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Tour durch New Yorker Büros Tausche meinen gegen deinen Schreibtisch

Arbeiten ohne Kollegenplausch? Für Designerin Tina Roth Eisenberg undenkbar Zur Großansicht
Julia Robbs

Arbeiten ohne Kollegenplausch? Für Designerin Tina Roth Eisenberg undenkbar

Grafikdesignerin Tina Roth Eisenberg wollte einfach mal aus Brooklyn raus. Jetzt sitzt sie einmal im Monat am Arbeitsplatz eines anderen, irgendwo in New York. Ein Gespräch über Äxte auf dem Schreibtisch, kostenlosen Eistee und den richtigen Bürostuhl.

KarriereSPIEGEL: Frau Roth Eisenberg, Sie haben sich vorgenommen, an einem Tag im Monat Ihren Arbeitsplatz in New York mit einem Fremden zu tauschen. Wieso?

Roth Eisenberg: Als Arbeitgeberin denke ich oft darüber nach, wie das ideale Arbeitsumfeld aussehen könnte. Ich lerne durch meinen Job unglaublich viele spannende Leute kennen und will in deren Arbeitsalltag ein wenig reinschnuppern, ohne selbst dort angestellt zu sein. Und so habe ich angefangen zu fragen: Willst Du nicht mal einen Tag tauschen?

KarriereSPIEGEL: Gefällt Ihnen Ihr Arbeitsplatz denn nicht mehr?

Roth Eisenberg: Doch, aber es ist jetzt fünf Jahre her, dass ich meinen Co-Working-Space "Studiomates" hier in Brooklyn gegründet habe. Es ist wirklich Zeit, sich neu zu orientieren. Ich habe lange nicht in einem richtigen Unternehmen gearbeitet. Und hier in New York gibt es so viele spannende Firmen, deren Arbeitskultur mich interessiert. Vielleicht hat das ja einen ähnlichen Effekt wie vor 14 Jahren, als ich aus der Schweiz nach Amerika gezogen bin und auf einmal dachte: Aha, wow, so kann's also auch laufen.

KarriereSPIEGEL: Der Erste, mit dem Sie getauscht haben, ist Jesse Hertzberg, einer der Chefs des Start-ups Squarespace. Warum ausgerechnet er?

Roth Eisenberg: Jesse ist ein toller Kerl und die Firma im Aufwind. Als ich ihn kennengelernt habe, wollte er viel über meinen Co-Working-Space wissen, da sagte ich spontan: Dann komm halt einfach mal für einen Tag. Aber ich muss mich ein wenig zwingen, mir nicht nur Firmen aus der Kreativbranche auszusuchen. Ich muss auch mal irgendwohin, wo ich der Paradiesvogel wäre.

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KarriereSPIEGEL: Aber ein wenig anders war es bei Squarespace ja offenbar doch: Auf Jesse Hertzbergs Tisch lag eine Axt.

Roth Eisenberg: Ja, das war super! Es ist eben ein Büro voller Männer, das war ganz schön ungewohnt. So sah es auch aus: schwarzer Teppich, schwarze Tische, schwarze Stühle. Wie in Singlebuden von Jungs. Ich habe immer meinen Laptop dabei, den ich bei Squarespace an drei riesige Monitore anschließen konnte. Ich dachte, ich bekomme gleich einen Sonnenbrand.

KarriereSPIEGEL: Und was hat Sie dort inspiriert?

Roth Eisenberg: Ach, schon die Kleinigkeiten. Ich fand zum Beispiel gut, dass sie ihren Lunch geliefert bekommen. Ich habe beschlossen, dass wir das hier bei uns auch einmal die Woche einführen. Und im Kühlschrank standen Drinks und Tees für alle. Und ich merkte: Das sind kleine Dinge, die Leute glücklich machen. Wenn die Mitarbeiter etwas wollen, bekommen sie es, hieß es. Das merkte man auch.

KarriereSPIEGEL: Inwiefern?

Roth-Eisenberg: Das ganze Büro dort ist sehr designlastig, es war mir alles fast zu perfekt. Überall die teuren USM Haller-Tische, die einen hatten die superteuren Air Chairs von Herman Miller, die anderen hatten Ergo-Stühle. Die sind so toll, ich habe mir dann auch gleich einen gekauft.

KarriereSPIEGEL: Haben Sie bei so viel Ablenkung überhaupt Ihr normales Arbeitspensum geschafft?

Roth Eisenberg: Natürlich, das ist mir auch wichtig. Ich bin ja nicht dort, um den ganzen Tag zu quatschen. Wir haben uns beim Lunch unterhalten, ab und an kam mal einer vorbei und hat Hallo gesagt, sie haben mir von ihren aktuellen Projekten erzählt.

KarriereSPIEGEL: Wussten die eigentlich, dass Sie kommen?

Roth-Eisenberg: Ja, dieses Mal schon. Ich bin gespannt, wie es die nächsten Male läuft: Informieren meine Tauschpartner ihre Kollegen? Organisieren sie jemanden, der sich um mich kümmert oder fragen sie sich, warum ich da sitze? Bei größeren Firmen wird es wohl nicht so viel Austausch mit anderen geben.

KarriereSPIEGEL: Die erste Tauschfirma saß in Soho, also Manhattan - wäre das für Sie eine Alternative zu Brooklyn?

Roth Eisenberg: Ich möchte definitiv nicht in Soho arbeiten. Ich bin froh, dass ich nicht jeden Tag nach Manhattan muss, ich würde viel zu viel Geld ausgeben. Dumbo, wo wir sind, ist ein kleines Viertel direkt am Wasser mit Designstudios und Agenturen. Es ist schlecht mit der Subway angebunden, es gibt also nicht so viele Midtown-Leute hier. Es ist ein bisschen wie in dem Dorf, aus dem ich komme: Im Coffeeshop und mittags beim Essen sieht man immer die gleichen Leute. Aber gerade weil ich hier ein bisschen wie in einer Blase lebe, mache ich diese Bürotauschaktion. Ich muss auch mal raus.

KarriereSPIEGEL: Mit wem würden Sie denn am liebsten mal tauschen?

Roth Eisenberg: Mein Traum wäre, am Schreibtisch von Rachel Haot zu sitzen, sie ist Chief Technology Officer von New York City. Ihr Büro ist das Gegenteil von "Studiomates", ein Verwaltungsbüro eben. Nur in richtige Konzernbüros will ich nicht - da würde wohl mein Herz brechen.

  • Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Autorin Anne Haeming (Jahrgang 1978), freie Journalistin in Berlin.

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insgesamt 11 Beiträge
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1.
huw00 03.05.2013
Sowas funktioniert natürlich nur bei belanglosen Lala-Berufen. Wenn jemand eine richtige Stelle in einem richtigen Beruf hat, ist sowas völlig ausgeschlossen. Warum wird hier nicht auch öfter über Ameisen-Friseure oder Dreirad-Tuner berichtet, das hätte wenigstens Substanz?
2. hah, swiss miss
thorsten wulff 03.05.2013
geniale Idee, viel Spass beim office hopping!
3. Gute Idee
mario-hb 03.05.2013
würde ich auch so machen! (Erst recht im tollen NYC) Und an huw00: Grafik-Designer kein "Lala-Beruf." Da wird oft mehr und länger gearbeitet als in vielen anderen Berufen. Einfach mal über den Tellerand schauen und wenn der eigene Job so frustriert, sich mal Gedanken machen wieso man diesen dann weiter ausübt und nichts besseres findet. Liegt ja an jedem selbst, was er kann und was er bereit ist zu lernen. :-)
4. Coole Ideen...
greengecko 03.05.2013
werden ja oft in NY geboren... mal schauen ob das auch zu uns '"rüberschwappt"... klingt auf jeden Fall spannend!
5. Schöne neue Berufswelt
dequincey 03.05.2013
Alles so schön bunt und beliebig hier. So einen Larifari-Job hätten gerne viele. Die Frisörin die zehn Stunden im Laden steht und Haare im Akkord schneidet, der Müllmann der bei Regen die Mülltonnen einsammelt, die Krankenschwester auf Intensiv wenn sie Patienten nicht nur wäscht, der Polizist der vom sozialen Kaffeesatz angepöbelt wird, die Betriebsschlosserin die in Dreck, Lärm und Gestank Maschinen repariert, der Sozialarbeiter, der das gesellschaftliche Elend verwalten und erklären muss. Da hätten wohl noch einige Leser hier etwas beizusteuern. Aber schön, dass hier mal wieder so ein ermunternder Artikel über die schöne Bürowelt in NY uns aufmuntert.
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Zur Person
  • Julia Robbs
    Tina Roth Eisenberg alias "Swiss Miss" ist Grafikdesigerin in Brooklyn. Die gebürtige Schweizerin hat 2008 das Co-Working-Büro "Studiomates" gegründet, sie startete die internationale Vortragsreihe "Creative Mornings" und vertreibt die abziehbaren Designer-Tattoos "Tattly".
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