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16. Februar 2013, 09:55 Uhr

Style-Psychologin

Zieh dich aus und finde dich selbst

Kleiderschrank plus Psychologie - für Kate Nightingale ist das eine Geschäftsidee. Sie bietet Stilberatungen an, in denen die Kundschaft dank Klamotten zu sich selbst finden soll. Wie das auf die Außenwelt wirkt, ist dabei zweitrangig.

Zu ihrer ersten Sitzung bringen ihre Kunden Bilder von Kleidungsstücken mit, die ihnen gefallen, die sie sich aber nicht trauen, anzuziehen. Schritt für Schritt übt Kate Nightingale mit ihnen, sich so anzuziehen, wie sie es wirklich wollen. Ihr Versprechen: Am Ende strahlen sie mehr Selbstbewusstsein aus, mehr Kreativität, mehr Weiblichkeit oder mehr Eigenwilligkeit. Ihrer Theorie zufolge ändert sich durch Klamotten auch das Befinden - ihre Klienten werden selbstbewusster, besinnen sich auf ihre persönlichen Stärken, lernen sich besser kennen.

Nightingale bezeichnet sich selbst als Style-Psychologin und arbeitet in London. Sie interessiert sich für Mode, studierte Psychologie und machte daraus eine einträgliche Geschäftsidee: Zur Stilberatung gibt es gleich noch psychologische Betreuung dazu. Die bezahlt der Kunde praktischerweise mit. Denn von Stilberatern, die nur die Ausstrahlung auf andere im Kopf haben, will sie sich entschieden abgrenzen: Sie nutzt die Wirkung von Kleidung, um die Selbstfindung ihrer Kunden zu fördern.

"Es geht nicht einfach darum, gut auszusehen", erklärt Nightingale. "Wie man sich anzieht, das beeinflusst die eigenen Emotionen, das Selbstbewusstsein, und sogar die kognitive Wahrnehmung." Als Psychologin hat sich Nightingale mit non-verbaler Kommunikation auseinandergesetzt. Zwar gibt sie zu, dass die meisten Stilberater sich solche Erkenntnisse zunutze machen. Mit denen will sie aber keinesfalls in einen Topf geworfen werden. "Ich benutze wissenschaftliche Beweise, und kein angesammeltes Wissen", betont sie.

Und wie geht sie vor, wenn sie den Kunden auf dem Weg zu sich selbst hilft? "Ich lese die Zeichen hinter dem, was die Kunden mir in unseren Gesprächen erzählen. Welche Probleme sie in ihrem Leben haben, was sie verstecken, was sie wirklich wollen, all das erfrage ich." Darauf baut sie ihre Beratung auf, die sich je nach Wunsch der Kunden über Monate hinziehen kann. Sobald sie feststellt, dass ernsthaftere Sorgen da sind - etwa Essstörungen oder schwere Selbstwert-Probleme - empfiehlt sie eine therapeutische Behandlung.

Eine alte Idee in neuem Gewand

Doch die meisten Kunden kommen am Anfang mit dem falschen Ziel zu ihr, nämlich ihre Wirkung auf andere und nach außen zu verbessern. Im Falle von Frauen geht es oft um einen neuen Job, bei Männern um die Suche nach einer Partnerin. "Egal, ob man das nun gut findet oder nicht, Menschen werden danach beurteilt, was sie anhaben", sagt Nightingale. "So funktioniert nun mal das Gehirn." Der erste Eindruck, den man von einem Menschen hat, bilde sich in gerade einmal drei Sekunden.

Nightingale geht es darum, was dieser Mechanismus für das Innenleben des Bekleideten bedeutet. Wie würde ich gern aussehen und wirken, welche Formen, Farben und Schnitte wirken wie auf mich? Und was sagt das darüber aus, wer ich bin, welche psychologischen Problemstellen ich habe und wo ich innerlich noch an mir arbeiten, meine Potentiale entfalten kann? Ihr Anfangspunkt sind daher auch nicht Augenfarbe, Körperform oder Hauttyp der Person, sondern geheime Lieblingsstücke, die im Schrank verstauben.

Dass sie eine alte Idee als ganz neuen Ansatz verkauft, muss mitbezahlt werden. Ein komplettes, eintägiges "Makeover" inklusive Haar- und Schminkberatung kostet um die 700 Pfund (863 Euro). Nicht jeder allerdings braucht eine Rundumberatung, manchmal tut es auch ein kleiner Anstoß. Eine Kundin erzählt, dass sie nach der Beratung ihren eigenen Kleiderschrank mit neuen Augen sah. "Ich ziehe mich jetzt besser an, mit Kleidern, die ich schon hatte."

Autorin Harriet Walker von der Zeitung "The Independent" findet, sie wusste durchaus schon, wer sie war - nämlich eine lockere, lustige Person. Ihre Erkenntnis: "Ich sende irgendwie die falsche Nachricht aus, wenn ich immer nur schwarz trage."

Britta Gürke/dpa/mia

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