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Manager im Personalgespräch Von der Gattin lernen heißt siegen lernen

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Müssen Mitarbeitergespräche auch zartfühlend sein, wenn die Abteilungsniete vor einem sitzt? Mittelmanager Achtenmeyer redet endlich mal, wie er denkt. Und findet: Nichts ist so erfrischend wie brutale Offenheit.

Der Valentinstag ist vorbei und Achtenmeyer hat versagt. Das wäre an sich nichts Neues, immerhin lässt seine Performance jedes Jahr zu wünschen übrig. Nur dass er sich dieses Mal vorgenommen hatte, es besser zu machen. Allerdings wurde sein Vorsatz schon im Ansatz erstickt, und er weiß auch noch genau, wann das war. Nämlich, als er die Amazon-Seite öffnete und ihn ein Banner ansprang: "Am 14.2. ist Valentinstag. Geschenke zum Verlieben, präsentiert von 'Fifty Shades of Grey'".

Nun ist Achtenmeyer der Letzte, der sich über die gnadenlose Kommerzialisierung einer romantischen Idee beklagen würde; tatsächlich bewunderte er insgeheim den Marketing-Coup, mit einem Soft-Sadomaso-Film die Idee von "Verliebtsein" zu kapern. Doch dann verlor er sich beim Durchklicken durch Dutzende von Dessous und aufwendig verpackten Rosé-Champagner. Ehe er sichs versah, war es 19 Uhr und er hatte immer noch kein Geschenk. Woraufhin er sich auf eine alte Marketing-Weisheit besann ("Keep it short and simple"), am Bahnhof eine Piccolo-Flasche Sekt erstand und darauf schrieb: "Wer braucht schon Geschenke, wenn es um Liebe geht?"

Eine brillante Idee, aus Marketing-Perspektive. Aus Ehegattinnen-Perspektive eher nicht so. Seine Frau giftete: "Du bist der jämmerlichste Mann, den ich kenne." Seither herrscht Eiszeit im Hause Achtenmeyer, im Bett, am Tisch, vor dem Fernseher. Seine Frau hat die Kommunikation komplett eingestellt. Was natürlich unendlich traurig ist, aber durchaus auch Vorteile hat, auch wegen der unschätzbaren learnings, die Achtenmeyer aus dem Vorfall für sich als Manager mitnimmt.

Immerhin stehen die halbjährlichen Mitarbeitergespräche an, und mit Blick auf das Valentinsfiasko beschließt Achtenmeyer, diesmal alles ganz anders zu machen. Konstruktive Gesprächsführung, einen Kritikpunkt zwischen zweimal Lob verpacken (Sandwich-Methode), das Gegenüber als Mensch wertschätzen - auf das ganze Brimborium wird er diesmal verzichten. Seine Frau hat schließlich auch auf die Sandwich-Methode gepfiffen, von Wertschätzung oder konstruktiven Gedanken keine Spur. Und von der Gattin lernen heißt siegen lernen. Er muss es wissen - ist er doch regelmäßig der Verlierer.

"Sie sind ein fauler, arroganter Blödmann"

Wie bei jeder Feedback-Runde sind alle Gespräche einfach, bis auf zwei. Der eine ist Huber (den Achtenmeyer irgendwie sympathisch findet, obwohl er ein fauler, arroganter Blödmann ist) und Magerl (den Achtenmeyer nicht leiden kann, wofür es allerdings keine objektiven Gründe gibt, denn Magerl ist zuverlässig, schnell im Kopf und wird vom Rest des Teams hoch geschätzt).

In den vergangenen Jahren hat Achtenmeyer immer mit allerlei Wortgirlanden jongliert, die im einen Fall seine Sympathie übertünchen, im anderen seine Abneigung hinter mühsam abgerungenem Lob verstecken sollten.

Damit ist jetzt Schluss. "Huber, Sie wissen, dass ich Sie schätze. Aber Sie sind ein fauler, arroganter Blödmann. Wenn Sie Ihre Einstellung zum Job nicht ganz grundsätzlich überdenken, dann war's das für Sie in meiner Abteilung. Haben wir uns verstanden?" Huber nickt bedröppelt, verlässt das Zimmer und schickt Magerl herein.

Problemgespräche, Teil zwei. "Tja, Magerl, was soll ich sagen? Sie sind zuverlässig, schnell im Kopf, das Team schätzt Sie. Ohne Ihre Arbeit stünde die Abteilung längst nicht so gut da. Der Punkt ist: Ich kann Sie nicht leiden. Leben Sie damit oder gehen Sie woandershin." Als Magerl aus der Tür raus ist, schaut Achtenmeyer auf die Uhr: Zweieinhalb Minuten für beide Gespräche zusammen, das dürfte Firmenrekord sein.

Können wir uns das Motivationszeug ersparen?

Am nächsten Morgen findet er eine Mail von Huber und eine von Magerl auf seinem Smartphone. Hubers Mail wurde um 3.23 Uhr abgeschickt und hat 17 Anhänge. Es sind sämtliche Projekte, auf deren Fertigstellung Achtenmeyer seit Monaten wartet, es aber nie übers Herz brachte, Huber unter Druck zu setzen. Jetzt ist alles fertig und Huber bedankt sich überschwänglich für das "sehr offene Feedback".

Auch Magerl hat nichts am gestrigen Gespräch auszusetzen. Im Gegenteil sei er froh, endlich zu wissen, woran er sei. Er lege ohnehin wenig Wert auf emotionale Bestätigung, vielleicht könne man sich also das übliche Motivationszeug sparen und stattdessen seinen Bonus genauer und in einer breiteren range definieren? Achtenmeyer sagt sofort zu. Dann geht er zum Bahnhofskiosk, kauft eine Flasche Sekt und schreibt beschwingt einen Fachaufsatz für das renommierteste Personalmagazin im Land. Thema: "Feedback frontal - Erfolg mit der Bulldozer-Methode".

Lessons learned

1) Zwischen den Brötchenhälften: HR-Experten schwören auf die Sandwich-Methode: Kritik mit Lob garnieren, damit es nicht so hart rüberkommt. Das ist grundsätzlich eine feine Sache - solange auch kritisiert wird. Oft genug bleibt es beim Loben (das macht nämlich viel mehr Spaß), der Mitarbeiter spürt aber, dass etwas nicht stimmt - und das macht ihn erst recht unsicher.

2) Gegen Günstlinge: Menschen verteilen ihre Sympathie unterschiedlich, und Vorgesetzte sind da keine Ausnahme. Daraus lässt sich kein Vorwurf machen, gegen Bauchgefühle ist selbst ein Super-Chef machtlos. Die Bewertung und Entwicklung eines Mitarbeiters sollte davon aber frei bleiben.

Hart, aber fair: Sicher schießt Achtenmeyer übers Ziel hinaus. Doch mehr Direktheit statt Rumlavieren stünde vielen Feedbackrunden gut zu Gesicht. Mitarbeiter wollen eine ehrliche Einschätzung, wo sie stehen, nur das bringt sie weiter. Und den Vorgesetzten auch.

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Vom Duden lernen heißt Zeichensetzung lernen
renzodohm 03.03.2015
Wäre toll, wenn jemand Kundiges wenigstens die Überschrift nochmal ansähe ...
2. So einen Unsinn
hevopi 03.03.2015
habe ich auch noch nicht gelesen. Aber ganz offen: Herr Werle, Ihre Glosse ist beknackt, unlogisch und nahe am Rand des totalen Schwachsinns.
3. Auch wenn es eine Glosse ist...
dirse 03.03.2015
...und die Sache überspitzt dargestellt wird, ist das hier eine schöne Beschreibung von psychischer häuslicher Gewalt, die von Frauen in Familien ausgeübt wird und weit verbreitet ist, Zitat: ---Zitat--- Seine Frau giftete: "Du bist der jämmerlichste Mann, den ich kenne." Seither herrscht Eiszeit im Hause Achtenmeyer, im Bett, am Tisch, vor dem Fernseher. Seine Frau hat die Kommunikation komplett eingestellt. ---Zitatende---
4. Niedlich...
dasleben 03.03.2015
... im eigenen Heim hat SIE die Hosen an und ER hat nix Bessers zu tun, als seinen Frust auf Arbeit abzubauen. Ich nenne das mal so "Ein Mann wird sentimental!" ....und dann schreibt er auch noch einen Artikel darüber... Wahnsinn!!! :-)))
5. Yeah, Achtenmeyer
armi-nator 03.03.2015
...die beste Kolumne im ganzen Spiegel. Klare Kante, klare Aussage. Da kann man im Ausgleich sogar über Sybille Berg hinwegsehen.
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