Azubi-Gehälter Auf dem Bau verdienen Lehrlinge am meisten

Bis zu 1400 Euro im Monat: Azubis im Bauhandwerk werden ordentlich bezahlt. In anderen Branchen erhalten Lehrlinge nicht einmal ein Viertel davon, zeigt eine neue Studie.

DPA

"Mutti wünschte sich einen Lehrer. Du baust lieber die Schule." Mit diesem Slogan versucht das Baugewerbe, Auszubildende zu ködern. Dabei dürfte die Branche keine großen Probleme haben, Berufsanfänger zu begeistern - zumindest, was die Ausbildungsvergütung angeht: Mit 1460 Euro im vierten Lehrjahr verdienen Azubis im Baugewerbe mit Abstand am meisten.

Davon können andere Lehrlinge nur träumen, allen voran Speditionskaufleute in Mecklenburg-Vorpommern. Azubis im Transport- und Verkehrsgewerbe bekommen im dritten und letzten Lehrjahr monatlich 345 Euro ausgezahlt und sind damit Schlusslicht unter deutschen Berufseinsteigern.

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Lohnschere: Wo Azubi-Gehälter besonders ungerecht sind
Das geht aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor. Das Tarifarchiv des Instituts hat dafür tariflich geregelte Azubi-Gehälter ausgewertet. "Die aktuellen Ausbildungsvergütungen zeigen ähnliche Differenzierungen wie die Tariflöhne und -gehälter", sagte WSI-Leiter Reinhard Bispinck. Neben bundeseinheitlichen Tarifverträgen gebe es solche mit starken regionalen Unterschieden.

Regionale Unterschiede von über 500 Euro

Große Schwankungen gibt es beispielsweise in der Textilindustrie im vierten Lehrjahr: 1040 Euro brutto im Monat verdienen die Azubis in Hessen, nur 800 Euro in Ostdeutschland. Lehrlinge in der Holz und Kunststoff verarbeitenden Industrie erhalten in Mecklenburg-Vorpommern 523 Euro, in Baden-Württemberg dagegen 928 Euro. Auch im Transport- und Verkehrsgewerbe gibt es große Unterschiede: Lehrlinge in Baden-Württemberg verdienen 890 Euro und damit über 500 Euro mehr als Azubis in Mecklenburg-Vorpommern.

Geringe Unterschiede macht das Institut dagegen in der Metall- und Elektroindustrie aus, wo die regionale Schwankung 87 Euro beträgt. Auch in der chemischen Industrie variieren die Vergütungen mit 938 Euro im Osten und 1020 im Bezirk Nordrhein nur geringfügig.

Die Azubi-Gehälter sind nach Angaben des Instituts im vergangenen Jahr überwiegend gestiegen, zwischen 2,4 Prozent in der Energiewirtschaft und bis zu zehn Prozent in der Gebäudereinigung.

Anders als das WSI, das die Vergütungen 30 ausgewählter Branchen auswertete, untersuchte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Azubi-Gehälter einzelner Berufe. Die Ergebnisse für 2013 veröffentlichte das Institut im Januar. Demnach verdienen angehende Friseure in Ostdeutschland am wenigsten. Im dritten Lehrjahr haben sie nur 341 Euro brutto in der Tasche.

Lehrstellen im Baugewerbe nehmen dagegen auch dem BIBB zufolge sämtliche Spitzenplätze ein, unter anderem westdeutsche Maurer, Straßenbauer und Stukkateure. Sie alle kommen auf 1299 Euro brutto im Monat. Umso plausibler wirken da die markigen Werbesprüche für Bauberufe: "Du stehst auf der Straße und hast trotzdem Geld in der Tasche."

Lehrlingstarife Top 5 - Flop 5

Branche Tarifbereich Euro
Beste Tarife
1 Bauhauptgewerbe West (ohne Hamburg und Berlin-West), gewerblich 1460
2 Öffentlicher Dienst Pflege Länder, West und Ost 1103
3 Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg 1094
3 Chemische Industrie Rheinland-Pfalz und Saarland 1094
5 Textilindustrie Hessen 1040
5 Energie NRW (GWE-Bereich) 1040
Niedrigste Tarife
5 Bekleidungsindustrie Saarland 594
4 Hotel- und Gaststättengewerbe Niedersachsen: Bezirk Oldenburg 566
3 Holz und Kunststoff verarbeitende Industrie Mecklenburg-Vorpommern 523
2 Gebäudereinigerhandwerk Sachsen-Anhalt kaufmännisch 458
1 Transport- und Verkehrsgewerbe Mecklenburg-Vorpommern, gewerblich 345

Quelle: WSI Tarifarchiv.
Herangezogen wird jeweils das letzte Lehrjahr und der Tarif für Über-18-Jährige.
Aktuelle Tariferhöhungen sind bis April 2014 berücksichtigt.

ant



insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
winipek 07.05.2014
1. Und dann?
Zitat von sysopDPABis zu 1400 Euro im Monat: Azubis im Bauhandwerker werden ordentlich bezahlt. In anderen Branchen erhalten Lehrlinge nicht einmal ein Viertel davon, zeigt eine neue Studie. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/azubi-gehalt-lehrlinge-am-bau-verdienen-am-meisten-a-967948.html
Leider steigt das Gehalt aber auch nicht nach der Lehre ...
tobit 07.05.2014
2. optional
2008, drittes Lehrjahr Fotograf: 325€
schensu 07.05.2014
3. Sehr schön
Zitat von sysopDPABis zu 1400 Euro im Monat: Azubis im Bauhandwerker werden ordentlich bezahlt. In anderen Branchen erhalten Lehrlinge nicht einmal ein Viertel davon, zeigt eine neue Studie. http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/azubi-gehalt-lehrlinge-am-bau-verdienen-am-meisten-a-967948.html
Wenigstens hier ist die Welt wieder halbwegs in Ordnung. Der nicht nur eingebildete Fachkräftemangel, wie in anderen Branchen, erhöht folgerichtig die Vergütung. Die Schwere der Arbeit wird ebenfall eingepreist. Ob damit allein allerdings hellere Köpfe Zugang zu dieser immer komplexer werdenden Materie finden - wer weiß? Früher war der koffertragende Azubi im warmen Büro Mamas Wunsch. Und heute sollte es "irgendwas mit Medien" sein...
clemens.hanske 07.05.2014
4.
Wo liegen denn dabei bitte die Gesundheitsberufe wie Pflege oder Therapeuten? Da wird teilweise gar nichts gezahlt oder noch Schulgelder fällig...
basiliusvonstreithofen 07.05.2014
5. Schmerzensgeld auf dem Bau
Die Baufirmen müssen diesen Betrag zahlen, damit sie überhaupt Lehrlinge bekommen. Nach der Lehre wird erstmal ausgestellt und die jungen Leute gehen zum "Stempeln". Nur mit Zuschüssen vom Staat werden sie dann, wenn überhaupt, als gewerbliche Arbeitnehmer eingestellt, wobei das Gehalt gegenüber den Bezügen als Lehrling sich kaum unterscheidet. Der Bau kann gar keine Ganzjahrestätigkeit mehr bieten. Lohndumping aus Osteuropa tun ein Übriges. Unabhängig davon ist es eine schmutzige, anstrengende Arbeit, mit Unterkünften in Baubuden und Auswärtsbeschäftigung. Das gesellschaftliche Ansehen ist nur sehr gering. Mit 40 plus ist man körperlich kaputt und ein Wrack. Erfahrungsgemäß haben Bauberufe die geringsten Lebenserwartungen. Finger weg von den Bauberufen!
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