bei der Projektplanung beteiligt, die Gelder beantragt und bin jetzt dabei, Visualisierungsmöglichkeiten zu entwerfen. Die allgemeine Sprache bei der Esa, und damit auch am Esrin, ist Englisch. Italienisch brauche ich nur, wenn ich abends in Rom ausgehe.

Der Campus hier ist sehr groß und es gibt viele Freizeitangebote, vom Sprachkurs bis zum Musik- oder Fotografieclub. Ich konnte auch schon eine Übertragung eines Raketenstarts live miterleben. Das war ein ganz besonderes Erlebnis, alle haben geklatscht und gejubelt. Die Begeisterung für die Raumfahrt verbindet alle Mitarbeiter; ob man tatsächlich als Ingenieur Raketen baut, ist egal, man gehört einfach dazu."

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