Azubi-Mangel Jeder dritte Betrieb findet keinen Lehrling

Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt, jeder zehnte Betrieb bekommt nicht mal eine einzige Bewerbung auf seine Ausschreibung. Aber unter Studienabbrechern werden Ausbildungen immer beliebter.

Auszubildender und Berufsschullehrer (Symbolbild)
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Auszubildender und Berufsschullehrer (Symbolbild)


Jeder dritte Betrieb in Deutschland findet keine Lehrlinge, wie eine Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zeigt. Das sei ein bedrückender Rekord, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer bei der Vorstellung der Befragung in Berlin. 34 Prozent der befragten Firmen konnten 2017 ihre Lehrstellen nicht besetzen. Es sei der "höchste jemals in unserer Ausbildungsumfrage ermittelte Wert", so Schweitzer.

Rund 10.300 Unternehmen hatten im April und Mai an der Online-Befragung des DIHK teilgenommen. Dabei gab jede zehnte Firma an, keine einzige Bewerbung auf ihre ausgeschriebenen Ausbildungsplätze erhalten zu haben.

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Den Fachkräftemangel gebe es nicht nur bei Lehrern, Erziehern und Pflegern, sondern auch bei Mechatronikern, Fachinformatikern und Köchen, sagte Schweitzer. Verschärft werde die Situation dadurch, dass immer mehr erfahrene Mitarbeiter der Baby-Boomer-Generation in Rente gehen.

Und auch Betriebe, die auf ihre freien Lehrstellen Bewerbungen erhalten, stünden vor großen Herausforderungen, so Schweitzer: "Nicht immer sind die Bewerber für den Ausbildungsplatz geeignet. Zu häufig fehlen ihnen Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit oder Deutsch- und Mathekenntnisse."

Dass die Anforderungen der Unternehmen und die Qualifikationen und Wünsche der Bewerber nicht zusammenpassen, ist ein altbekanntes Problem. Trotz der vielen unbesetzten Lehrstellen gibt es auch Zehntausende Jugendliche, die gern eine Ausbildung machen würden, aber keine Lehrstelle finden.

Und setzt man die Zahl der 2017 abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse in Relation zu den rückläufigen Schülerzahlen, ergibt sich sogar ein Plus an Lehrlingen - weil sich mehr Studienabbrecher für eine duale Ausbildung entschieden haben und Betriebe sich zunehmend auch um lernschwächere Jugendliche und Geflüchtete bemühen.

Die Zahl der Studienabbrecher, die von der Uni in eine Ausbildung starten, hat sich von 22 Prozent im Jahr 2008 auf 43 Prozent erhöht. Vor vier Jahren gaben weniger als 70 Prozent der Betriebe an, auch lernschwächere Jugendliche auszubilden - nun sind es fast 80 Prozent. Und jedes siebte Unternehmen der Industrie- und Handelskammern bildet mittlerweile Geflüchtete aus, nach Hochrechnungen sind das knapp 20.000 junge Menschen.

lie/dpa



insgesamt 55 Beiträge
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Moone 18.07.2018
1. Alle Jahre wieder...
Arbeitsbedingungen und Lohn solange sich dort nichts ändert wird kann es nicht zuwenig Azubis geben. Mit dem normalen Azubigehalt kann man sich bei den jetzigen Wohnungspreisen nichtmal ein Zimmer leisten. Wenn ich höre manche bekommen nur 300 400 euro das reicht kaum fürs Essen, Wg zimmer kosten bei uns im Schnitt 420 euro. Aber es kann nicht so dringend sein sonst würde sich beim Gehalt was ändern
Hamberliner 18.07.2018
2. doch so gewollt
Das Personal wird doch von Seehofer, Savini, Kurz/Kickl und Orban abgewiesen. Es soll nach deren Meinung nicht unsere Wirtschaft in Schwung halten und hier Steuern und Rentenbeiträge erwirtschaften. Deutsch muss man hierzulande allenfalls bei Kunden- oder Patientenkontakt können, und in ausreichendem Umfang für die Altenpflege oder das Friseurhandwerk lässt sich Deutsch in wenigen Monaten lernen. Ansonsten sollte jeder Handwerksmeister, der sich mit mehr als nur uhh-uhh verständigen kann, Englisch können, und das können ausreichend viele Migranten auch, das reicht zum Kochen, Schreinern, Fräsen und Schrauben.
nikaja 18.07.2018
3. wem soll man glauben?
Ein junger Mann, mit guten Deutschkenntnissen, einer leichten Lernbehinderung, die durch hohe Motivation und bewiesenem Durchhaltevermoegen ausgeglichen wird suchte vergebens eine Lehrstelle als Industrie-Elektriker in Berlin und Umgebung. Keine Betrieb fand sich. Er landete in einem vom Tuev geprueften Ausbildungsverein und war erschuettert. Was hier passiert, unter den billigenden Augen von Industrie-und Handelskammer ist Geldvernichtung pur. Wenig motivierte Trainer, kein Material und vorbei an den Markterfordernissen des Berufs. Aber die Statistik stimmt. Zudem ist anzumerken, dass Industrie-und Handelskammer keine Unterstuetzung geben Ausbildungsbetriebe zu finden. Diese Institution verwaltet ( sich selbst) Ich lese, solche Berichte mit Skepsis. Wenn wirklich solch ein Mangel herrschen wuerde, wuerden wirkungsvollere Massnahmen ergriffen.Zudem gibt es genug junge asylsuche Menschen, die eine Ausbildung machen wollen. Was tun die Betriebe hier? Wie finden zukuebftige Azubis und Ausbildungsbetrieb zu einander. In jedem Falle nicht durch Arbeitsamt oder Industrie-und Handelskammer.
barklug 18.07.2018
4. Löhne?
Entgegen der Meinung anderer Foristen zu ähnlichen Artikeln ist es eben nicht so, dass Mitarbeiter in Zulieferbetrieben für die großen IG-Metallfirmen automatisch auch nach Ig-Metalltarif bezahlt werden. Vielleicht würde ja hier auch ein Anreiz liegen...
GoaSkin 18.07.2018
5. @Moone
Ein Ausbildungsgehalt war schon immer eher als Zubrot gedacht und nicht, um seinen Lebensunterhalt davon vollständig zu bestreiten. Wie auch bei Studenten (die ohne Nebenjob garnichts verdienen) stehen zunächst die Eltern in der Pflicht, wobei es eine staatliche Förderung gibt, sofern das den Eltern nicht zumutbar ist. Bei Azubis nennt sich das BAB statt Bafög.
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