Security-Branche Hier bricht jeder Zweite die Ausbildung ab

Jeder vierte Lehrling beendet seine Ausbildung nicht. Besonders hoch ist die Quote im Sicherheitsdienst: Da hält nicht einmal die Hälfte der Azubis durch. Warum ist das so?

Security-Mitarbeiter bei einer Messe in Köln (Archivbild)
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Security-Mitarbeiter bei einer Messe in Köln (Archivbild)

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50,6 Prozent. Das ist die Zahl, die Frank Schimmel ärgert. Schimmel ist Vorsitzender im "Fachausschuss Ausbildung" im BDSW, dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. Und 50,6 Prozent der Azubis bei Sicherheitsdiensten steigen frühzeitig aus den Ausbildungsverträgen aus - das ist der höchste Wert bei Ausbildungsabbrüchen in Deutschland, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Frank Schimmel leitet selbst eine Fachschule für Sicherheitskräfte in Hamburg. Und er will im Bundesverband dafür sorgen, dass die Sicherheitsdienste den Spitzenplatz bei den Ausbildungsabbrechern wieder loswerden.

Die hohe Zahl wundert ihn jedoch nicht. "Ausbildungszeiten von weit über 200 Stunden pro Monat. Keine Gelegenheit, regelmäßig den Berufsschulunterricht zu besuchen. Kein dauerhafter Ausbildungsleiter. Von einer geregelten Ausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes ganz zu schweigen. Das sei für viele Azubis in seiner Branche der Alltag.

"Schwarze Schafe prägen das Image"

Natürlich gebe es zum Teil auch sehr gute Ausbildungsbetriebe, "sie machen aber leider die Minderheit aus und die schwarzen Schafe prägen das Image", sagt Frank Schimmel. Seit über 15 Jahren gibt es in der Sicherheitsbranche zwei gesetzlich geregelte Ausbildungsberufe: die "Servicekraft für Schutz und Sicherheit" mit zweijähriger Ausbildung und die "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" mit dreijähriger Lehrzeit. "Für die Qualität der Ausbildung heißt das nur leider erst mal nicht viel", sagt Schimmel im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Eine Einschätzung, die auch Silke Wollmann teilt. "Man muss das klar sagen: Es gibt Unternehmen, die nutzen ihre Auszubildenden als normale Einsatzkräfte aus", sagt die Sprecherin des BDSW. Da komme es durchaus schon mal vor, "dass ein Auszubildender direkt aus der Nachtschicht in die Berufsschule geht - und dann aus dem Unterricht heraus zum nächsten Einsatz gerufen wird".

Das allerdings, darauf legt Silke Wollmann Wert, passiere vor allem in Unternehmen, die nicht im BDSW organisiert sind - und da wiederum oft bei den zweijährigen Ausbildungsgängen. Trotzdem, daran lässt auch Wollmann keinen Zweifel, sind die Abbrecherzahlen generell zu hoch. Für die Betriebe ist das nicht nur ein Imageproblem, sondern auch eine finanzielle Belastung.

Ruf nach einem Meisterzwang

In Hamburg hat die Branche deshalb ein Pilotprojekt gestartet: Bei regelmäßigen Treffen in einer Berufsschule können die Azubis der Sicherheitsfirmen von Mängeln in ihrer Ausbildung berichten. Überforderung kommt da ebenso auf den Tisch wie Klagen über zu viele Nacht- und Wochenendschichten. "Ab Ende April wird für solche Fälle auch eine Ombudsperson zur Verfügung stehen", sagt Frank Schimmel. Denn es sei wichtig, dass die Auszubildenden einen Ansprechpartner hätten, der nicht ihr Chef sei.

Um den angestrebten Imagewechsel in der Security-Branche zu untermauern, haben sich Hamburger Sicherheitsfirmen darüber hinaus zu einer "Exzellenzinitiative" zusammengeschlossen. Wer mitmacht, verpflichtet sich, seinen Azubis beispielsweise überbetriebliche Ausbildungskurse anzubieten und einen Meister für Schutz und Sicherheit einzustellen, der die Lehrlinge betreut.

Doch die Selbstverpflichtung reicht Frank Schimmel noch nicht. "Ich würde mir für unsere Branche einen Meisterzwang wünschen", sagt er - also die Auflage, nur mit einem Meistertitel auch Nachwuchs ausbilden zu dürfen. Dass er damit bei den Sicherheitsunternehmen mit ihren geringen Gewinnmargen auf Protest stößt, ist Schimmel klar. Er sagt aber auch: "Qualität gibt's nicht umsonst."

Und mit zunehmender Qualität, hofft Frank Schimmel, werde die Abbrecherquote in der Sicherheitsbranche dann irgendwann sinken.

Video: Gefahrenjob Security - Zwischen Schlägerei und Schlichtung

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hansgustor 04.04.2018
1. Spahn
"Es gibt Unternehmen, die nutzen ihre Auszubildenden als normale Einsatzkräfte aus". Das könnte auch eine weitere Weisheit von High-Society-Minister Spahn sein.
Affenhauptmann 04.04.2018
2. Wozu
Wozu man als normaler Angestellter in der Sicherheitsbranche eine 3 jährige Ausbildung machen soll, dass muss mir erst noch jemand erklären. Ich habe als Student in dieser Branche gearbeitet und für alle Einsatzorte zusammen war meine Einführung keine 2 Stunden lang.
crewmitglied27 04.04.2018
3. Ausbildung
fängt mit der Auswahl der Auszubildenden an. Wenn der Ausbilder keine ausreichende Qualifikation hat kann er auch nur das Wenige weitergeben, was er hat. Es gibt aber ein Paar, die merken recht schnell, wenn der Chef nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Die brechen dann ab und suchen sich was Neues. Das ist eben auch ein Teil der Marktwirtschaft.
akeley 04.04.2018
4. goldener Boden
Am Ende winkt ein atemberaubendes Gehalt von neun bis zehn Euro brutto die Stunde. Für viele ein Vertrag um 100 Stunden im Monat, Arbeitsplatz bei zwei oder drei Einsatzorten in der Woche, bei jedem zu anderen Zeiten, Wechsel zwischen Tag- und Nachtschicht im Rhythmus von 4-5 Tagen, Schichtzeiten von 10, 12, 14, 15 Stunden. In dem Beruf landet man eigentlich nur noch, wenn man sonst gar keine Aussichten oder Kraft mehr hat, nur um vom Jobcenter weg zu kommen.
edhusic 04.04.2018
5. Ausbildung für was`?
Man verdient danach eh das gleiche wie die anderen die es nicht gelernt haben, Sachkunde nach 34a und Waffensachkunde reicht aus um alles machen zu können...
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