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Streit um Beleidigung Der Rüpel-Professor und die Facebook-Schnösel

Summers vs. Winkelvoss: "Studenten im Anzug? Bewerber oder Arschlöcher" Fotos
REUTERS

Die Winklevoss-Zwillinge sehen sich als wahre Facebook-Erfinder und von Firmengründer Mark Zuckerberg um Milliarden beklaut. Als sie einst Rat bei Harvards Unipräsident suchten, wies Larry Summers sie rüde ab. Nun nannte Summers sie öffentlich "Arschlöcher". Die Gebrüder toben.

Larry Summers verschwendet nicht viel Zeit auf Artigkeiten. Das sicherte ihm zwar eine steile Karriere (der Ökonom war einer der jüngsten Harvard-Professoren aller Zeiten), aber auch jede Menge Ärger mit seinen Mitmenschen.

Als US-Finanzminister unter Präsident Bill Clinton belehrte Summers einst Amtskollegen aus aller Welt in langen Vorträgen über ihre politischen Fehler. Als Barack Obamas Chefwirtschaftsberater schüchterte er Kollegen so ein, dass sich Medienberichte über den "Tyrannen Summers" häuften. Und während seiner Zeit an der Spitze der Harvard University dachte Summers laut darüber nach, ob Frauen für die Arbeit als Wissenschaftlerinnen genetisch eigentlich geeignet seien - das kostete ihn das Amt.

Wie rüde der Professor sein kann, durften Millionen Kinozuschauer im Hollywoodhit "The Social Network" besichtigen, cineastische Nacherzählung der dramatischen Facebook-Gründungssaga - die sich während Summers Amtszeit als Unipräsident auf dem Harvard-Campus abspielte. In einer Filmszene sprachen die Winklevoss-Zwillinge, in feine Anzüge gewandet, bei Summers vor und baten ihn um Hilfe. Schließlich habe ihr Kommilitone Mark Zuckerberg offensichtlich ihre Idee für ein soziales Online-Netzwerk von ihnen gestohlen. Doch Summers hatte keine Lust auf Studentenstreitigkeiten über obskure Web-Rechte, er kanzelte Tyler und Cameron Winklevoss harsch ab.

Ruppig und arrogant - typisch Larry Summers

Summers plagt deswegen kein sonderlich schlechtes Gewissen, das wurde nun überdeutlich. Bei einer Konferenz in Aspen räumte Summers offen ein, er komme manchmal arrogant daher, das sei in dem Gespräch damals sicher zu beobachten gewesen. Und fügte in bestem Summers-Tonfall hinzu: "Als Unipräsident lernst du, dass es bloß zwei Möglichkeiten gibt, wenn Studenten am Donnerstag um drei Uhr nachmittags Anzug und Krawatte tragen. Sie bewerben sich entweder für einen Job, oder sie sind Arschlöcher." Nach einer Kunstpause fügt er hinzu: "Hier war Letzteres der Fall."

Allerhand Spott sind die Winklevoss-Brüder gewohnt. Schon im Hollywoodstreifen wurden sie ja als latent debile Sport-Asse aus reichem Haus geschildert. Ihr Prozess gegen Zuckerberg brachte ihnen und einem weiteren Geschäftspartner zwar rund 65 Millionen Dollar ein, teils in in bar und und teils in Facebook-Aktien, doch die Summe wirkt wie ein Trinkgeld gegen Zuckerbergs Milliarden.

Kein Wunder, dass die Zwillinge noch mehr Geld wollen - obwohl Richter ihren Anteil am Facebook-Wunder bislang eher gering einschätzen. Gerade hat ein Gericht in Boston eine neuerliche Winkelvoss-Klage abgeschmettert, aber die Brüder denken angeblich bereits über eine weitere Klage nach.

Die Zwillinge jammern ausdauernd

Summers hat ihnen nun eine neue Vorlage geliefert. Rasch verfassten Tyler und Cameron Winklevoss einen detaillierten Brief an die amtierende Harvard-Präsidentin Drew Faust, in dem sie detailliert das Treffen mit Summers nacherzählten - und wortreich jammerten, sie hätten ja nur aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten Anzüge angezogen. Außerdem müsse sich jeder Student kleiden können, wie er wolle, ohne deswegen gleich beschimpft zu werden. Dass Summers noch nicht einmal ihre Hände habe schütteln wollen, darüber wollten sie sich gar nicht beschweren, schrieben sie. Denn das hätte ja von ihm verlangt, seine Füße vom Schreibtisch zu nehmen.

Die Zwillinge endeten mit einem dramatischen Appell an Faust, sie solle so einen Bruch der einzigartigen Beziehung zwischen Uni-Leitung und Studenten nicht zulassen. Offenbar mangele es Summers an ethischen Grundsätzen.

Und was hält der vermeintliche Rüpel Summers davon? Als DER SPIEGEL Summers gerade zum Interview in seinem Sommerhaus auf Cape Cod traf, klingelte mittendrin Summers Telefon. Am anderen Ende der Leitung: ein Anwalt der Harvard University. Summers diskutierte mit ihm ausführlich die Argumentation der Winklevoss. Auf die Frage, was er von den Zwillingen halte, wollte der Professor danach nichts mehr sagen, er ist vorsichtig geworden. Doch man sah seinem vielsagenden Lächeln auch an, dass er seine Bemerkung wohl kaum bereut.

Ach ja, zum Interview erschien Summers in Shorts und überdimensionalem Poloshirt, die SPIEGEL-Journalisten in Anzügen. Was er wohl über sie gedacht hat?

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1. titel
malte71 29.07.2011
Zitat von sysopDie Winklevoss-Zwillinge sehen sich als wahre Facebook-Erfinder und von Firmengründer Mark Zuckerberg*um Milliarden beklaut. Als sie einst Rat bei Harvards Unipräsident suchten, wies*Larry Summers sie rüde ab. Nun nannte Summers sie öffentlich "Arschlöcher". Die Gebrüder toben. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/0,1518,777040,00.html
Um Milliarden beklaut worden zu sein (wenn's denn so gewesen sein sollte), ist natürlich bitter. Aber mit 65 Millionen oder mehr sollte es doch möglich sein, sich ein einigermassen entspanntes Leben zu machen.
2. feiner Mann
janne2109 29.07.2011
nu ja- in Amerika sind die Profs. wohl nicht so vergeistigt wie in Europa.
3. Intelligenz eines Kindes
larsmach 29.07.2011
Es scheint, in den USA lässt man Amtsträger mit der sozialen Intelligenz eines Kindes zu. Kindern sieht man nach, wenn sie sich - vor allem ihren Mund - nicht unter Kontrolle haben; sie lernen das aber bis zum Erwachsenenalter.
4. Get a life!
Taro 29.07.2011
65Mio. in Cash plus Facebook Anteile wohlgemerkt. Mit der Kohle können die sich ruhig was neues aufbauen, statt die Zeit in Prozessen zu verplempern, die sie am Ende doch nur verlieren. Sie werden ja wohl noch andere tolle Ideen auf Lager haben...
5. Vergeistigt - verflüchtigt
Ulrich lr. 29.07.2011
Zitat von janne2109nu ja- in Amerika sind die Profs. wohl nicht so vergeistigt wie in Europa.
Immerhin konnten die beiden Studenten zu dem Typen vordringen. Das muss man in D erst einmal schaffen.
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