Von Beruf Herrschergattin Herzdame des Orients
Quotenfrau? Von wegen. Ob VW, Fifa oder Hochtief - wer mit den sagenhaft reichen Kataris ins Geschäft kommen will, sollte Scheicha Musa kennen, die in den letzten Jahren die Bühne der Welt eroberte. Sie treibt Bildung und Entwicklung in dem Emirat voran. Eine Nahaufnahme der mächtigsten Frau am Persischen Golf.
Hamburg - Kerzengerade steht sie, passend zum Ereignis ganz in Katari-Purpur. Ihre Hoheit Scheicha Musa Bint Nassir al-Misnad ist die einzige Frau auf dieser kapitalen Bühne des Westens, ein Blickfang zwischen Fifa-Präsident Joseph Blatter, der sich am Rednerpult festhält, und ihrem Gatten, Emir Hamad Bin Chalifa al-Thani, der triumphierend die Trophäe stemmt.
Der nächste Sieg ist errungen, im Jahr 2022 wird die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar stattfinden.
"Katarstrophe" wird die "Bild"-Zeitung am nächsten Tag wortspielen, und Kritiker werden sich fragen, ob die Fifa-Verantwortlichen bestochen wurden.
Doch der Emir jubiliert und verspricht der Welt, "wir werden Sie nicht enttäuschen". Bei ihrer Ehre und der ihres Herrscherclans, Scheicha Musa weiß nur zu gut, dass genau das nicht passieren darf. Denn dieser Tag in Zürich, dieser 2. Dezember 2010, markiert etwas derart Großartiges, dass er schon jetzt eingemeißelt ist in die Annalen Katars wie die Hieroglyphen in Ägyptens Pyramiden. Jetzt beginnt ein neues Kapitel in der Entwicklung des kleinen Öl- und Gas-Eilands. Mindestens viermal 1001 Tag wird es lang sein, ein Märchen eigener Art, auch für die deutsche Wirtschaft.
Konzerne wie Siemens sind schon lange vor Ort, und Vorstand Siegfried Russwurm preist den "strategischen Weitblick" in Katar. Bernd Romanski von Hochtief konstatiert "ein unglaubliches Bemühen, alles richtig zu machen beim Aufbau des Landes". Und weil man sich so lange kennt und schätzt, ist Katar Anfang Dezember, in der größten Bedrängnis des Essener Baukonzerns, als weißer Ritter eingesprungen, um die Übernahme durch die spanische ACS abzuwenden. Auch Bilfinger Berger baut schon heftig mit, viele Mittelständler werden folgen.
Deutsche Konzerne lauern auf Aufträge
Katar erobert derweil das Ausland. Zwischen 80 und 100 Milliarden Dollar hat die staatliche Investmentgesellschaft QIA (Qatar Investment Authority) augenblicklich an Vermögenswerten angesammelt. 30 Milliarden wurden 2010 investiert, 50 sollen es im neuen Jahr werden. VW / Porsche, Credit Suisse, Griechenland - überall schießt der Welt drittgrößter Erdgaslieferant seine Milliarden hinein (siehe Kasten links).
"Katar ist ein signifikanter Player auf der globalen Bühne geworden", attestierte jüngst die "Financial Times". "Wir investieren überall, sogar euer Harrod's haben wir uns geschnappt", feixte der Emir in einem seiner raren Interviews mit den Reportern des Blatts.
Eines ist dabei klar. Der absolut regierende Monarch Emir Hamad Bin Chalifa al-Thani, 58 Jahre alt, und mit ihm die ganze wahabitische Großfamilie der al-Thanis dominieren in Katar die Politik und das Big Business. Dass auch Scheicha Musa über eine hübsche Schatulle mit eigenem Nadelgeld verfügt, darf angenommen werden. Aber ihre Rolle ist mit keinem Geld der Welt aufzuwiegen.
Als sie 2003 zum ersten Mal während eines CBS-Fernsehinterviews mit dem Emir auftrat, standen die Kataris unter Schock. "Nicht etwa weil sich der Emir über Freiheit und Demokratie ausließ", wie es in der englischen Presse hieß, "sie starrten vielmehr auf die Frau an seiner Seite." Nie zuvor hatten die Bürger eine Frau ihres Herrschers zu Gesicht bekommen. In den nur sieben Jahren seither eroberte die Scheicha die Bühne der Welt. Und wer würde schon über das Geschäftliche hinaus groß Notiz nehmen vom Emir, hätte er nicht die Musa an seiner Seite? Wo immer die beiden auftauchen, warten schon die Blitzlichter.
Sie ist nicht nur schön wie die Frauen in den arabischen Märchen, mit funkelnden Kajalaugen, sie ist auch die starke Frau hinter dem Emir und die Entwicklung Katars ihr gemeinsames Anliegen. Viele sehen in ihr gar die treibende Kraft, wie uns ständig zugeflüstert wird. Aber das soll man gar nicht laut sagen, der arabische Mann darf nicht provoziert werden. Halten wir uns also ans Protokoll.
Die Öffentlichkeit nimmt von Scheicha Musa auch Notiz in eigener Sache. 2007 wurde ihr der prestigeträchtige Chatham-House-Preis überreicht, der alljährlich von der Queen vergeben wird an eine führende Staatsperson, die sich für die Verbesserung internationaler Beziehungen eingesetzt hat. Im selben Jahr nahm "Forbes" sie auf in den Rang der 100 mächtigsten Frauen der Welt, während die Londoner "Times" sie als eine der 25 mächtigsten Business Leaders im Mittleren Osten outete. Auch in diversen Projekten der Vereinten Nationen ist sie engagiert - für Ausbildung, gegen Armut. Und obwohl sie es ablehnt, sich öffentlich über Mode auszulassen, kürte "Vanity Fair" sie neben Carla Bruni und Michelle Obama zur Stilikone.
- 1. Teil: Herzdame des Orients
- 2. Teil: "Das Labor der Welt"
- 3. Teil: "Alles opfern für Wissenschaft und Forschung"
- 4. Teil: Nichts dem Zufall überlassen
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