Was Azubis verdienen Maurer ganz vorn, Friseure abgehängt

Viel Plackerei, wenig Geld - eine Lehre finden Jugendliche oft nicht attraktiv. Dabei führt der Azubi-Mangel zu deutlichen Aufschlägen bei der Tarifbezahlung. Maurer verdienen jetzt über 1000 Euro, Bäcker und Friseure nur etwa halb so viel.


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Azubi-Löhne: So viel Geld gibt es in der Ausbildung
Mehr freie Stellen, weniger Bewerber: Vor allem Handwerksbetriebe tun sich schwer damit, Lehrlinge zu finden. 2013 gab es erstmals mehr Studienanfänger als Azubis. Damit Lehrstellen nicht unbesetzt bleiben, locken deutsche Firmen Interessenten bereits mit Prämien oder sogar mit Dienstwagen.

Für Auszubildende hat der Nachwuchsmangel in etlichen Berufen durchaus erfreuliche Folgen: Zum dritten Mal in Folge sind im vergangenen Jahr die tariflichen Ausbildungsvergütungen deutlich gestiegen. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) verdienten Azubis im Westen durchschnittlich 802 Euro brutto pro Monat - 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Ostdeutsche Jugendliche brachten 737 Euro (plus 4,1 Prozent) nach Hause. Das sind rund 170 Euro mehr als noch vor acht Jahren.

Laut Bericht profitierten die Azubis vor allem von einer vergleichsweise guten Wirtschaftlage in Deutschland, aber auch von den stark sinkenden Schulabgänger-Zahlen. So lag im Jahr 2006, als es noch weniger Stellen als Bewerber gab, die Steigerungsrate bei den Azubi-Gehältern lediglich bei einem Prozent.

Erst als 2012 Tausende freie Stellen nicht besetzt werden konnten, wandelte sich das Bild: Seitdem steigen die Azubi-Löhne kontinuierlich durchschnittlich um vier bis fünf Prozent. Da in Ostdeutschland bereits 2008 die Schülerzahlen stark sanken, gibt es dort bereits in den Jahren 2009 und von 2011 bis 2014 deutliche Sprünge bei den Ausbildungsvergütungen.

Leichtlohngruppe: Floristen, Bäcker und Friseure

Spitzenverdiener der Azubis sind Jugendliche, die auf dem Bau oder im Maschinen- und Anlagenbau arbeiten. So haben Maurerlehrlinge im Westen durchschnittlich mehr als 1000 Euro brutto im Monat auf dem Konto, angehende Mechatroniker immerhin 964 Euro (Osten: 943 Euro). Ebenfalls in der Spitzengruppe liegen Versicherungskaufleute mit 961 Euro im Monat, im Mittelfeld Dachdecker, Gebäudereiniger oder Gärtner (700 bis 800 Euro).

Die, die immer schon wenig verdienten, hinken immer noch deutlich hinterher: Angehende Floristen (572 Euro), Bäcker (570 Euro) und Friseure (474 Euro) verdienen nur rund die Hälfte von dem, was ihre Kollegen vom Bau bekommen. Friseurlehrlinge im Osten schneiden am schlechtesten ab: Sie erhalten nur 269 Euro - zum Leben reicht das nicht.

Männer im Vorteil

Nach wie vor verdienen männliche Azubis im Durchschnitt mehr als weibliche. Das liege an der Berufswahl, sagt die BIBB-Expertin Ursula Bericht: "In Berufen, in denen weit überwiegend junge Männer ausgebildet werden, sind die Ausbildungsvergütungen teilweise sehr hoch. Umgekehrt werden in Berufen, in denen junge Frauen sehr stark vertreten sind, häufig relativ niedrige Vergütungen gezahlt."

In der Regel gilt jedoch: Der Markt reguliert den Preis; je geringer die Bewerberzahlen, umso höher die tariflichen Steigerungen. Während Fleischer nur 2,3 Prozent mehr verdienten als im Vorjahr, stieg die Vergütung bei Köchen um knapp fünf Prozent, im Westen wie im Osten.

Insgesamt verteilten sich die tariflichen Ausbildungsvergütungen in 179 erfassten Berufen im Westen Deutschlands so: Ein Drittel der Azubis kam auf monatliche Beträge von mehr als 900 Euro. Über 60 Prozent erhielten zwischen 600 und 900 Euro; nur sieben Prozent verdienten weniger als 600 Euro. Ein wenig anders das Bild in Ostdeutschland: Dort verdienten 22 Prozent der Auszubildenden 900 Euro und mehr, knapp die Hälfte zwischen 600 und 900 Euro. 29 Prozent gingen mit weniger als 600 Euro nach Hause.

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Azubis gesucht: Und wer soll jetzt den Tisch decken?

sid

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Leser161 08.01.2015
1. Versteh ich nicht
Der Haarschnitt ist jetzt ein relative kleiner Posten aufs Jahr gesehen. Gerne gebe ich da ein paar EUR mehr aus, zu Mal der Haarschnitt anderen Menschen als Erstes ins Auge fällt. Die seit einigen Jahren wuchernden Billigfrisöre verstehe ich daher nicht.
chb_74 08.01.2015
2. Billiges Äußeres
Zitat von Leser161Der Haarschnitt ist jetzt ein relative kleiner Posten aufs Jahr gesehen. Gerne gebe ich da ein paar EUR mehr aus, zu Mal der Haarschnitt anderen Menschen als Erstes ins Auge fällt. Die seit einigen Jahren wuchernden Billigfrisöre verstehe ich daher nicht.
Es gibt ganz offensichtlich genug Menschen, denen ihr Äußeres/ihre Außenwirkung ziemlich egal ist bzw. die ein sehr spezielles Geschmacksempfinden haben. Um es mal etwas platt-provokativ zu sagen: wer sich mit billig aussehenden Billigklamotten behängt und sich körperlich gehen lässt, wird kaum viel in eine gute Frisur investieren. Da ist Geld für Tabak und Alkohol im Zweifel leichter ausgegeben. Solche Leute gehen dann eben zum 5-Euro-Haareschneider und nicht zum Friseur, der ihnen für 15-20 EUR eine anständige Frisur verpasst, die vielleicht auch mal 2 Wochen länger noch gut aussieht (was dann übers Jahr gesehen doch wieder Geld spart).
Vene06 08.01.2015
3. Solange...
...hier in meiner Region (Nordbrandenburg) von 48 Auszubildenden Bürokaufleuten in einer Berufsschule nur 1 über 450€ Brutto Lehrlingsgeld hat kann ich diese Statistik nich glauben. Bei uns wird für die Azubigehählter Vollzeit mit Facharbeiter gearbeitet.
keromida 08.01.2015
4. Irrationale Statistik
Ich muss sagen, dass mich diese Statistik mehr als nur skeptisch stimmt. In meiner Ausbildung habe ich damals im ersten Lehrjahr gerade einmal 270? Netto gehabt im Handwerk. In meiner Berufsschulklasse hatten gerade mal 3 von 27 Schülern 50? mehr am Ende des Monats gehabt. Ich kann beim besten Willen dieser Statistik keinen Glauben schenken. Eine Ausbildung ist heutzutage aus meiner Sicht in kleinster Weise tragbar, solange nicht vernünftige Einkommen für jeden Auszubildene gelten, egal aus welcher Branche er kommt, da man definitiv nicht von etwas um die 300? leben kann. Wenn man auch noch in eine andere Stadt ziehen muss, weil man sonst keinen Ausbildungsplatz bekommt, dann ist das schon gar nicht mehr möglich.
hj.binder@t-online.de 08.01.2015
5. Azubi und Hartz IV
Seit 10 Jahren gibt es Hartz IV, genau so lang ist es ein Problem für Hartz-IV Kinder. Seit den großen "Reformen" ist der Rechtsanspruch von Kindern in Hartz-IV-Familien zertrümmert: Es gibt nur noch einen Haushaltsvorstand, es gibt nur noch ein Jobcenter, Kinder-und Jugendhilfe gibt es nicht mehr. Sollte z.B. geschehen, dass ein 16-jähriger junger Mensch einen Ausbildungsvertrag, z.B. auf dem Bau (1.000 Euro) erhält, vergreift sich das Jobcenter sehr schnell an dem Geld. Die 1.000 gehören nicht dem jungen Menschen, der dafür lernt und arbeitet, sondern das Lehrlingsgeld wird als "Einnahme" mit der Bedarfsgemeinschaft verrechnet. Dem Lehrling bleiben 280 Euro, das reicht nicht für Arbeitskleidung und vor allem Essen (auf dem Bau). Das nenne ich Raub, ähnlich wie der Rentenraub, der schon 2001 von Schröder und Kumpanen zugunsten der "Wirtschaft" durchgezogen wurde. Ach ja, noch was: In den letzten 10 Jahren wurden Mindes 1 Billion Euro ausser Landes gebracht; die Wertschöpfung war im Inland (durch Arbeit, durch Lohn-und Rentenraub, durch Kürzung der notwendigen Sozialleistung, kurz durch "Reformen"). Quelle:http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article123455116/Weltweit-finanzieren-unsere-Ersparnisse-Konsum.html
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