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Abgemahnt, gefeuert, geklagt Die Arbeitsrechts-Urteile der Woche

4. Teil: Dürfen Pendler zeitsparende Umwege von der Steuer absetzen?

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DPA

Die Pendlerpauschale ist immer gut für ein Gerichtsverfahren, schließlich geht es für Arbeitnehmer mit langen Arbeitswegen über die Jahre um beträchtliche Summen. Im Prinzip kann man nur die kürzeste Verbindung steuermindernd geltend machen. Aber von den meisten Regeln gibt es Ausnahmen - und darüber musste jetzt der Bundesfinanzhof entscheiden.

Zuvor hatten sich bereits Finanzgerichte mit zwei Fällen beschäftigt, die sich ähneln. Einmal ging es um ein Ehepaar: Der Mann bezifferte die Entfernung zwischen Wohnung um Arbeit mit 69 Kilometern, das Finanzamt erkannte aber nur 55 Kilometer an. Seine Frau machte 30 Kilometern geltend, aus Sicht des Finanzamtes acht Kilometer zu viel. Beide begründeten ihre Klage damit, dass sie zwar eine längere, aber schnellere Strecke gewählt hätten. Durchsetzen konnten sie sich zunächst nicht, weil es aus Sicht des Finanzgerichts notwendig ist, dass die Fahrzeit um mindestens 20 Minuten sinkt.

Zeitersparnis gilt auch unter 20 Minuten

In dem anderen Fall, in dem es um eine Differenz von rund zehn Kilometern ging, hatte ein Ehepaar einen Teilerfolg erreicht: Das Finanzgericht hielt die etwas längere Fahrstrecke für "offensichtlich verkehrsgünstiger", was aber nur für einen Teil der täglichen Route galt.

Der Bundesfinanzhof entschied über beide Fälle und konkretisierte, wie die Finanzämter es handhaben sollen, wenn jemand die schnellste statt die kürzeste Strecke wählt. Grundsätzlich können Arbeitnehmer auch für eine etwas längere Strecke die Entfernungspauschale in Anspruch nehmen. Wichtig seien alle Umstände, etwa die Streckenführung und die Ampelschaltungen.

Dann ist nicht unbedingt eine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten erforderlich, entschieden die Münchner Richter jetzt; es können auch weniger sein. Bei den Berechnungen geht es stets nur um Straßenverbindungen, die Arbeitnehmer tatsächlich regelmäßig benutzen - also nicht um theoretisch mögliche Alternativstrecken (Aktenzeichen VI R 19/11 und VI R 46/10).

Damit erhalten Arbeitnehmer bei der Entfernungspauschale etwas mehr Freiheit. Nach wie vor müssen sie aber damit rechnen, dass ein Finanzamt penibel nachmisst, zunächst nur die kürzeste Verbindung als Maß nimmt, Berufspendler sich dann die Anerkennung einer etwas schnellern, obwohl längeren Strecke erst erstreiten müssen.

Zum Autor
Jochen Leffers (Jahrgang 1965) ist SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und leitet das KarriereSPIEGEL-Ressort.

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insgesamt 4 Beiträge
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    Seite 1    
1. Wie gierig - oder bescheuert
Korken 13.02.2012
Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um illegal in Verkehr gebrachte, "geschenkte" Fahrkarten zur Erstattung einzureichen? Wäre man nicht so gierig gewesen und hätte man sie nur zur Fahrt genutzt, wäre nichts aufgefallen. Der gefeuerte Arbeiter wird sich bei Verwandter und Freundin bedanken. Auch gut möglich, dass die Erstattung von vorne herein von allen geplant war. In dem Fall selbst schuld.
2. Teil 3: Dreistigkeit und Dummheit
keksguru 13.02.2012
nun, einer war so blöd und hat möglicherweise ein paar Fahrkarten nicht vernichtet die er zu "Trainingszwecken" angefertigt hatte - und zwei Leute waren so dreist, diese Fahrkarten auch noch zur Erstattung vorzulegen, also dummer kann man es nicht mehr anstellen. Dabei müßte selbst dem "Mann auf der Straße" so langsam klar sein, daß heutzutage alles im Computer ist und was da nicht drin ist kann auch nicht existieren - ist also ein Betrugsversuch.
3.
querollo 14.02.2012
Zitat von keksguruist also ein Betrugsversuch.
Und kein kleiner. So eine Jahreskarte kostet in Berlin zwischen um die 700 und 1.700€. Dafür gibts ne Menge Maultaschen.
4.
james-100 14.02.2012
Zitat von keksgurunun, einer war so blöd und hat möglicherweise ein paar Fahrkarten nicht vernichtet die er zu "Trainingszwecken" angefertigt hatte - und zwei Leute waren so dreist, diese Fahrkarten auch noch zur Erstattung vorzulegen, also dummer kann man es nicht mehr anstellen. Dabei müßte selbst dem "Mann auf der Straße" so langsam klar sein, daß heutzutage alles im Computer ist und was da nicht drin ist kann auch nicht existieren - ist also ein Betrugsversuch.
Sie überlesen mal wieder etwas. "Zitat-->Bei der Sachlage sahen die Richter eine "ganz überwiegende Wahrscheinlichkeit" der Beteiligung an der Fahrscheinmanipulation. Die Verkehrsbetriebe könnten in diesem Fall zur außerordentlichen Kündigung greifen, auch ohne dem Mitarbeiter die Tat nachzuweisen
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