Agentur für Alibis Schatz, ich muss auf Dienstreise
Uneheliche Kinder, Affäre im Büro oder langweilige Familienfeier: Gründe für Ausreden und Lügen gibt es viele. Ein Bremer hat daraus eine Geschäftsidee entwickelt und eine Alibi-Agentur gegründet. Manche seiner Kunden buchen sogar gleich eine Lügen-Flatrate.
Stefan Eiben, 37, hat das Lügen zu seinem Beruf gemacht. Er verkauft Alibis - an den Teamleiter, der keine Lust aufs langweilige Firmenjubiläum hat, die Tante, der es vor dem Familientreffen graut und natürlich an den Manager, der sich lieber mit der Geliebten als der Ehefrau vergnügt. Eiben verschickt für sie fiktive Einladungen zu Seminaren oder Fortbildungen, türkt Hotelreservierungen, bestätigt vermeintliche Termine per Telefon oder SMS und lässt sogar Postkarten und Briefe auf Postämtern in Singapur oder Hawaii aufgeben.
Damit die Schreiben auch seriös wirken, tragen sie die Briefköpfe von echten Unternehmen, von der Tischlerei bis zur Marketingagentur. Befreundete Firmeninhaber machen es möglich. "Alles ganz legal", sagt Eiben. Es gehe absolut alles, solange es rein privat genutzt werde. Eibens Agentur "Alibi Profi" ist schon seit 13 Jahren auf dem Markt. In Deutschland beschäftigt er eine Handvoll Mitarbeiter, weltweit kann er auf rund 1000 Helfer zurückgreifen.
Moralische Bedenken hat Eiben nicht: "Ich hätte welche, es nicht zu machen." Er verhelfe seinen Kunden schließlich zu dem Freiraum, der ihnen zustehe. "Viele wollen einfach mal ein freies Wochenende oder einen freien Abend genießen, ohne sich rechtfertigen zu müssen oder jemanden vor den Kopf zu stoßen."
Auf die Idee zur Gründung der Alibi-Agentur brachten ihn zwei Freunde. Sie sagten ihm kurzfristig ab, auf Wunsch ihrer Freundinnen. "Für mich käme es nicht in Frage, sich etwas verbieten zu lassen", sagt Eiben. Allerdings gibt er zu: "Ich bin ein schlechter Lügner."
Seine Kunden seien Frauen und Männer zwischen 18 und 80 Jahren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, darunter Studenten, Politiker, Rechtsanwälte oder Fußballspieler, aber auch arbeitslose oder schwerkranke Menschen: "Letztere stehen oft unter großem Druck und wollen ihre Situation vor Freunden oder Nachbarn geheim halten."
Fiktive Clubmitgliedschaft, realer Monatsbeitrag
Einige Kunden nehmen die Hilfe der Bremer Agentur aber auch dauerhaft in Anspruch. "Wenn ein Mann zum Beispiel sein uneheliches Kind besuchen möchte, ohne dass seine Frau etwas merkt, statten wir ihn mit einer zweiten Identität aus", sagt Eiben. Als Dolmetscher oder Handelsvertreter erkläre sich seine häufige Abwesenheit quasi von selbst. Damit der Trug nicht auffliegt, lässt Eiben für den Kunden Visitenkarten des fiktiven Arbeitgebers drucken und richtet sogar eine eigene Telefonnummer ein, unter der man vermeintliche Kollegen erreicht, die dann ausrichten lassen, der Gesuchte sei gerade im Außendienst, im Meeting oder auf Geschäftreise. 349 Euro kostet diese Alibi-Flatrate pro Monat.
Auf Wunsch gründet Eiben auch einen Club, dessen Motto darf der Kunde selbst wählen, etwa Zigarrenclub oder Unternehmertreff. Für einen Monatsbeitrag von 349 Euro gibt es dann einen Mitgliedsausweis, VIP-Einladungen, Infoblätter. Das "unterstreicht Ihre Wichtigkeit und erlaubt Ihnen, sich jederzeit eine Auszeit nehmen zu können", so der Werbeslogan der Alibi-Agentur.
Manuela Ellmers, dapd/vet
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