Ausbildungsplätze Hauptschüler punkten vor allem in Kleinbetrieben

Kuscheliger Handwerksbetrieb oder lieber Großkonzern? Wer jetzt eine Ausbildungsstelle sucht, hat oft wenig Auswahl. Eine neue Untersuchung zeigt: Bestimmte Branchen bevorzugen Abiturienten, bei anderen kommen Hauptschüler besser unter.

Kleine Bäckerei: Gute Chancen für Hauptschüler
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Kleine Bäckerei: Gute Chancen für Hauptschüler


Das Schuljahr geht zu Ende, überall im Land suchen junge Menschen nach einem Ausbildungsplatz. Wo sind die Chancen am größten?

Kommt darauf an. Die meisten Ausbildungsstellen gibt es bei Großbetrieben, und zwar nicht nur aufgrund ihrer Größe, sondern weil 97 Prozent der großen Unternehmen in Deutschland Auszubildende beschäftigen. Dieser Anteil liegt bei den Kleinbetrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern nur bei 75 Prozent.

Das geht aus einer Untersuchung des Ifo-Instituts und des Personaldienstleisters Randstad hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Dafür wurden rund 1000 Personalverantwortliche in allen Bereichen der deutschen Wirtschaft befragt, ob sie ausbilden und welche Schulabschlüsse sie dabei bevorzugen. Als große Betriebe gelten dabei alle mit mehr als 500 Mitarbeitern.

Abiturienten landen oft im verarbeitenden Gewerbe

Besonders interessant dürfte ein Ergebnis für Hauptschüler sein, die es immer schwerer haben, sich gegen Bewerber mit Mittlerer Reife oder Abitur durchzusetzen: Sie haben vor allem in kleineren Betrieben gute Aussichten. In dieser Kategorie gaben 22 Prozent der Befragten an, dass bei ihnen Hauptschüler die Mehrheit der Azubis bilden. In mittleren Betrieben fällt dieser Anteil auf 9 Prozent. Unterscheidet man nach Branchen, stellt vor allem der Dienstleistungssektor häufig Hauptschulabgänger ein.

Umgekehrt heißt das, dass Abiturienten besonders häufig in großen Firmen unterkommen: Die Mehrheit bilden diese Mitarbeiter in 72 Prozent der Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten. Außerdem treten sie besonders häufig im verarbeitenden Gewerbe ihren Job an, also in Industriebetrieben.

Die Umfrage ist Teil der vierteljährlichen Flexindex-Erhebung. Dabei fragen Ifo und Randstad, wie sich der Einsatz von Instrumenten zur flexiblen Gestaltung von Arbeit entwickelt, zum Beispiel Überstunden, Arbeitszeitkonten, Fristverträge, Minijobs oder Zeitarbeit.

Dabei zeigt sich, dass seit Jahresbeginn der Einsatz von externen Arbeitskräften - etwa über Minijobs - zurückgegangen ist. Da dürfte ein Zusammenhang mit dem neu eingeführten gesetzlichen Mindestlohn bestehen, der seit Januar gilt. Die Forscher halten es für "denkbar, dass dadurch in den Unternehmen die Verunsicherung zunimmt und zusätzliches Personal nun zurückhaltender eingesetzt wird als in den Quartalen zuvor".

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nochnbier 01.07.2015
1. Mit dem höheren Bildungsgrad hat das aber nicht viel zu tun.
Selbst grottenschlechte Abiturienten werden noch eingestellt, weil sie schon volljährig sind. Viele Ausbildungsbetriebe drücken sich nämlich gerne um den Arbeitsschutz. Wenn der Azubi noch nicht volljährig ist dürfen bestimmte Tätigkeiten nicht selbständig ausgeführt werden ...
fatherted98 01.07.2015
2. In Handwerksbetrieben...
...sind zwischenzeitlich auch mehrheitlich Arbiturienten gefragt (Ausnahmen gibts natürlich auch...Friseure zum Beispiel). In den technischen Berufen braucht es immer mehr Mathe und PC-Wissen...das können auch gute Hauptschüler nicht mehr leisten. Im übrigen wundert mich aber, dass es einen Lehrstellenmangel geben soll...tja...bildet halt keiner mehr aus...aber nach Fachkräften schreien...
Subco1979 01.07.2015
3.
Sooo... dann wollen wir mal Reporterarbeit bzw. Arbeit der Medien (hier: des Spiegels) übernehmen und statt Nachgeplaudere von "Meldungen" auch mal Recherche betreiben: Von wem stammt die Studie bzw. deren Finanzierung? Randstad: 1. Punkt Struktur: Mit 68 Prozent bildete 2010 das Segment der Leiharbeit („Staffing“) den größten Anteil am Gesamtumsatz des Konzerns. 2. Punkt Kritik: In der Sendung „Monitor“ (ARD)[6] vom 24. November 2011 wird der Umgang mit „Arbeitszeitkonten“ bei Randstad kritisiert. Entgegen dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) § 11 Abs. 4[7] wälze Randstad hier das Risiko einsatzfreier Zeiten auf den Mitarbeiter ab. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Randstad_Holding Ob dies dazu führt, dass Randstad eine nicht-neutrale Sicht auf die Einschränkungen der Gewinnspanne durch Mindestlöhne hat, überlasse ich dem selbstdenkendem Leser. Ifo-Institut: Absatz Kritik: Da der Absatz zu lang für einen Kommentar ist, die Kurzfassung in eigenen Worten: Sie können durchaus sehr gute Forschungsarbeit leisten, sind aber in der Vergangenheit mehrfach dadurch aufgefallen, dass Ergebnisse einiger Forschungsprojekte nicht wissenschaftlichen Standards entsprechen. Dem Leser sei die vollständige Lektüre des genanten Absatzes sowie des ersten Absatzes "Rechtstellung und Finanzierung" nahegelegt. Kurz: Die Finanzierung des Institutes erfolgt durch sowohl öffentliche als auch private Gelder, je mnach Projekt. Quelle ebenfalls: https://de.wikipedia.org/wiki/Ifo_Institut_für_Wirtschaftsforschung An Spiegel-Redaktion: Da öfter mal von Ihnen und Ihren Kollegen anderer Medien beklagt wird, dass "die Medien" einen schlechten Ruf bekommen hätten (Stichwort: Lügenpresse), weise ich darauf hin, dass das fehlen dieser einfachen Recherche zu einem hier veröffentlichten Artikel eines der Bausteinchen ist, die zu so etwas geführt haben: Als Leser ist es oft schwer, die Artikel in Werbung, Nachrichten, Fakten und subjektiven Kommentaren zu unterscheiden, da alles gleichheitlich veröffentlicht wird. Ob diese gleichheitliche Veröffentlichung extra gewollt ist (Meinungsmache, Partnerschaftliche Werbung) oder durch Schlamperei in der Hektik entsteht, ist für den Effekt dabei nebensächlich.
_freidenker_ 01.07.2015
4. Wundert nicht
Das wundert doch niemanden, dass begehrtere Stellen (iE. große Firmen) eher von durch Besserqualifizierte besetzt werden. Ein Konzern kann sich i.d.R. aussuchen wen er als Azubi einstellt, der Bäcker um die Ecke hat oft Probleme überhaupt irgendwen (geeignetes) zu finden. Und da das Abitur heutzutage sowieso nur noch einem Bruchteil des Anspruches von früher genügen muss ist auch die Zahl der Abiturienten und damit das Angebot an solchen stark gestiegen.
MeFFM 01.07.2015
5. Da bestätigt sich doch die Aussage
Das kleinere Betriebe große Probleme haben qualifizierte Berufseinsteiger zu finden. Offensichtlich überlässt man es den Kleinbetrieben die Hauptschüler irgendwie in Lohn und Brot zu bekommen und nimmt hin, dass die besser gebildeten in die Jobs/Unternehmen einsteigen, die bessere Löhne und Aufstiegschancen bieten. Da ist die Ausweitung der sozialen Kluft quasi vorprogrammiert!
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