Tipps für Praktikanten Barclays-Banker verfasst zehn Gebote - und muss gehen

"Nimm immer eine zweite Krawatte mit - falls dein Chef mal eine Serviette benötigt." Ein Wall-Street-Analyst hat Praktikanten zehn sarkastische Ratschläge gegeben. Und damit gleich zwei Jobs verloren.

Corbis

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"Ich empfehle euch, ein Kissen mit ins Büro zu bringen (eine Yoga-Matte geht auch), das macht das Schlafen unter dem Schreibtisch wesentlich komfortabler." So beginnt das siebte von zehn Geboten, die Barclays-Analyst Justin Kwan für Praktikanten zusammengestellt hat.

Kwan verschickte eine sonderbare Mail: "Willkommen in der Profi-Liga, Jungs und Mädels. Schluss mit lustig, schnallt euch an." Die Ratschläge für angehende Investmentbanker dürften in der Branche für einige Lacher gesorgt haben. Bei seinen Vorgesetzen kamen sie offenbar nicht gut an. Nach Informationen vom manager magazin hat Kwan die Bank mittlerweile verlassen.

Wie das US-Magazin "Gawker" berichtet, kostete Kwan die E-Mail an angehende Praktikanten nicht nur einen, sondern sogar zwei Jobs. Kwan habe Barclays ohnehin verlassen wollen und schon eine Stelle bei der Carlyle Group in Aussicht gehabt. Doch nach der E-Mail-Aktion habe die Investmentfirma ihr Angebot zurückgenommen.

Serie von Todesfällen

Kwan hatte neuen Praktikanten unter anderem geraten, immer als letzter das Büro zu verlassen und stets eine Zweitkrawatte mitzunehmen für den Fall, dass einer der Vorgesetzten eine Serviette benötige (eine Übersicht über die Ratschläge finden Sie hier). Seine zehn Gebote sind ein Scherz. Aber einer, bei dem das Lachen leicht im Hals stecken bleibt.

Die Arbeitsbedingungen bei Großbanken in den Metropolen mit Stress, langen Arbeitstagen und fehlenden Pausen führen immer wieder zu Schlagzeilen. So soll der deutsche Praktikant Moritz Erhardt drei Nächte lang in der Londoner Niederlassung der Bank of America Merrill Lynch durchgearbeitet haben, bis er tot in der Dusche umfiel. Vor wenigen Wochen stürzte ein 29-jähriger Banker des Investmenthauses Moelis & Company unter ungeklärten Umständen in New York in den Tod. Kurz zuvor soll ein 22-Jähriger Goldman-Sachs-Mitarbeiter an Überarbeitung gestorben sein.

Humoreske Tipps mit ernstem Kern an Praktikanten passen Großbanken da nicht ins Konzept. Barclays wollte sich zum Fall Kwan auf Nachfrage vom manager magazin nicht äußern. Die Bank hat sich allerdings klar von dem Schriftstück distanziert: "Wir haben Grundsätze und Richtlinien, anhand derer Angestellte wertvolle Erfahrungen sammeln können, aber gleichzeitig auch eine gesunde Work-Life-Balance bewahren."

Geboteschreiber Kwan hat nun womöglich Zeit, seine Ratschlag-Liste um ein sehr kurzes, aber umso hilfreicheres elftes Gebot zu erweitern:

"Verfasse keine Gebote. Nie."

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@GSElevator: Das angeblich Beste aus dem Fahrstuhl von Goldman Sachs

AFP/mamk

insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
pandur1234567@yahoo.com 10.06.2015
1.
So viel zu dem Thema das die BRD größere Meinungsfreiheit hat als die DDR... In der DDR konnte man immer seine Meinung zum Arbeitsplatz sagen ohne seinen Job zu verlieren, nur politische Statements waren begrenzt. Aber das ist hier ja auch der Fall siehe Frau Eva Herman....
!!!Fovea!!! 10.06.2015
2. Gute Lachnummer
....aber: Warum soll das schlimm sein? In Deutschland wachsen auch immer mehr die Überstunden an. Zeitverträge sind Usus. Wir sind doch auf dem besten Weg sich den "American way of life" anzueignen. Gehen Sie mal in ein Krankenhaus, wie Assistenzärzte vor den Hr. Prof. buckeln....das ist nichts anderes. Deutschlands Firmen tun immer nur so liberal, die sind ebenfalls auf einem guten Weg dorthin, den Praktikanten und die Arbeitnehmer auszubeuten.
sponner_hoch2 10.06.2015
3.
Oh man, wie humorlos kann man sein? Das verringert natürlich ganz klar den Stress und verbessert ungemein das Arbeitsklima, wenn nicht mal mehr scherzen darf. Ich war schon davor "typisch amerikanisch" zu schreiben - ich befürchte nur, in Deutschland driftet's auch immer mehr in diese Rrichtung.
zerr-spiegel 10.06.2015
4. Zeit
Er hat vor allem Zeit, seine Zeit bei Barclays in einem Buch aufzuarbeiten. Vielleicht bleibt den Bossen dann mal richtig die Luft weg.
Bueckstueck 10.06.2015
5. Investmentbanken
Sie beuten Menschen hemmungslos aus, auch ihre eigenen Angestellten, verursachen Chaos und Zerstörung mit dem Füllfederhalter und kosten die Allgemeinheit Abermilliarden - und wenn ein kleiner Angestellter diesen Zirkus mal auf die Schippe nimmt, dann macht man ihm halt auch mal die Karriere kaputt,
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