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Wissenschaftler im Ausland Holt uns zurück!

Wissenschaftler mit Heimweh: Ein Ticket nach Deutschland, bitte Fotos
DPA

Weniger Bürokratie und Hierarchie, mehr Geld und Flexibilität: Arbeiten im Ausland ist für deutsche Wissenschaftler oft attraktiver. Trotzdem würden viele gern zurück in die Heimat - sofern die Bedingungen stimmen. Deshalb haben hundert Wissenschaftler eine Wunschliste an Bundespräsident Wulff geschickt.

Studium, Promotion, ab ins Ausland - für viele junge Wissenschaftler ist das ein beinahe selbstverständlicher Weg. In vielen Fächern ist die Sprache der akademischen Welt ohnehin Englisch, gerade US-Hochschulen locken oft mit exzellenten Forschungsbedingungen, Möglichkeiten für frühes selbständiges Arbeiten und besseren Aufstiegschancen. Dagegen agieren deutsche Universitäten weit behäbiger und lassen jungen Forschern weniger Freiräume.

Viele sehen aber den Auslandsaufenthalt als Engagement auf Zeit. Nach ein paar Jahren wollen sie zurück, oft ist es eine Mischung aus beruflichen und privaten Gründen. "Ich habe die Zeit in den USA genossen, möchte aber jetzt erstmal in Wochenend-Entfernung zu meiner Familie leben", sagt Katrin Arnold, 34. Sie hatte in Heidelberg über Brustkrebs promoviert und forscht seitdem als Postdoktorandin an der Harvard Medical School mit Stammzellen. Jobangebote etwa in den USA oder der Schweiz beschreibt sie als "sehr oft spannender und attraktiver - Aufgaben mit mehr Verantwortung, internationalerem Umfeld, deutlich höherem Gehalt und besseren Entwicklungsmöglichkeiten".

So leicht geht das nicht mit der Rückkehr, stellte Arnold fest - weil die Kontakte über die Jahre einschlafen und "man die Trends am Arbeitsmarkt in Deutschland nicht ausreichend kennt". Die Distanz mache potentiellen Rückkehrern zu schaffen: "Aus zeitlichen und auch finanziellen Gründen ist es nicht möglich, mehrmals im Jahr 6000 Kilometer zu reisen, um auf Konferenzen oder Meetings in Deutschland Kontakte aufzubauen." Zudem werde man mit Mitte 30 als "schon recht alt" für den Berufseinstieg oder -wechsel gesehen.

Was sind Wissenschaftler wert?

So wie Arnold geht es vielen deutschen Wissenschaftlern: Schätzungen zufolge haben zuletzt jährlich rund 80.000 bis 100.000 deutsche Akademiker das Land verlassen; davon gingen bei weitem nicht alle in die Forschung. Aber allein an Forschungseinrichtungen in den USA arbeiten etwa 20.000 Deutsche, davon 5000 an US-Universitäten.

Zum Vergleich: Nach einer im Mai veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung McKinsey fehlen bis 2025 in Deutschland bis zu 6,5 Millionen Arbeitskräfte, darunter rund 2,4 Millionen Akademiker. Viele von ihnen würden gern in ihre Heimat zurückkehren, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen würden.

Tut Deutschland dafür zu wenig? Jetzt haben sich hundert Wissenschaftler, die gern zurück nach Deutschland wollen, mit einer Wunschliste an Bundespräsident Christian Wulff gewandt. Fortschritte sehen sie durchaus: "Deutschland ist definitiv auf dem richtigen Weg", schreiben darin stellvertretend Katrin Arnold sowie Eva-Jasmin Freyschmidt von der Harvard Medical School in Boston mit Blick etwa auf Exzellenzinitiativen und Juniorprofessuren.

Ihre Forderungen: weniger Bürokratie und Hierarchie - mehr Geld und Flexibilität. Reine Lehr-Stellen sollen aufgebaut, gesetzliche Barrieren wie etwa bei der Stammzellforschung weggeräumt werden. Außerdem hapere es an der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. "Perspektive bedeutet für uns auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie", sagen Arnold und Freyschmidt.

"Angst vor zu viel frischem Wind"?

Einige der Wissenschaftler berichten, abgelehnte Bewerbungen hätten ihre Rückkehrversuche gebremst. Als Gründe gaben sie bei einer Umfrage "Bedenken bezüglich der kulturellen Anpassung" an. Oder: "Mangel an Netzwerken in Deutschland". Denn viele Stellen würden über persönliche Kontakte vergeben. Manchen Wissenschaftlern scheint es, als herrsche an den Hochschulen wie auch in der Industrie eine "Angst vor zu viel frischem Wind und der Unglaube, dass man nach mehreren Jahren im Ausland überhaupt noch in ein deutsches System passe".

Ein teurer Verzicht für Deutschland: Rund 400.000 Euro koste etwa die Ausbildung eines Facharztes unter dem Strich, rechnet Sabine Jung von der German Scholar Organization vor. "Durch seine dauerhafte Auswanderung ins Ausland entgehen dem Staat zudem Einnahmen von circa 600.000 Euro. In dem Netzwerk organisieren sich ähnlich wie bei der Initiative GAIN (German Academic International Network) deutsche Hochqualifizierte, die ausgewandert sind.

Als Unterstützung bietet etwa der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) bis zu sechs Monate lange Rückkehrstipendien. Für promovierte Wissenschaftler gibt es je nach Alter monatlich zwischen 1365 und 1518 Euro. Ähnliche Möglichkeiten gibt es bei Stiftungen, Instituten und wissenschaftlichen Gesellschaften. Freyschmidt und Arnold beklagen jedoch: "Meist ist unklar, wie es nach der Erstförderung weitergeht."

Sabine Jung sieht im Bereich Wissenschaft jede Menge gute Maßnahmen, um auf die Abwanderung kluger Köpfe zu reagieren. "Die Zielgruppe des ausgewanderten Deutschen ist ein von den meisten Unternehmen bislang vernachlässigter Talentpool." Bundespräsident Christian Wulff sagt: "Wir müssen es schaffen, unserem wissenschaftlichen Nachwuchs hier eine Perspektive zu bieten - auch denen, die eine Zeit lang ins Ausland gegangen sind."

pll/dpa, Marco Krefting

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1. .
c++ 31.07.2011
Wichtiger wäre es, dem akademischen Nachwuchs in Deutschland eine Zukunftsperspektive zu geben, damit sie erst gar nicht ins Ausland auswandern müssen. Aber in diesem Bereich wird Deutschland kaputt gespart, die Politik hat andere Prioritäten
2. ...
Andrycha 31.07.2011
Zitat von c++Wichtiger wäre es, dem akademischen Nachwuchs in Deutschland eine Zukunftsperspektive zu geben, damit sie erst gar nicht ins Ausland auswandern müssen. Aber in diesem Bereich wird Deutschland kaputt gespart, die Politik hat andere Prioritäten
Bildung vernachlässigen, Studiengebühren, kaum Geld für die Schulen. Dabei im gleichen Moment nach Fachkräften aus dem Ausland verlangen grenzt schon an Idiotie. Deutschland zerstört sich selber.
3. Bitte keine falschen Schlüsse!
lisahaehnle 31.07.2011
Zitat von sysopWeniger Bürokratie und Hierarchie, mehr Geld und Flexibilität: Arbeiten im Ausland ist für deutsche Wissenschaftler oft attraktiver. Trotz würden viele gern zurück in die Heimat - sofern die Bedingungen stimmen. Deshalb haben 100 Wissenschaftler eine Wunschliste*an Bundespräsident Wulff geschickt. http://www.spiegel.de/karriere/ausland/0,1518,777380,00.html
[QUOTE=sysop;8401254]Weniger Bürokratie und Hierarchie, mehr Geld und Flexibilität: Arbeiten im Ausland ist für deutsche Wissenschaftler oft attraktiver. Trotz würden viele gern zurück in die Heimat - sofern die Bedingungen stimmen. Deshalb haben 100 Wissenschaftler eine Wunschliste*an Bundespräsident Wulff geschickt. Ich kann die jungen Kollegen, die zurück kommen wollen, gut verstehen, aber sie sollten ihren Entschluss sehr genau abwägen: Da deutsche Universitätssystem ist behäbig und vielerorts verkrustet, oft engen die Verwaltungen und unsinnige Vorschriften die ohnehin geringen Spielräume noch mehr ein. Auch führt das föderale System eher zu mehr Chaos und Unwägbarkeiten. Besonders schlimm sind die fehlende öffentliche Akzeptanz vieler innovativer Forschungsprojekte oder die Forschungsverbote, die von grün dominierten Landesregierungen ausgeprochen werden. So will etwa die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg Forschung zur grünen Gentechnik in ihren Universitäten durch Zudrehen des Geldhahns abwürgen, in NRW und Rheinland-Pfalz sieht es kaum besser aus. In der Stammzellforschung gibt es interessante Verhinderungskoalitionen, die aus klerikalen Hardlinern und den ihnen hörigen Politikern sowie grünen Fortschrittsverhinderern bestehen, auch werden Tierschutzorganisationen immer dreister. Um mit Sarrazin zu sprechen: Deutschland schafft sich in der Forschung langsam ab.
4. Es kommt darauf an,
JohnDoe24 31.07.2011
denn die meisten derjenigen, die ins Ausland gegeangen sind, sind ja gegangen weil sie in Deutschland keine besondere Karriere haetten machen koennen. Und davon gibt es einen nicht unbetraechtlichen Anteil, der es auch im Ausland nicht geschafft hat, sehr erfolgreich wissenschaftlich zu arbeiten. Fakt ist ja, das man nun sowohl in Deutschland als auch in den USA Forschungsgrants, Drittmittel braucht, um erfolgreich zu sein. D.h. wenn jemand in den USA nicht erfolgreich war, wird er wohl auch in Deutschland nicht besonders erfolgreich sein. Und die, die in den USA erfolgreich sind werden wohl nicht vor dem Retirement zurueckkommen:-) JD
5. Nicht in allen Bereichen!
Transmitter, 31.07.2011
Zitat von lisahaehnle[QUOTE=sysop;8401254]Weniger Bürokratie und Hierarchie, mehr Geld und Flexibilität: Arbeiten im Ausland ist für deutsche Wissenschaftler oft attraktiver. Trotz würden viele gern zurück in die Heimat - sofern die Bedingungen stimmen. Deshalb haben 100 Wissenschaftler eine Wunschliste*an Bundespräsident Wulff geschickt. Ich kann die jungen Kollegen, die zurück kommen wollen, gut verstehen, aber sie sollten ihren Entschluss sehr genau abwägen: Da deutsche Universitätssystem ist behäbig und vielerorts verkrustet, oft engen die Verwaltungen und unsinnige Vorschriften die ohnehin geringen Spielräume noch mehr ein. Auch führt das föderale System eher zu mehr Chaos und Unwägbarkeiten. Besonders schlimm sind die fehlende öffentliche Akzeptanz vieler innovativer Forschungsprojekte oder die Forschungsverbote, die von grün dominierten Landesregierungen ausgeprochen werden. So will etwa die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg Forschung zur grünen Gentechnik in ihren Universitäten durch Zudrehen des Geldhahns abwürgen, in NRW und Rheinland-Pfalz sieht es kaum besser aus. In der Stammzellforschung gibt es interessante Verhinderungskoalitionen, die aus klerikalen Hardlinern und den ihnen hörigen Politikern sowie grünen Fortschrittsverhinderern bestehen, auch werden Tierschutzorganisationen immer dreister. Um mit Sarrazin zu sprechen: Deutschland schafft sich in der Forschung langsam ab.
Ihr nüchterner Bericht stimmt schon, aber nicht überall werden aussichtsreiche Forschungsprojekte gekippt oder verhindert. Nein, Deutschland fördert beispiellos soziale, interkulturelle und sozialpolitische Forschungen en masse. Auch die Psychologie, die Sozialpsychologie, die Pädagogik, Gender Maintreaming, Sozialwissenschaften aller Arten und Formen werden kräftig gefördert und staatlich unterstützt. Und diese Förderungen sollen, dem Verlautbaren rot-grüner Bildungspolitiker nach, sogar noch drastisch ausgeweitet werden. In den Unis werden jetzt Lehrstühle für Migrationsforschungen eingerichtet, Institute für Klimaforschungen gegründet, Forschungen zur Weiterentwicklung alternativer Energien, wie Windkraft etwa, initiiert usw. usf. Klare Sache: Deutschland bleibt das Land der Dichter und Denker! Das Paradies für ambitionierte Wissenschaftler. Die "verlorenen Schafe" sollen zurück kommen. Ein Professorentitel, Verbeamtung und ein angemessenes Gehalt (Besoldungsstufe IV) ist ihnen lebenslang sicher - wenn sie sich nicht gegen den staatlich verordneten Maintream stellen natürlich nur. Geld ist ja - noch - genug da.
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