Problemschulen Berliner Lehrer sollen Brennpunkt-Zulage bekommen

Beleidigungen, Mobbing, Messerattacken - an einigen Berliner Schulen ist das Alltag. Die Arbeit an sogenannten Brennpunktschulen soll für Lehrer künftig mit einer Zulage von 300 Euro vergütet werden.

Zwei Schüler prügeln sich (Archivbild)
dpa

Zwei Schüler prügeln sich (Archivbild)


Berlin will Lehrer an Brennpunktschulen stärken: Pädagogen, die an solchen Schulen arbeiten, sollen 300 Euro brutto mehr erhalten als Lehrer an anderen Schulen. Die rot-rot-grüne Koalition hat sich dazu auf eine Regelung geeinigt, wie die "Berliner Zeitung" meldet.

Von dem zusätzlichen Budget, mehr als 17 Millionen Euro für zwei Jahre, sollen auch Erzieher profitieren, sagte die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Maja Lasic.

"Das ist natürlich nicht die Antwort auf den Fachkräftemangel - ehrlicherweise werden 300 Euro nicht ausreichen, um jemanden in den Wedding zu locken", teilte Lasic auf SPIEGEL-Anfrage mit. "Es geht uns darum, Anerkennung für die besonderen Ansprüche an die Arbeit von Lehrern in solchen Schulen zu zeigen."

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wer bekommt die neue Zulage - und wie viel?

Von der Zulage würden 2000 von etwa 30.000 Lehrkräften in Berlin profitieren, also etwa jeder 15. Lehrer. Auch Erzieher, die als Quereinsteiger an diesen Schulen tätig sind, sollen mehr Geld bekommen. Für sie steht jedoch keine konkrete Summe fest. Die Zulage könnte bei ihnen nur über eine höhere Gehaltsstufe ausgezahlt werden und würde zwischen 70 und 350 Euro liegen.

Wie werden die Schulen ausgewählt?

Die Regelung soll für Schulen gelten, an denen mehr als 80 Prozent der Schüler aus Familien stammen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind. Demnach könnten gut 50 der mehr als 700 Berliner Schulen davon profitieren. Die meisten davon liegen im Wedding und in Neukölln.

Was ist überhaupt eine Brennpunktschule?
    Eine klare Definition gibt es nicht. Als Brennpunkte gelten unter anderem Gebiete, die häufiger von Arbeitslosigkeit, Armut oder Integrationsschwächen betroffen sind als andere. Der Berliner Senat unterstützt beispielsweise vor allem Schulen, die von ärmeren Kindern besucht werden. Wenn mindestens die Hälfte der Schüler von der Zuzahlung von Lehrmitteln befreit ist, hat sie Anrecht auf ein Bonusprogramm, das zusätzliche Unterstützung vorsieht. Das gilt zum Beispiel für Kinder, deren Eltern Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Wohngeld oder Bafög beziehen oder für Kinder, die in Pflegefamilien oder Heimen leben.

Warum braucht es eine Brennpunkt-Zulage?

Die Besserstellung für Brennpunkt-Lehrer soll verhindern, dass ausgerechnet an solchen Schulen Stellen dauerhaft unbesetzt bleiben, an denen Schüler ohnehin benachteiligt sind.

In der Hauptstadt wurden laut Lehrerverband im Jahr 2016 erstmals wieder "merklich ansteigende Zahlen schulischer Gewaltvorfälle polizeilich registriert". Dabei finden 43 Prozent dieser Gewaltvorfälle in einem vergleichsweise kleinen Teil Berlins statt - vermutlich an Brennpunktschulen.

Ab wann kann die Zulage kommen?

Neun Monate hat es gedauert, bis sich die Koalition einigen konnte. Nun muss noch der Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) zustimmen. Zudem wäre für eine Zulage bei den Lehrkräften eine Gesetzesänderung nötig. Diese soll im September auf den Weg gebracht werden. Maja Lasic rechnet damit, dass die neue Zulage noch in diesem Jahr gezahlt wird. Bildungssenatorin Sandra Scheres (SPD) will sich bei einer Pressekonferenz am Donnerstag dazu äußern.

Video: Neukölln - Leben im Brennpunkt (SPIEGEL TV 2008)

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insgesamt 78 Beiträge
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Planquadrat 14.08.2018
1. Statt
Zulagen sollte die Politik endliche einmal knallharte Stärke zeigen gegenüber derer, von denen diese Gewalt ausgeht. Und ich denke dabei besonders an die Eltern, die für ihre Kinder doch eigentlich verantwortlich sein sollten. Anders wird man diese Zustände nicht in den Griff bekommen und es werden bald Zustände herrschen, die wir uns jetzt gar nicht erst vorstellen wollen. Und es wäre besser wenn man nicht nur von Sozialschwachen Familien sprechen würde, sondern auch klar benennen würde, dass dabei Kinder mit Migrationshintergrund weit in der Mehrheit beteiligt sind. Schließlich sind diese in den Klassen zu ca. 80 % vertreten.
Orthoklas 14.08.2018
2. 1. April?
Ja, damit löst man die Probleme! Vielleicht wäre es ratsamer, wenn die Kultusministerkonferenz endlich ihre Aufgaben macht, Lehrer schützt, besser ausbilden lässt und gegen ungehöriges Verhalten der Schüler vorgeht. Die Zulage ist blanker Hohn!
herbert 14.08.2018
3. Brennpunkt Zulage IRRE was da läuft !
Wie wäre es mal mit einem Gesetz was durchsetzbar ist ! Wo man Messer Schüler knallhart für 6 Monate in den Bau schickt und bei Wiederholung noch ein Jahr. Deutschland verkommt und verrohrt weil unsere Gerichte und Jugendämter die auffälligen Kinder behandelt wie im Streichelzoo. Wir haben ein Staatsversagen und das muss beseitigt werden !
decathlone 14.08.2018
4. Bei der Bundeswehr gibts 'Buschgeld' für Einsätze in Mali ...
... oder Afghanistan. Aber das jetzt Berlin in dieselbe Gefahrenstufe fällt, ist schon bestürzend...
knok 14.08.2018
5.
Es ist natürlich ein Zeichen der Wertschätzung, aber eine zeitliche Entlastung wäre sicherlich noch eher notwendig. Auch eine bessere Unterstützung und Ausbildung der Lehrer ist wichtig.
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