Ein Zimmermädchen erzählt "Am meisten nerven allein reisende Männer"

Ein Großteil der Gäste ist freundlich, aber nicht alle: Geifernde Männer und Urin auf dem Teppich sind Alltag im Hotel - und putzen, falten, schütteln im Akkord. Ein Tag im Leben eines Zimmermädchens.

Zimmermädchen im Hotel
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Zimmermädchen im Hotel

Aufgezeichnet von Sarah Wiedenhöft


Zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist in vielen Berufen jede Menge Platz. In der Serie "Das anonyme Job-Protokoll" erzählen Menschen ganz subjektiv, was ihren Job prägt - ob Tierärztin, Staatsanwalt oder Betreuer im Jobcenter.

"Sonntag, kurz vor zehn, schlängele ich, 23 Jahre, mich an hupenden Autos vorbei über eine vierspurige Straße. Ich muss mich beeilen, fast hätte ich verschlafen. Ich laufe vorbei an einem Mann in Uniform, der den Gästen die Tür eines hohen Gebäudes öffnet. Während sie in die Eingangshalle mit dem funkelnden Kronleuchter gelangen, betrete ich das Hotel durch den Hintereingang. Es stinkt hier ziemlich, der Müll des Hauses wird direkt vor der Tür entsorgt. In einem Nebenraum ziehe ich mich um: Hose, Bluse, Weste.

Einige Kolleginnen sind bereits da. Sie kommen aus Marokko, Kamerun, Iran. Alle umarmen sich zur Begrüßung. Ich bin die einzige Deutsche hier und habe ein paar Vokabeln Französisch gelernt, seit ich hier arbeite. Neue Sprachen lernen, das war mein Ziel. Deshalb habe ich im Hotel angefangen.

Gelernt habe ich den Beruf nicht, wie die meisten hier. Drei Tage bin ich mit einem anderen Zimmermädchen mitgegangen, bevor ich mein erstes Zimmer hergerichtet habe. Dafür gibt es einen strengen Ablaufplan. Ich war zu langsam. Aber ich war stolz, als das Zimmer fertig war.

Jeden Abend gibt es ein Training für die Crew, mit verschiedenen Übungen: Richtig anklopfen, Bettdecke falten. Mittlerweile, nach zwei Jahren im Hotel, beherrsche ich alles. Auch in der vorgegebenen Zeit. Man bekommt eine gewisse Routine, denn die Arbeitsabläufe sind immer gleich. Am Training muss ich deshalb nur noch selten teilnehmen.

Am meisten nerven allein reisende Männer

Nach der Begrüßung wird es hektisch. Betten machen, Bad putzen, lüften. 25 Zimmer reinige ich jeden Tag, pro Zimmer habe ich zwölf Minuten Zeit. Wenn ich es nicht in der vorgegebenen Zeit schaffe, bekomme ich Ärger von meiner Vorgesetzten und meine Pause schiebt sich nach hinten oder verkürzt sich sogar.

Am liebsten putze ich, wenn die Gäste nicht da sind. Dreimal muss ich klopfen, laut "Housekeeping!" rufen, und noch dreimal klopfen, bevor ich eintreten darf. Manchmal reagieren die Gäste nicht. Dann öffne ich die Tür. Mit meinem Generalschlüssel habe ich Zugang zu allen Zimmern. Mindestens einmal im Monat kommt es vor, dass ich Gäste beim Sex erwische. Dann schließe ich schnell die Tür. Wer nicht gestört werden will, benutzt am besten das rote Türschild. Wenn es nicht hängt: Pech gehabt.

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Das anonyme Job-Protokoll: So sieht der Alltag wirklich aus

Ein Großteil der Gäste ist freundlich, aber nicht alle. Am meisten nerven mich allein reisende Männer. Ich hasse es, wenn der Typ im Türrahmen lehnt, mit geöffnetem weißem Bademantel, unter dem ein massiver Bierbauch hervorschwabbelt. Trotzdem findet er sich total geil. Das nervt tierisch.

Meist bleibt er dann im Türrahmen stehen und beobachtet mich, während ich durch das Zimmer wirbele: Tagesdecke falten, Kopfkissen aufschütteln, glattstreichen, eine Tafel Schokolade mit dem Hotel-Logo auf jedem Kissen platzieren, Bad wischen und Handtücher tauschen.

"Die andere Hälfte des Bettes ist frei"

Auch die Kleidung des Herren, die er auf dem Boden verteilt hat, falte ich. Zum Abschied zaubert er einen Schein hervor, streckt mir das Geld gönnerhaft entgegen. Dann zeigt er auf das Doppelbett und grinst: "Die andere Hälfte ist frei."

Freundlich lächelnd lehne ich das Angebot ab und verlasse leise den Raum. Der Gast ist schließlich König.

Ein Mann hat mir sogar mal auf den Teppich uriniert. Ich glaube, dass er das absichtlich gemacht hat, weil er wusste, dass das Zimmer später von einer Frau gereinigt wird.

Etwas mehr als den Mindestlohn

Kurz nach 12: Die Präsidentensuite muss geputzt werden. 4500 Euro kostet das Zimmer pro Nacht, für zwei Schlafräume, ein Wohnzimmer und zwei Bäder. Schon vor der Tür riecht es wie auf einem Bahnhofsklo. Offenbar konnte da jemand nicht richtig zielen. Die Fliesen sind voll Urin. Mit Handschuhen, viel Chemie und vereinten Kräften machen wir uns zu viert an die Arbeit. Es muss schnell gehen. Das Zimmer ist noch am selben Tag erneut gebucht.

Kot, Sperma, Blut und andere Körperflüssigkeiten gehören zu meinem Arbeitsalltag. Ich weiß nicht, wo ich überall schon benutzte Kondome gefunden habe. Einmal hat ein Gast Stuhlgang in den Mülleimer gemacht, das Zimmer dann verlassen. Auch das musste ich reinigen.

Gegen 21 Uhr eile ich die Treppe hinunter zum Empfang und greife zum Telefon. Ein Gast wünscht sich Begleitung für die Nacht. Wir sind hier mit einem Escortservice verbunden. Die meisten der Frauen erkennt man gleich.

Dann verlasse ich das Hotel. Als ungelernte Kraft bekomme ich etwas mehr als den Mindestlohn pro Stunde. Heute war ein langer Tag, eine normale Schicht dauert acht Stunden. In ein paar Jahren möchte ich gern etwas anderes machen. Vielleicht mein Abitur nachholen und dann studieren. Meine Sprachkenntnisse werden mir dabei sicher helfen."

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Seite 1
hexenbesen.65 29.09.2017
1.
Ich beneide Zimmermädchen oder "Housekeeping" wirklich nicht. Wenn ich sehe, welche Schweine als mal anreisen....(sieht man auch im Urlaub, wie sich manche "Urlaubskollegen" benehmen"...) Ich halte es so: Ich verlasse den Raum so, wie ich es wünsche, ihn anzutreffen,wenn ich Zimmermädchen wäre...dh: Auch wenn ich die Toilette benutzte, wird danach gespült, Abfall (Papier usw) kommt in den Abfalleimer..."alte gebrauchte" Klamotten pack ich gleich weg.. aber leider (hab gerade die Erfahrungen machen dürfen- sind seit MOntag wieder aus dem Urlaub zurück) , "ruht" sich die "Putzfrau" dann auch gern aus.... da wird ein "Strandhotel" im Zimmer nicht gefegt (bin jedesmal beim ins-Bett-gehen in Sandkörner getreten), ein ausgefallenes Haar wurde von einer Fließe auf die nächste geschoben (konnt das sehr gut beobachten). Einzig neue Handtücher und das Bett wurde gemacht...(Und dazu braucht man keine 15 Minuten) und das Hotel war -dank Nachsaison- nicht ausgebucht... Aber ich sehe es auch so: Die, die sich im Hotel wie die Schweine benehmen, sind eigentlich ganz arme Würstchen, die haben zuhause nichts zu sagen, und müssen ihre "Macht" nu woanders "demonstrieren"..
pepe83 29.09.2017
2. Nicht zu beneiden
Gäste, die sich wie beschrieben daneben benehmen, sollten Hausverbot erhalten. Das ist einfach assozial.
irukandji 29.09.2017
3. ich sehe mich als diskriminiert an
ich bin allein reisender Geschäftsreisender und kenne diese Klientel nicht. Ich kenne allerdings den Hinweis in Toiletten Damenbinden und Tampons nicht in die Toilette zu werden und recht frisches Sperma auf einem frisch gemachten Bett. Jetzt steht es eins zu eins. Aussage gegen Aussage. Und nun lieber Qualitätsjournalismus. Eine Idee. Vielleicht entschuldigen?
rainerwäscher 29.09.2017
4.
Abitur nachholen ist eine gute Idee. Vielleicht findet man dann einen besseren Job. Nervende Männer findet man allerdings überall.
whoispaul 29.09.2017
5. Bewertungen nicht nur
für die Unterkünfte, auch für die Gäste! Mit Klarnamen versteht sich ;)
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